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Japan : Wieder Überschuss in der Leistungsbilanz

Bild: dpa

Japans Regierung ist erleichtert. Das doppelte Defizit von Leistungsbilanz und Staatshaushalt ist nur noch ein einfaches.

          Japans Finanzminister Taro Aso war die Erleichterung anzusehen, als er in Tokio die neuen Zahlen für die Leistungsbilanz der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt vorstellte. Nach vier Monaten, in denen Handels- und Leistungsbilanz Japans tief in den roten Zahlen verharrten, gab es im Februar wieder einen Leistungsbilanzüberschuss von 612,7 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Euro), teilte das Finanzministerium am Dienstag in Tokio mit. Das waren zwar 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Überschuss in einem Februar seit Beginn der Datenerhebung 1985.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Aso wertete die Zahlen dennoch als Trendwende. Die Befürchtungen, Japan könne dauerhaft zu einem Land mit einem „doppelten Defizit“ – rote Zahlen in der Handels- und in der Leistungsbilanz – werden, seien damit widerlegt, erklärte der Minister. Der Kapitaltransfer aus Einnahmen von Investitionen im Ausland stiegen vor allem wegen der Schwächung des Yen um 3,6 Prozent auf rund 1,46 Billionen Yen und führten die Bilanz zurück in die schwarzen Zahlen.

          Exporte legen wegen des schwachen Yen zu

          Die Handelsbilanz verharrte dagegen tief in den roten Zahlen. Das liegt vor allem an den hohen Energieimporten. Die Importe legten um 14,1 Prozent auf 6,475 Billionen Yen zu. Die Exporte stiegen im Februar stärker als die Importe um 15,7 Prozent auf 5,941 Billionen Yen. Vor allem die japanischen Autokonzerne konnten ihre Ausfuhren ins Ausland wegen des schwächeren Yen deutlich steigern, der ihre Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Monaten deutlich erhöht hat.

          Aso wies auf die Bedeutung der Energieimporte hin, die Japan in den vergangenen Monaten das Minus in der Leistungsbilanz beschert hatten und eine große Belastung für die Wirtschaft sind. Ein andauerndes Leistungsbilanzdefizit würde das Land mittelfristig zwingen, seine gigantische Staatsverschuldung im Ausland zu finanzieren – drastisch steigende Zinsen dürften die Folge sein. Seit der Havarie von drei Atomreaktoren in Fukushima im März 2011 hat Japan seine Atomkraftwerke vom Netz genommen. Derzeit ist keiner der 48 kommerziellen Reaktoren in Betrieb. Die Energielücke wird seitdem mit Importen von Flüssiggas und Erdöl geschlossen. Japan hängt derzeit zu mehr als 90 Prozent von Energieimporten ab.

          Bank von Japan bleibt bei lockerer Geldpolitik

          Die Bank von Japan schloss sich nach ihrer geldpolitischen Sitzung der optimistischen Einschätzung des Finanzministers an. Sie bekräftigte am Dienstag ihre Einschätzung, wonach sich die Wirtschaft in moderatem Tempo weiter erholen werde. Wie erwartet beschloss die Notenbank zu dem, den Kauf von Wertpapieren in Höhe von jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (424 bis 495  Milliarden Euro) fortzusetzen. Der Beschluss fiel einstimmig.

          Die Notenbank verfolgt mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik das Ziel, die Inflationsrate an die Marke von zwei Prozent zu bringen. Japan steckt seit rund 15 Jahren in einer Deflation, einer Spirale aus fallenden Preisen, die die Wirtschaft lange lähmte. Kritiker der lockeren Geldpolitik betonen dagegen, dass Japans Wirtschaft pro Kopf ähnlich stark gewachsen sei wie die amerikanische Wirtschaft. Um zu mehr wirtschaftlicher Dynamik zu kommen, brauche die rapide alternde Gesellschaft Strukturreformen und die Öffnung seiner Märkte für mehr Wettbewerb.

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