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Kampfflugzeug : Indien hadert mit dem französischen Rafale

Maschine des französischen Kampfflugzeuges Rafale Bild: AFP

Eigentlich wollte Indien für mehr als 20 Milliarden Dollar Kampfflugzeuge des Typs Rafale von Frankreich kaufen. Doch der Deal kommt nicht voran.

          Es wird eng für den Milliarden-Deal zwischen Frankreich und Indien: Immer wieder erklären in diesen Tagen hohe indische Beamte unter dem Schutz der Anonymität, dass der Kauf von 126 Rafale-Flugzeugen für mehr als 20 Milliarden Dollar in der Schwebe hinge. Ende vergangenen Jahres hätte der Vertrag endgültig abgeschlossen sein sollen. Niemand sagt es derzeit, aber natürlich machen sich die übrigen Europäer damit wieder Hoffnung, dass Indien am Ende doch noch auf den Eurofighter Typhoon ausweicht. Unter den Vertragsbedingungen ist es allerdings nicht möglich, den Zweitplazierten der Ausschreibung zu wählen. Der Eurofighter müsste einem abermaligen Auswahlverfahren unterzogen werden – das letzte begann 2007 und zieht sich bis heute hin.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dem Vernehmen nach geht im Tauziehen mit den Franzosen um zwei Punkte: Den Preis und eine Qualitäts-Garantie von Rafale-Hersteller Dassault Aviation SA für diejenigen Maschinen, die von den Indern selber bei Hindustan Aeronautics gefertigt werden sollen. Diese Kritik kommt dem Eurofighter-Konsortium zugute: Zum einen hatte es aus eigener Sicht ein ehrlicheres Angebot abgegeben, dass dann aber als zu teuer galt. Der Rafale gewann vor allem, weil die Offerte der Franzosen niedriger lag. Schon damals hieß es im Lager des Eurofighter, der Preis für den Rafale werde sich schrittweise erhöhen – was nun zu stimmen scheint. Er steigt mit jedem Ausrüstungsmerkmal. Zugleich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Schlussphase der Auftragsvergabe in einem Brandbrief  noch einmal auf den Willen der Europäer zu einer Verteilung der Aufgaben in der Produktion und zum Technologietransfer hingewiesen und eine enge Zusammenarbeit angeboten. Die Franzosen weigern sich aber nun seit einem guten Jahr, die Garantie für die Fertigung in Indien zu übernehmen.

          Der Druck auf Indien steigt. Dort wird geschätzt, man brauche mindestens 45 Staffeln, um einen etwaigen Angriff aus Pakistan oder China kontern zu können. Derzeit aber verfügen die Inder nur über 25 Staffeln. Darunter sind 14, deren veraltete russische Mig-21 und Mig-27 ab diesem Jahr aus dem Dienst genommen werden sollen. Auch die Franzosen haben Druck: Für Dassault ist der Verkauf des Rafale nach Indien die erste Bestellung aus dem Ausland. Sie gilt als überlebenswichtig für den französischen Hersteller.

          In diesen Tagen sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, erklärte Indiens Luftwaffenchef Arup Raha. Ministerpräsident Narendra Modi hat seit Mai mehr als 20 Milliarden Dollar für Waffenkäufe freigegeben – fast doppelt so viel, wie Indien im vergangenen Fiskaljahr (31. März) investierte. Indien ist der größte Käufer schwerer Waffen weltweit. Modi versucht verstärkt, Fertigung ins Land zu holen. Unter dem Vorvertrag mit Dassault werden die Franzosen 18 Flugzeuge bei sich bauen, Hindustan übernimmt dann unter ihrer Anleitung den Bau weiterer 108 Kampfjets. Die Inder haben schon unter russischer Führung Sukhoi-Kampfflugzeuge gebaut. Sie aber erweisen sich als fehlerhaft. Rund 200 Maschinen stehen derzeit am Boden, um überprüft zu werden.

          Die beiden Verteidigungsminister hatten Anfang Dezember in Delhi beschlossen, die Verhandlungen nun schnell zum Abschluss zu bringen. Die Franzosen kündigten eine ranghohe Delegation an, die in Delhi die Sache zu Ende bringen werde. Bislang ist sie noch nicht gekommen. Im April wird Modi Frankreich und Deutschland besuchen, wo die Inder Partnerland der Hannover-Messe sein werden. Bis dahin, so heißt es in Delhi, solle eine Entscheidung gefallen sein.

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