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Kampf gegen den Smog : China setzt Drohnen gegen die Luftverschmutzung ein

Bild: dpa

Unbemannte Flugzeuge sollen Chemikalien versprühen und Umweltsünder aufspüren. Vernebelt sind heute auch Asiens Aktienmärkte. Sie leiden unter miesen Exportdaten und dem schwachen Wachstum in Japan.

          3 Min.

          Die chinesische Regierung will Drohnen gegen die Luftverschmutzung einsetzen. Dazu habe es einen ersten Versuch auf einem Flughafen in der Binnenprovinz Hubei gegeben, meldet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das unbemannte Flugzeug könne den Smog dadurch auflösen, dass es chemische Katalysatorstoffe freisetze.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das neue Verfahren spare Kosten und minimiere Risiken, schreibt Xinhua. Das „Parafoil“ genannte Flugzeug starte, lande und navigiere bei jedem Wetter und jeder Sicht und könne dreimal so viel laden wie eine herkömmliche Maschine. Die Drohne ist die Entwicklung eines Unternehmens, das zur Avic-Gruppe gehört, Chinas staatlichem Luftfahrtkonzern.

          Die Ankündigung erfolgte wenige Tage nachdem Regierungschef Li Keqiang vor dem Nationalen Volkskongress in Peking der Umweltverschmutzung „den Krieg erklärt“ hatte. Die schlechte Qualität der Luft, des Wassers, der Nahrung und der Böden sorgt in der Bevölkerung für immer mehr Unmut und verursacht hohe volkswirtschaftliche Kosten.

          Mit Infrarotkameras gegen Umweltverpester

          Nach Angaben des Umweltministeriums nutzt es Drohnen auch dafür, illegale Verschmutzungsquellen aufzuspüren. Solche Flugkörper seien in Peking sowie in den Nachbarprovinzen Hebei und Shanxi im Einsatz, die als besonders belastet gelten. Weitere Regionen würden einbezogen.

          200 Fälle rechtswidriger Schadstoffausstoße oder der Abfallentsorgungen sollen auf diese Weise schon aufgeklärt worden sein. Jedes Flugzeug kann 70 Quadratkilometer überwachen und ist für die Kontrollflüge in der Nacht mit Infrarotkameras bestückt.

          Chinas Führung gibt sich entschlossen, die Umweltgesetze zu verschärfen und endlich besser durchzusetzen. Im vergangenen Jahr verfehlten 71 von 74 Großstädten die Auflagen zum Luftqualitätsstandard – weitgehend ohne Folgen.

          Das soll sich jetzt ändern. Der Sache angenommen hat sich Zhang Dejiang, der drittmächtigste Politiker des Landes hinter Partei- und Staatschef Xi Jinping und Li Keqiang. Er gehört dem Ständigen Ausschuss des Politbüros an, Chinas siebenköpfigem Führungszirkel. Außerdem ist er Vizechef des neuen nationalen Sicherheitsrats und Vorsitzender des Volkskongresses, Chinas Scheinparlaments, das noch bis Donnerstag in Peking tagt.

          Am Sonntag legte Zhang Dejiang einen Bericht vor, wonach künftig die „Verschmutzer  verantwortlich für den Schaden sind, den sie verursachen, und diesen ausgleichen müssen“. Das wäre eine weitreichende Veränderung, denn bisher war das zuständige Ministerium nicht in der Lage, wirksam gegen Umweltsünder vorzugehen.

          Zhang Dejiang hat in Chongqing aufgeräumt, jetzt soll er die Umwelt retten

          Zhang wird zugetraut, strengere Regeln durchzufechten. Er hat in Nordkorea studiert und erfolgreich eine heikle Mission in der chinesischen Stadtprovinz Chongqing übernommen.  Nachdem dort der beliebte Parteichef Bo Xilai abgesetzt worden war – inzwischen wegen Käuflichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt -, übernahm Zhang das Ruder und steuerte die Metropole wieder in ruhigere Gewässer.
          Auf welche Weise Zhang die Industrie, die Kraftwerke, die Bauwirtschaft und den Autoverkehr zur Verantwortung ziehen will, bleibt ungenau. Fachleute vermuten, dass das Umweltgesetz von 1989 verschärft und das Umweltministerium erheblich gestärkt wird. Möglicherweise darf es künftig Stilllegungen selbst aussprechen.

          Vernebelt sind nicht nur Chinas Großstädten, vernebelt sind heute auch die Aussichten auf den asiatischen Aktienmärkten. Nachdem er vier Wochen hintereinander gestiegen war, geht der Regionalindex MSCI Asia Pacific bis zum Mittag um 0,6 Prozent zurück.

          Aktien von Malaysian Air fallen, weil ein Flugzeug verloren ging

          Das hat verschiedene Gründe. In China belastet die Kurse, dass der Export im Februar regelrecht eingebrochen ist, um mehr als 18 Prozent. Das hat es in diesem Ausmaß seit der Finanzkrise 2009 nicht gegeben.

          In Japan, der zweitgrößten asiatischen Volkswirtschaft, ist das Bruttoinlandsprodukt im zurückliegenden Quartal nur um 0,7 Prozent gewachsen. Das war weniger, als die Regierung angekündigt und als die Analysten vorhergesagt hatten. Der Topix-Index gibt daher 0,6 Prozent nach.

          Die Lage in der Ukraine verunsichert die Märkte weiterhin. Die Börse in Kuala Lumpur leidet zusätzlich unter dem Verlust einer Maschine von Malaysian Air, die auf dem Weg nach Peking verschwunden ist. Die Aktie des Unternehmens verliert 12 Prozent an Wert.

          Hoffentlich wird der Vorfall bald aufgeklärt, und hoffentlich gibt es bald wieder günstigere Nachrichten zu melden. Bessere Luftwerte zum Beispiel. In Peking beträgt die Feinstaubbelastung (PM 2,5) heute Mittag 89 Mikrogramm je Kubikmeter. Das übersteigt die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO um das Dreieinhalbfache.

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