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Konnichiwa aus Tokio: Carsten Germis : Trotz Wolken Feierstimmung bei der Bank von Japan

  • Aktualisiert am

Tokio mit dem Fuji Bild: AFP

Die Spitze der Bank von Japan jubelt, denn die Konjunktur der drittgrößten Volkswirtschaft zieht an - sagen die Notenbanker. Grund für den neuen Optimismus ist die aggressive Geldpolitik des neuen Notenbank-Chefs Haruhiko Kuroda.

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          Auf ihrer geldpolitischen Sitzung in Tokio hat sich die Spitze der Bank von Japan (BoJ) ganz offensichtlich selbst ein bisschen gefeiert. Die wirtschaftliche Entwicklung der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt ziehe an, sagte die Bank am Mittwoch in Tokio. So zuversichtlich hat sie die wirtschaftliche Entwicklung Japans lange nicht beurteilt.

          Grund für den neuen Optimismus ist die aggressive Geldpolitik, die die Notenbank unter Führung ihres neuen Gouverneurs Haruhiko Kuroda vor gut einem Monat eingeschlagen hat. Binnen der nächsten zwei Jahre will sie die Geldbasis verdoppeln und sie kauft Staatsanleihen des bereits mit mehr als dem doppelten seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldeten Landes im großen Stil. Neue Maßnahmen wurden dieses Mal nicht beschlossen, die Bank hat dafür allerdings auch kaum noch Spielraum.

          Schweigen zum Anleihemarkt

          Aufmerksam wurde in Tokio registriert, dass sich die Bank zu den sehr sprunghaften Entwicklungen auf dem Markt für Staatsanleihen nicht näher geäußert hat. Obwohl die Bank in einem bislang noch nicht dagewesenen Maß Staatsanleihen kauft, steigen die Zinsen. Finanzminister Taro Aso hat Kuroda deswegen bereits aufgefordert, den Märkten seine Politik besser zu erklären.

          Der Anstieg könnte als Signal dafür gewertet werden, dass die Marktteilnehmer die Politik der Notenbank zunehmend als Monetarisierung der Staatsschuld wahrnehmen. In dem Markt, auf dem die Notenbank mittlerweile rund 70 Prozent der Neuemissionen aufkauft, kommt es zu starken Kursausschlägen, sobald einer der anderen Anleger nervös wird und Positionen abbaut.

          Zunächst schien Kurodas Rechnung aufzugehen. Als er im April die massiven Anleihekäufe ankündigte, fiel die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf ein Tief von 0,441 Prozent. Doch seitdem ist sie sprunghaft angestiegen, auf rund 0,9 Prozent. Einer der Gründe ist, dass es neben der Notenbank kaum noch Käufer japanischer Staatsanleihen gibt. Dass Japan ein „sicherer Hafen“ für Anleger ist, scheint manchem Anleger fragwürdig zu werden. Hinzu kommt, dass die Regierung es bislang nicht geschafft hat, erkennen zu lassen, wie sie die gigantische Staatsschuld des Landes mittelfristig in den Griff bekommen will.

          Handelsbilanz verharrt tief in den roten Zahlen

          Zudem bekam Japans Wirtschaftsminister Akira Amari am Mittwoch durch die neuen Zahlen zur Handelsbilanz des Landes bestätigt, dass seine Sorgen über die rapide Schwächung des Yen gegenüber den anderen Währungen begründet sind. Der Minister befürchtet, dass stark steigende Preise – vor allem für Energie – der Wirtschaft stärker schaden als erwartet. Amari musste seine Sorgen, die er am Wochenende in einer Fernsehsendung geäußert hatte, zwar zu Wochenbeginn unter Druck des Kabinetts wieder zurücknehmen, doch die neuen Zahlen geben ihm recht. Gegenüber dem Dollar hat der Yen seit November, als sich die neue, aggressive Geldpolitik der Bank von Japan erstmals andeutete, rund 30 Prozent an Wert verloren. Das hat Kuroda beabsichtigt, weil es die japanischen Exportunternehmen über niedrigere Preise und höhere, im Ausland erzielte Gewinne wettbewerbsfähiger macht. Doch mit dem rapiden Wertverlust des Yen steigen auch die Kosten der Importe spürbar.

          Für April meldete das Finanzministerium, dass sich das Defizit in der Handelsbilanz auf 879,9 Milliarden Yen erhöht hat, vor einem Jahr waren es noch 518,4 Milliarden Yen. Die Exporte – befeuert durch den schwachen Yen – legten im Jahresvergleich um 3,8 Prozent auf 5,78 Billionen Yen zu. Ökonomen und wohl auch die Regierung hatten hier mit mehr gerechnet. Die Einfuhren stiegen dagegen um 9,4 Prozent auf 6,66 Billionen Yen – und das, obwohl erstmals weniger Öl eingeführt worden ist. Die Effekte des schwachen Yen scheinen in der Bilanz bei den Einfuhren stärker zu Buche zu schlagen als bei den Exporten. Der Höhenflug an der Börse hielt unterdessen an. Mit 15.564,9 Punkten erreichte der Aktienindex Nikkei zum Mittag den höchsten Stand seit Dezember 2007.

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