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Investoren-Tadel : Warum ist kein Salz im Nudelwasser?

Hier soll es italienischer zugehen: Restaurant der Kette Olive Garden im amerikanischen Bundesstaat Virginia Bild: AP

Investoren wie Carl Icahn stellen Unternehmen oft unbequeme Fragen. Bei der Restaurantkette Olive Garden ging ein Hedgefonds sehr ins Detail – und hat jetzt einen triumphalen Erfolg gelandet.

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          Carl Icahn, Bill Ackman, Daniel Loeb: Investoren wie diese haben sich einen Namen damit gemacht, bei Unternehmen einzusteigen und sie dann mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen zu Veränderungen zu drängen. Oft fordern sie den Rücktritt von Managern und Verwaltungsräten, oder sie legen den Unternehmen Finanzmanöver wie Aktienrückkäufe nahe. Carl Icahn hat erst vor wenigen Tagen einen ausführlichen Brief an Tim Cook geschrieben und den Vorstandschef des Elektronikkonzerns Apple abermals dazu gedrängt, mehr Aktien zurückzukaufen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Manchmal sind die Vorschläge von solchen Investoren aber viel näher am wahren Leben, ja fast schon banal. Der New Yorker Hedgefonds Starboard ließ unlängst mit einer fast 300 Seiten langen Präsentation aufhorchen, mit der er dem Restaurantkonzern Darden seine Schwachpunkte aufzeigen wollte. Starboard zielte dabei vor allem auf die zu Darden gehörende italienische Kette Olive Garden ab und ging arg ins Detail.

          Salz gehört ins Nudelwasser

          Ein Beispiel: „Schockierenderweise salzt Olive Garden das Wasser nicht mehr, das zum Kochen der Nudeln verwendet wird, nur um eine längere Garantie auf seine Töpfe zu bekommen.“ Dabei müsse man nur „Wie man Nudeln kocht“ googeln, um zu sehen, dass das Salzen des Wassers zu einem der ersten Schritte gehöre, heißt es in der Präsentation weiter. Auf Salz zu verzichten, sei „empörend“. Im übrigen seien die Nudeln bei Olive Garden zu weich.

          Weiter beklagte sich Starboard, dass die bei Olive Garden servierten Gerichte in Wahrheit ganz anders aussehen als auf der Internetseite. Das gelte zum Beispiel für die frittierten Lasagnestücke, die außerdem nicht authentisch italienisch und „kaum essbar“ seien. Das Urteil des Hedgefonds fällt allgemein vernichtend aus: „Olive Garden serviert Gerichte, die in Italien unakzeptabel wären.“

          Mehr Alkohol, weniger Brotstangen

          Die Investoren stören sich auch daran, dass Olive Garden nach ihrer Auffassung zu wenig Alkohol verkauft, und das, obwohl doch Wein bestens zu italienischer Küche passe. Auch an einem der Markenzeichen von Olive Garden – dem Versprechen, dass Kunden so viele Brotstangen essen dürfen wie sie wollen – hat Starboard etwas auszusetzen. Das Personal bringe den Gästen zu viele Stangen auf einmal, die hinterher nicht gegessen würden. Das sei Verschwendung, und hier ließen sich bis zu 5 Millionen Dollar einsparen.

          Die harsche Kritik von Starboard ist offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen, denn bei der Aktionärsversammlung von Darden am Freitag feierten die Investoren einen triumphalen Erfolg. Die Aktionäre warfen den kompletten Verwaltungsrat des Unternehmens hinaus und stimmten für alle zwölf von Starboard vorgeschlagenen Kandidaten. Eine solch schallende Ohrfeige für ein Unternehmen, mit der nicht nur einzelne Verwaltungsratsmitglieder abgewählt werden, sondern das ganze Gremium, ist sehr selten.

          Diesen Abstimmungserfolg dürfte auch Marissa Mayer aufmerksam registriert haben, die Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Yahoo. Denn erst vor wenigen Wochen hat Starboard auch eine Kampagne bei Yahoo gestartet und schickte einen längeren Brief an das Unternehmen. In dem Fall konzentriert sich Starboard bislang aber mehr auf größere strategische Fragen und lässt etwaige Alltagsärgernisse von Kunden wie im Falle von Darden außen vor. Starboard fordert zum Beispiel einen Zusammenschluss von Yahoo mit dem Wettbewerber AOL.

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