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Im Visier von Shortsellern : Was ist Tesla eigentlich wirklich wert?

Ein Tesla-Showroom in Manhattan Bild: Reuters

Nichts, sagt ein bekannter Leerverkäufer von der Wall Street und nennt ein paar interessante Gründe.

          3 Min.

          Jim Chanos hat sich einen Ruf als Warren Buffett der Shortseller erworben. Genau wie der legendäre Investor prüft Chanos mit außergewöhnlicher Akribie Unternehmen. Doch anders als Buffet sucht er nicht nach unterbewerteten Übernahmezielen, er spürt überbewertete Unternehmen auf. Seine Reputation ist legendär, seit er als einer der wenigen Stimmen früh auf die Bilanztricks von Enron hingewiesen hatte. Das von zahlreichen Analysten hochgejubelte Energieunternehmen war als große Luftnummer aufgeflogen, Chanos 1985 gegründeter Hedgefonds Kynikos verdiente mit seiner Leerverkaufsstrategie viel Geld und neue institutionelle Investoren, die dem Hedgefonds bis heute Milliarden anvertrauen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Spätestens seit 2016 ist das Autounternehmen Tesla in das Visier des Shortsellers gerückt. Das Unternehmen ist mit 56 Milliarden Dollar fast genauso viel Wert wie General Motors und deutlich mehr als Ford. Binnen eines Jahres hat die Tesla Aktie um mehr als 50 Prozent zugelegt von 200 Dollar auf jetzt rund 330 Dollar.

          Zu Unrecht, findet Chanos. Nach seiner Einschätzung erfüllt Tesla alle Kriterien für ein klassisches Zielobjekt eines Leerverkäufers: Tesla schreibe Milliardenverluste in einer zyklischen Branche, sei hochverschuldet, wende fragwürdige Buchführungsmethoden an, verliere Spitzenmanager und werde von einem Chef geführt, der ein fragwürdiges Verhältnis zu Wahrheit pflege.

          Chanos wettet schon lange gegen Tesla

          Das zielt auf Elon Musk, den charismatischen Chef und Gründer des Unternehmens. Probleme gibt es in der Tat. Die Produktion des Modells 3 Sedan verzögert sich wegen verschiedener Engpässe in der Batteriefabrik und in der Fahrzeugproduktion. Tesla stellte im dritten Quartal nur ein Fünftel der Autos her, die man sich vorgenommen und versprochen hatte. Die Erreichung des Produktionsziels von 5000 Autos in der Woche verschob das Unternehmen von Dezember auf März.

          Chanos sagte in einem Interview mit CNBC, Tesla habe alle möglichen Ankündigungen nicht eingehalten. So habe Musk versprochen, 2019 einen Semi-Truck zu liefern und im Jahr darauf einen Roadster. Doch Produktionslinien dafür gebe es nicht, sie bräuchten Jahre, um sie zu erreichen und genehmigen zu lassen.

          Chanos wettet schon lange gegen Tesla, spätestens seit Mai 2016. Nach eigenen Angaben hat er seine Shortposition im Laufe des Jahres beständig aufgestockt. Er glaube, Tesla sei wertlos. Die Leute kauften Tesla wegen Musk. Der aber verliert nach Chanos Prognose bald die Lust angesichts kräftiger Konkurrenz unter anderem aus Deutschland, wo Porsche und BMW Luxuswagen mit Elektromotoren produzierten. 2020 werde sich Musk ohnehin auf sein Raketengeschäft konzentrieren, spekuliert Chanos. Dass sich der Hedgefondsmanager in letzter Zeit häufiger in die Öffentlichkeit gewagt hat mit aggressiven Stellungnahmen zu Tesla, kann auch Ausdruck eigener Nervosität sein, dass sein Strategie nicht auf geht. 

          TESLA INC. DL -,001

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          Viele Anleger teilen Chanos Analyse nicht, im Gegenteil. Sie haben dem Unternehmen einen Zuwachs von 60 Prozent in diesem Jahr beschert und stark engagierten  Leerverkäufern schwere Stunden beschert. Musk hatte deshalb im April den launigen Tweet „stürmischen Wetter in Shortville“ abgesetzt in Anspielung auf Shortseller.

          Einige Nachrichten geben zu denken

          Anfang November hatte Tesla einige Investoren mit der Meldung erschreckt (und Shortseller erfreut), dass man im jüngsten Quartal 1,3 Milliarden Dollar verbrannt habe, um die Sedan-Produktion in Schwung zu bringen. Man verbuchte einen Quartalsverlust von 619 Millionen Dollar. Musk wies allerdings auf stolze Vorbestellungszahlen hin. Zudem habe man in der kurzen Existenz schon 250.000 Autos veräußert.

          Das klingt viel, doch so viel haben General Motors und Ford allein im September 2017 in Amerika abgesetzt - mit Gewinn. Investoren begründen den Wert von Tesla mit dem disruptiven Charakter der Firma. Allerdings können die alten Verbrennungsmotorspezialisten auch Elektromotor und zeigen das, wie jüngst Volkswagen mit milliardenschweren Investitionsplänen. Sie beherrschen Software, weshalb in manchem Mercedes- Modell mehr Mikroprozessoren stecken als in Teslamodellen. Und sie können anders als Tesla Produktion sehr gut, was Toyota mit zehn Millionen fristgerecht gebauten Autos im Jahr beweist.

          Das ist der Unterschied zum häufig bemühten Beispiel Kodak. Das Fotofilm-Unternehmen hatte Digitalfotografie nie richtig in den Griff bekommen. Es wird dagegen immer unklarer, was Tesla eigentlich besser kann als die alten Platzhirschen.

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