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Konjunkturdaten : Japans Unternehmen bleiben bei Investitionen zurückhaltend

Stillstand: Parkende Bagger in einer Fabrik in Tokio. Die Maschinenbauaufträge der japanischen Industrie sind deutlich hinter den Hoffnungen zurückgeblieben. Bild: Reuters

Auch die neuerlichen Konjunkturdaten aus Japan sind eher durchwachsen. Die Maschinenbauaufträge stiegen weniger als erhofft. Japans Unternehmen investieren lieber im Ausland.

          2 Min.

          Die neuen Zahlen über die Maschinenbauaufträge der japanischen Industrie sind deutlich hinter den Hoffnungen der Regierung in Tokio zurückgeblieben. Im Januar gingen sie – saisonbereinigt – um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Die Regierung verfolgt die Entwicklung aufmerksam, weil Maschinenbauaufträge als Indikator für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gesehen werden.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Für die Wirtschaftsstrategie von Ministerpräsident Shinzo Abe sind steigende Investitionen und Löhne überlebenswichtig. Bislang geht die Rechnung nicht auf, über eine extrem lockere Geldpolitik, einen schwächer werdenden Yen und dadurch wachsende Exportgewinne, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auf einen sich selbst tragenden Aufschwung zu bringen. Immerhin – im Vergleich zum Vorjahr lagen die Maschinenbauaufträge um 1,9 Prozent höher, teilte die Regierung mit. Sie hält deswegen an ihrer Einschätzung fest, dass die Unternehmensinvestitionen „Zeichen eines moderaten Aufschwungs“ zeigen. Die Regierung hatte diese Formulierung gewählt, als die Maschinenbauaufträge im Dezember um 8,3 Prozent zugelegt hatten.

          Zu viel Auslandsinvestitionen

          Überraschend kam der Rückgang im Januar nicht. Viele Analysten hatten sogar mit einem noch schwächeren Ergebnis gerechnet. Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, dass Abes Rechnung, über einen geschwächten Yen und wachsende Exporte die Wirtschaft zu beleben, nicht aufgeht. Nachdem das Land im zweiten und dritten Quartal 2014 nach einer Erhöhung der Konsumsteuern zum 1. April von 5 auf 8 Prozent stärker in die Rezession gerutscht war als befürchtet, musste die Regierung bereits zum Wochenbeginn die Wirtschaftszahlen für das Schlussquartal nach unten korrigieren. Vor allem wegen der schwachen Unternehmensinvestitionen konnte die Regierung statt eines Wachstums von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur ein Plus von 0,4 Prozent melden. Statt zuzulegen gingen die Unternehmensinvestitionen in dem Zeitraum um 0,1 Prozent zurück.

          Einer der Gründe für die schlechten Zahlen ist, dass Japans Unternehmen weiterhin verstärkt im Ausland expandieren wollen – und dort auch investieren. Kritiker der Abeschen Wirtschaftspolitik weisen darauf hin, dass die Regierung grundlegende Reformen in der rapide alternden Gesellschaft bislang schuldig geblieben ist und es versäumt hat, die verkrusteten Strukturen der Japan AG aufzubrechen. Auch die von der Regierung geforderten Lohnerhöhungen dürften während der Tarifverhandlungen in diesem Frühjahr in den nicht vom Export profitierenden Branchen und in den kleinen und mittleren japanischen Unternehmen – in denen 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten – daher weit hinter den Erwartungen zurückbleiben.

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