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iPhone-Verkäufe : Apple schürt Zweifel

Bild: Reuters

Das rasante Wachstum des Elektronikkonzerns reicht der Wall Street nicht. Die Entwicklung der Apple Watch bleibt ein Rätsel. Und mit seinem Vorzeigeprodukt iPhone steht der Konzern vor einer großen Herausforderung.

          Apple und Microsoft sind schon seit einiger Zeit auf sehr verschiedenen Pfaden. Das lässt sich allein an den Börsenbewertungen der beiden amerikanischen Technologiekonzerne ablesen. Erst vor rund fünf Jahren wurde Microsoft bei der Marktkapitalisierung von Apple überholt. Heute wird Apple mit mehr als 750 Milliarden Dollar bewertet, etwa doppelt so hoch wie Microsoft. Aus den am Dienstag vorgelegten Quartalsberichten wurde einmal mehr der Klassenunterschied zwischen beiden Unternehmen deutlich.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Microsoft meldete den höchsten Quartalsverlust seiner Geschichte, wofür eine Abschreibung auf die erst im vergangenen Jahr zugekaufte Handysparte von Nokia sorgte. Von Nokia hatte sich Microsoft eigentlich erhofft, im Smartphone-Markt endlich den Anschluss zu finden und nicht zuletzt gegenüber Apple und seinem iPhone Punkte zu machen. Apple wiederum kann sich über mangelnde Nachfrage nach seinem Vorzeigeprodukt nicht beklagen: Im abgelaufenen Quartal hat das Unternehmen 47,5 Millionen iPhones verkauft, der Umsatz mit den Geräten sprang im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent. Das iPhone stand für fast zwei Drittel des gesamten Konzernumsatzes.

          Und doch war die Börse diesmal alles andere als begeistert, und der Aktienkurs von Apple büßte im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als 7 Prozent an Wert ein. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen dafür: Apple hat diesmal die Erwartungen von Analysten nur leicht übertroffen und nicht deutlich so wie in vergangenen Quartalen. Manche hatten gehofft, dass Apple noch mehr iPhones verkauft. Der Ausblick auf das nächste Quartal war etwas schwächer als erwartet.

          Und wie genau sich die Apple Watch im Markt schlägt, ist weiter ein Rätsel. Das aber ist für viele Beobachter eine wichtige Frage. Denn mit der im April herausgekommenen Computeruhr hat Apple erstmals seit dem Jahr 2010 eine neue Gerätekategorie erschlossen. Sie gilt als Test, ob Apple auch unter dem Vorstandsvorsitzenden Tim Cook noch in der Lage ist, erfolgreiche Neuheiten zu liefern, so wie dies unter dessen Vorgänger Steve Jobs regelmäßig gelungen ist. Kürzlich veröffentlichte Zahlen von Marktforschern haben Zweifel am Verkaufserfolg der Uhr geweckt.

          Apple selbst hält sich mit Blick auf das Gerät sehr bedeckt. Im Gegensatz zu Produkten wie dem iPhone oder dem Tabletcomputer iPad werden die Zahlen für die Apple Watch nicht separat ausgewiesen, sondern in der Kategorie „Other“ zusammen mit anderem Produkten wie dem Musikspieler iPod oder dem Fernsehempfänger Apple TV gebündelt.

          Dieser Posten stand im abgelaufenen Quartal für einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar. Das sind nur 952 Millionen Dollar mehr als vor einem Jahr, als die Uhr noch nicht auf dem Markt war. Vorstandsvorsitzender Tim Cook suggerierte aber in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass der Umsatz mit der Apple Watch über dieser Differenz liege, da das Geschäft mit anderen Produkten aus der Kategorie wie etwa dem iPod rückläufig sei. Selbst in dem Fall aber würde die Apple Watch neben dem gesamten Konzernumsatz von 49,6 Milliarden Dollar verblassen.

          Cook gab sich dennoch unverdrossen und sagte, die Uhr habe die eigenen Erwartungen übertroffen und sich in den ersten Wochen besser verkauft als das iPhone oder das iPad im gleichen Zeitraum. Apple sei außerdem  „überzeugt“, dass sie zu einem der populärsten Geschenkartikel im kommenden Weihnachtsgeschäft werde. Cook sagte, Apple verschweige genaue Zahlen zu der Uhr, um der Konkurrenz nicht allzu viele Einblicke in das Geschäft zu geben.

          Insgesamt hat Apple im vergangenen Quartal seinen Umsatz um 33 Prozent gesteigert und schnitt damit minimal besser als erwartet ab. Der Nettogewinn stieg um 37 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 1,85 Dollar lag um 4 Cent über den Erwartungen.

          Beim iPhone profitierte Apple einmal mehr von einer guten Entwicklung der aktuellen Modellreihen iPhone 6 und iPhone 6 Plus. Die Geräte haben größere Bildschirme als ihre Vorgängerversionen, was offenbar besonders auf dem immer wichtigeren chinesischen Markt ankommt, wo sich der Umsatz diesmal mehr als verdoppelt hat. Gerade wegen des großen Erfolgs der aktuellen iPhone-Generation könnte es für Apple aber auch schwierig werden, das Wachstumstempo aufrecht zu erhalten, wenn die nächsten neuen Modelle auf den Markt kommen.

          Deutlich weniger Umsatz mit dem iPad

          Im Falle eines anderen Produktes ist Apple schon jetzt weit von seinen früheren Wachstumsraten entfernt: Mit dem iPad machte Apple diesmal 23 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Der Tabletmarkt hat allgemein an Dynamik verloren, unter anderem weil Verbraucher diese Geräte nicht so häufig ersetzen wie etwa ihre Smartphones. Im Geschäft mit seinen Macintosh-Personalcomputern konnte Apple indessen einer allgemeinen Marktschwäche trotzen und baute den Umsatz um 9 Prozent aus.

          Apple schaffte im vergangenen Quartal noch einen weiteren Meilenstein: Die Barbestände des Unternehmens sind auf sagenhafte 202,8 Milliarden Dollar angewachsen und haben damit erstmals die Marke von 200 Milliarden Dollar geknackt. Das Barpolster wächst, obwohl Apple mittlerweile immer mehr Geld für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgibt. Apple hat damit mehr Geld auf der hohen Kante als gemessen an derzeitigen Börsenbewertungen nötig wäre, um amerikanische Großkonzerne wie IBM, Walt Disney oder die Citigroup zu kaufen. Die Marktkapitalisierungen deutscher Vorzeigeunternehmen wie Daimler, SAP oder Siemens übertrifft die Liquiditätsdecke von Apple sogar um mehr als das Doppelte.

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