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Neues Zeitalter : Japans Kaiser darf im April 2019 abdanken

Japans Kaiser Akihito und Japans Kaiserin Michiko Bild: dpa

Der japanische Kaiser Akihito ist ein armer Mann. Er darf nicht selbst entscheiden, wann er abdankt. Den Termin hat jetzt ein staatliches Gremium fixiert. Wirtschaftliche Belange fielen dabei unter den Tisch.

          2 Min.

          Für Japan beginnt im Mai 2019 ein neues Zeitalter. Ein Gremium von Politikern, Richtern und Mitgliedern der kaiserlichen Familie einigte sich am Freitag unter Vorsitz von Ministerpräsident Shinzo Abe darauf, dass Kaiser Akihito am 30. April zurücktreten und Kronprinz Naruhito am 1. Mai den Thron besteigen werde. Akihito wird dann 85 Jahre alt sein. Mit dem Kaiserwechsel endet die seit 1989 dauernde Regentschaft unter dem Namen Heisei (Frieden schaffen). Akihito wird der erste Tenno seit etwa 200 Jahren sein, der abdankt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Kabinett wird etwa in einer Woche eine Verordnung beschließen, um den Rücktrittstermin endgültig festzulegen. Der formale Vorgang zeigt, welche rein repräsentative Stellung der Kaiser im politischen Gefüge Japans hat. Er ist kein Staatsoberhaupt, sondern nur Symbol des Staats. Deshalb kann der Kaiser nicht alleine beschließen, ob oder wann er zurücktritt.

          Der im Volk sehr beliebte Akihito, der nach der Verfassung politisch nicht aktiv werden darf, hatte im Sommer 2016 in einer seltenen Video-Ansprache an das Volk vorsichtig deutlich gemacht, dass er angesichts seiner nachlassenden Kräfte an eine Abdankung denke. Das Parlament erhörte seinen Wunsch und beschloss ein Sondergesetz, um Akihito den Rücktritt zu erlauben. Dieses Gesetz gilt nur für den jetzigen Kaiser. Der 57 Jahre alte Kronprinz Naruhito ist wieder bis an sein Lebensende Kaiser. Doch dürfte die Regelung gegebenenfalls eine Präzedenzwirkung entfalten.

          Rücktritt : Japanischer Kaiser dankt ab

          Tauziehen um den idealen Rücktrittszeitpunkt

          Der Vorentscheidung vom Freitag war ein monatelanges Tauziehen um den idealen Rücktrittszeitpunkt vorausgegangen, in dem wirtschaftliche Aspekte letztlich unter den Tisch fielen. Mit dem Wechsel der Regentschaft wird ein neues Zeitalter ausgerufen, nach dem in Japan die Jahre gezählt werden. 2017 ist nach japanischer Zählung Heisei 29, das 29. Jahr der Regentschaft Akihitos. Ein Kaiserwechsel bedeutet für die Verwaltung und für die Unternehmen, dass alle aktuellen Dokumente geändert und neu gedruckt werden müssen. Auch muss in Computerprogramme das neue Zeitalter eingepflegt werden.

          Die Regierung hatte deshalb ursprünglich einen Rücktritt zum Jahreswechsel 2018/19 bevorzugt, was einen gleichzeitigen Wechsel der christlich-westlichen und der japanischen Jahreszählung erlaubt und einiges an Kosten und Verwirrung gespart hätte. Das aber passte dem kaiserlichen Hofamt nicht, weil der Tenno zur Jahreswende viele traditionelle Rituale absolvieren muss.  Die Idee, den Kaiser zum Ende des Fiskaljahres im März 2019 zurücktreten zu lassen, was auch für die meisten Unternehmen das Ende des Geschäftsjahres ist, gefiel dann der Regierung nicht, weil dann regionale Wahlen stattfinden.

          Das jetzt fixierte Rücktrittsdatum kommt 2019 am Tag nach dem jährlichen nationalen Feiertag zum Gedenken an den Geburtstag von Kaiser Hiroto, der posthum als Kaiser Showa verehrt wird. Hirohito, der Vater von Akihito, hatte Japan in den Expansionskrieg in Asien geführt, der mit der Kapitulation im August 1945 endete. In der vom amerikanischen Sieger bestimmten Nachkriegsverfassung wurde daraufhin der Kaiser vom göttlichen Status zum Symbol des Staats degradiert. Deshalb muss Akihito noch bis April 2019 warten, bis er abdanken darf.

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