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Japan : Ist der Vater der „Abenomics“ ein verkapppter Nationalist?

Japans Regierungschef Shinzo Abe mit Sorgen: Ein Interview hat seinen wirtschaftspolitischer Chefberater in die Nähe des aggressiven Nationalismus gerückt. Bild: REUTERS

Etsuro Honda ist wirtschaftspolitischer Chefberater des japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Ein Interview hat ihn in die Nähe des aggressiven Nationalismus gerückt.

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          Ist einer der führenden Köpfe der japanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik ein verkappter Nationalist, der Japans Überfall auf China und Korea sowie die von der Kaiserlichen Armee begangenen Kriegsverbrechen leugnet? Etsuro Honda, ein anerkannter Ökonom, ist wirtschaftspolitischer Chefberater des japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Ein Interview im „Wall Street Journal“ hat Honda jetzt in die Nähe des aggressiven Nationalismus gerückt, den Abe – wenn oft auch nur hinter vorgehaltener Hand – zur neuen Leitlinie der japanischen Politik gemacht hat. In chinesischen und koreanischen Medien wurde das am Freitag als erneuter Beleg dafür gewertet, dass Japan unter der Führung Abes das Rad der Geschichte zurückdrehen will.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Auslöser der Vorwürfe gegen den renommierten Wirtschaftswissenschaftler war ein Interview in der Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“. Honda habe im Gespräch mit der Zeitung vehement den Besuch Abes auf dem umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio im Dezember 2013 verteidigt. „Ich bewundere seinen Mut“, sagte Honda. Der Schrein, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden, ist eine Wallfahrstätte japanischer Nationalisten und Rechtsextremisten. Das Blatt berichtete, dass Honda sogar geweint habe, als er mit Pathos die japanischen Kamikaze-Piloten lobte, die sich bis Ende des Krieges für ihr Land geopfert hätten.

          Auch die sogenannte „Abenomics“, eine Mischung aus aggressiver Geld- und lockerer Finanzpolitik, ist demnach nur Mittel zum Zweck. Die Zeitung berichtete, Honda glaube, „Japan braucht eine starke Wirtschaft, damit es ein machtvolleres Militär aufbauen kann“ – um gegen das aufstrebende China bestehen zu können. Während die überwiegend regierungsnahen japanischen Medien den Vorgang klein spielten, löste Honda in China und Korea mit seinem Interview am Freitag Empörung und Sorgen aus. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums sagte, die wiederholten Bemerkungen einflussreicher, regierungsnaher Japaner zeigten, dass es bis heute keine Reue wegen des japanischen Aggressionskriegs gegen China gebe.

          Honda hatte bereits am Donnerstagnachmittag, als erste Meldungen über das Interview bekannt wurden, versucht, die Wogen zu glätten. Er distanzierte sich dabei jedoch nicht ausdrücklich von Abes nationalistischer Agenda. Honda meinte nur, „ich habe nicht erwartet, dass es die Zeitung auf diesem Wege meldet.“  Er habe im Vertrauen erklären wollen, was der Yasukuni-Schrein für Japaner bedeutet, nicht aber Abes Besuch verteidigt. „Das ist nicht meine Ansicht.“ Die Zeitung erklärte dagegen, sie habe keinen Grund, ihre Darstellung der korrigieren. Der Bericht sei korrekt.

          Sogar Abes Kabinetts-Staatsminister Yoshihide Suga ging auf seiner täglichen Pressekonferenz auf das Interview ein. Honda sei „überrascht gewesen, als er den Artikel gelesen hat“, berichtete Suga. Im Interview seien die Äußerungen Hondas aber missverstanden worden. Also wieder nur ein Missverständnis? Seit Jahresbeginn häufen sich die Fälle, in denen enge Mitarbeiter des japanischen Regierungschefs ein extrem nationalistisches Geschichtsbild zeigen und im Nachhinein sagen, alles sei nur ein Missverständnis oder eine rein persönliche Meinungsäußerung gewesen. Abe selbst schweigt bislang zu dem allen.

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