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Glücksspiel : Ist Macau eine Agentenhochburg?

Im Gegensatz zum Rest Chinas ist das Glücksspiel in Macau legal Bild: AFP

In den Kasinos der chinesischen Spielerhochburg haben jahrelang hochrangige Regierungsbeamte mit öffentlichen Geldern gezockt. Hat sich das die CIA zunutze gemacht und Spitzel rekrutiert?

          Im Gegensatz zum Rest Chinas ist das Glücksspiel in Macau legal – dank eines historischen Zufalls. Die nahe Hongkong gelegene Sonderverwaltungszone war fünfhundert Jahre lang eine portugiesische Kolonie, und als sie 1999 an China zurückgegeben wurde, durfte weiter gezockt werden im Las Vegas des Ostens, in dem die Einnahmen der Spielbanken allerdings schon vor fast zehn Jahren höher waren als im amerikanischen Original.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Bevor Chinas Präsident Xi Jinping seine breit angelegte Anti-Korruptionskampagne startete, lag der Umsatz der Glücksspielindustrie Macaus sogar sechs Mal höher als der von Las Vegas. Seit nunmehr 13 Monaten hintereinander geht es jedoch abwärts: allein im Juni gingen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahrsmonat um 36 Prozent zurück. Den Negativrekord hatte der Februar aufgestellt, in dem die Kasinos nur die Hälfte der Summe einnahmen, die die Spieler ihnen noch ein Jahr zuvor eingebracht hatten.

          Macaus Kasinobesitzer machen vor allem die neue Angst ihrer einstmals besten Kunden für das lahmende Geschäft verantwortlich: hochrangige Regierungsbeamte aus dem Reich der Mitte, die früher gerne mit erheblichen Summen im Gepäck nach Macau reisten – das Zockergeld stammte nicht selten dabei aus öffentlichen Mitteln, die in den Kasinos dann schnell verzockt waren.

          Schon 2004 machten zwei Parteibeamte aus Chongqing Schlagezeilen, die umgerechnet mehr als zwölf Millionen Dollar in Macau verloren, die aus der Staatskasse stammten. Ein Parteisekretär aus der Provinz Jiangsu verlor 18 Millionen Dollar. Die Beamten waren ihren Posten los, nachdem die Skandale ans Tageslicht kamen. Doch was ist mit jenen, deren Zockerei nicht aufgedeckt wurde? Eine fünf Jahre alte, nun öffentlich gewordene Untersuchung eines amerikanischen Glückspielkonzerns, der in Macau Kasinos unterhält, zeigt, dass Macau von chinesischen Behörden vor allem aus einem Grund gefürchtet war: als Ort, an dem der amerikanische Geheimdienst genau jene chinesische Regierungsbeamte erpressen und für sich einspannen könnte, die öffentliche Gelder verloren hatten und deshalb verwundbar geworden waren.

          Die streng vertrauliche Untersuchung, die der Glücksspielkonzern Sands im Jahr 2010 bei einem privaten Ermittler in Auftrag gegeben hat, wurde jetzt von einer Forschergruppe der Universität Berkeley öffentlich gemacht, die Zeitung „Guardian“ hat darüber berichtet. Sands war damals besorgt darüber, dass die Aktivitäten des Konzerns in Macau zunehmend auf Unwillen seitens der chinesischen Regierung stießen. Diese sehe die Kasinos des amerikanischen Sands-Konzerns als Hauptort für den Einsatz von CIA-Agenten an, die – so die Vermutung Pekings – mit Einverständnis des Betreibers an die chinesischen Kader heranträten, diese in „Fallen“ lockten und erpressten, um sie zum Spionieren für Amerika zu bewegen. Die chinesische Regierung schätze, so der Report, dass chinesische Offizielle, deren Monatsgehälter in der Spitze um die 3000 Euro liegen, in Macau jährlich 2 Milliarden Dollar verzockten.

          Der Sands-Konzern hat inzwischen auf die Veröffentlichung des von ihm einst selbst in Auftrag gegebenen Reports reagiert: dieser sei eine Ansammlung „bedeutungsloser Spekulationen“. Das Zeug, aus dem Plot einen Hollywood-Thriller zu machen, hat das Papier jedoch allemal.

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