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Japans Worte des Jahres : Gottgleich und negative Zinsen

Die Spielkunst des Baseballspielers Seiya Suzuki scheint „kamitteru“ – gottgleich zu sein. Bild: AFP

„Gottgleich“ ist das Wort des Jahres in Japan, auf den Rängen findet sich die „negativen Zinssätze“, eine „Schicht sauberer Erde“ und „Japan stirb!“ Auch Donald Trump ist dabei.

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          Wenn Wettbewerbe um das Wort des Jahres Zustand über die Befindlichkeit einer Nation geben, dann kann es Japan nicht so schlecht gehen. Das Wort des Jahres 2016, das von der Jury eines Verlagshauses ausgewählt wurde, prangert nicht sozialpolitische oder andere Missstände an, sondern feiert den Erfolg eines Baseballspielers.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit dem Ausdruck „kamitteru – gottgleich“ wurde in Japan die Spielkunst des Baseballspielers Seiya Suzuki von der Mannschaft Hiroshima Toyo Carp beschrieben. Die „Karpfen aus Hiroshima“, so der Mannschaftsname, gewannen zum ersten Mal seit 25 Jahren den Titel einer Baseball-Liga. (Doch unterlagen sie später im nationalen Endspiel den Hokkaido Nippon Ham Fighters.) Kamitteru wird schon seit Jahren von Jugendlichen verwendet. Der Trainer der Karpfen will es von seinen Kindern gelernt haben.

          Im vergangenen Jahr war das Wort des Jahres „bakugai - explosiver Kaufrausch“. So nennen die Japaner das Verhalten der chinesischen Touristen, die in Tokio und anderen japanischen Städten die Kaufhäuser stürmen. In die engere Auswahl kam in diesem Jahr eine Reihe von Wörtern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Hier ist eine Auflistung mit Erklärung.

          Die „negativen Zinssätze“ wurden von der Bank von Japan im Januar eingeführt und erschweren es den Japanern, sparend für ihr Alter vorzusorgen. Die Zentralbank kam unter scharfe öffentliche Kritik und hat den Negativzinssatz von 0,1 Prozent seither nicht weiter gesenkt.

          PPAP“ ist die Abkürzung für einen Popsong und ein kurzes Musikvideo, mit dem der japanische Komiker Pikotaro global Aufsehen im Internet erregte und es bis in die amerikanischen Billboards schaffte.

          Ich bekam keinen Tageskrippenplatz für mein Kind. Japan stirb!“ schrieb eine anonyme Mutter im Internet. Aus Sicht vieler entlarvte sie damit die Regierungsparole einer dynamischen Gesellschaft, in der sich jeder engagieren kann, als Farce. Die drastische Kritik schaffte es vom Internet bis in die Parlamentsdebatten und führte zu Versprechungen aller Parteien, mehr Geld für Kindertagesplätze zur Verfügung zu stellen.

          Die „heilige Pilgerschaft“ meint nicht traditionelle spirituelle Wanderwege, sondern die Neigung der Japaner, Stätten und Orte zu besuchen, an denen beliebte Mangas, Fernsehserien oder Filme spielen. Viele Orte in Japan versuchen, diesen Trend touristisch auszuschlachten. Böse Zungen behaupten, dass die Tourismusmanager den Trend erst geschaffen haben.

          Eine „Schicht sauberer Erde“ sollte unter dem neu gebauten Fischmarkt in Tokio aufgeschüttet werden, um Gefahren durch mögliche Reste vergifteten Bodens auszuschließen. Dann stellte sich heraus, dass die fast 600 Milliarden Yen (5 Milliarden Euro) teuren Großmarkthallen über Hohlräumen und eben nicht auf einer Schicht sauberer Erde errichtet worden waren. Die neue Gouverneurin Koike hat den Umzug vom traditionsreichen Tsukiji-Fischmarkt hin nach Toyosu deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben.

          Als „Trump-Phänomen“ beschreiben die Japaner den Wahlkampf und den überraschenden Wahlsieg des nächsten amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dabei rätselt das Land, was Trump für das japanisch-amerikanische Verteidigungsbündnis und die traditionell enge Zusammenarbeit bedeutet.

          Schmierige Affären“ sind die vielen Seitensprünge bekannter Persönlichkeiten, die ein Wochenmagazin in diesem Jahr aufdeckte.

          Pokemon Go“ ist der Name des Computerspiels für Handys, das im Sommer Aufsehen erregte und für überfüllte Parks sorgte. Die Spieler jagen virtuelle Monster, die Pokemons von Nintendo, die in Japan besonders beliebt sind. Im August kam es zum ersten Todesfall in Japan durch das Computerspiel. Ein Autofahrer, der durch das Spiel abgelenkt wurde, tötete eine Seniorin und verletzte einen alten Mann schwer. Auf Bitten der japanischen Polizei kann das Spiel seit November nicht mehr in fahrenden Autos oder Zügen gespielt werden.

          Amore – meine Liebe“ hat der japanische Fußballspieler Yuto Nagatomo gefunden, der sich öffentlich zur beliebten Schauspielerin Airi Taira bekannte. Nagatomo spielt für Inter Mailand.

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