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Kasino-Regulierung : Japans Regierung will die Japaner vor sich selbst schützen

Vor einem Pachinko-Kasino in Fuefuki, westlich von Tokio. Bild: Reuters

Japans Regierung diskriminiert die eigenen Landsleute. Ausländische Touristen sollen die geplanten Spielbanken frei besuchen dürfen. Japanern sollen dagegen Steine in den Weg gelegt werden.

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          Der Wunsch der japanischen Regierung, den Tourismus anzutreiben, war und ist allgegenwärtig. Im Dezember 2016 führte er zu einer der wenigen wirklichen Marktöffnungen unter der Regierung von Shinzo Abe.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Direkt vor der Jahresendpause stimmte das japanische Parlament nach langen Debatten dem Plan zu, Spielkasinos zuzulassen. Damals ging es um eine Grundsatzentscheidung, mit der Kasinos als Teil von Hotelkomplexen oder Urlaubsanlagen genehmigt wurden. Gegner der Spielsucht aber ging selbst das zu weit.

          Jetzt geht es im politischen Tokio um die Details der Kasinopläne, und die Gefahr der Spielsucht gewinnt als Argument wieder an Boden. Die Regierung laviert zwischen dem Wunsch nach freiheitlicher Entfaltung der Marktkräfte und der Sorge, Abhängigkeiten heranzuziehen.

          Die Idee, den japanischen Volkskörper zu schützen und die Spielkasinos nur ausländischen Touristen zu öffnen, ist schon vom Tisch. Doch die Japaner lassen sich auch mit anderen Regeln vor sich selbst schützen oder in Unfreiheit halten.

          Begrenztes Besuchsdeputat

          Die Regierung hat vorgeschlagen, Japanern und den in Japan lebenden Ausländern eine Eintrittsgebühr in die Spielbanken von 2000 Yen (15 Euro) abzuverlangen. Eine eigens durchgeführte Untersuchung zeigt, dass bei einem solchen Eintrittspreis nur 28 Prozent der Einheimischen einen Besuch im Kasino in Erwägung ziehen würden.

          Diese abschreckende Wirkung scheint der Regierung hoch genug zu sein, doch die Opposition und der buddhistisch motivierte Koalitionspartner Komeito dringen auf noch höhere Preise. Zum Vergleich: In Deutschland kostet der Eintritt in die Spielbank oft 2,50 oder 5 Euro, was wohl eher Schaulustige abschrecken als Spielsucht bekämpfen soll.

          Japaner schützen oder diskriminieren soll auch ein weiterer Vorschlag. Danach würde es Einwohnern nur erlaubt sein, 10 Mal im Monat eine Spielbank zu besuchen und nur drei Mal innerhalb von 7 Tagen. Auch hier blieben ausländische Touristen von dem Verbot ausgenommen.

          Die freiheitliche Gesinnung, die die Regierung mit der Öffnung des Kasinomarktes zeigte, geht offenbar wieder verloren. Den Japanern bliebe immerhin der Weg in die Pachinko-Spielhallen, die mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm in ganz Japan zu finden sind. Dort gewinnt der Spieler Preise, die sich an Schaltern um die Ecke in Geld umtauschen lassen können.

          Vielleicht aber erledigt sich die Zulassung von Kasinos ohnehin durch eine andere Idee, die in Tokio herumschwirrt. Danach erwägt die Regierung strenge Größenbeschränkungen für Kasinos und eine Steuer auf die Einnahmen der Spielbanken von bis zu 50 Prozent. Im internationalen Vergleich mit Amerika oder Singapur wäre das hoch und könnte dem Wunsch internationaler Investoren, in Japan Spielkasinos zu bauen, schon das faktische Ende bereiten.

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