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Amerikanische Notenbank : Informationslecks bei der Federal Reserve?

Der Sitz der „Fed“ in Washington, DC Bild: AFP

Bei der amerikanischen Notenbank hat es womöglich Informationslecks gegeben. Handelsdaten sollen darauf hindeuten, dass einige Teilnehmer Zinsentscheidungen schon vorher kannten.

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          Vorzeitiges Wissen über die geldpolitischen Entscheidungen der amerikanischen Notenbank ist an den Finanzmärkten Geld wert. Die Federal Reserve versucht deshalb, ihre Beschlüsse vor der Veröffentlichung geheim zu halten. Sonderlich erfolgreich war sie damit in den vergangenen Jahren offenbar nicht. Zwischen 1997 bis 2013 könnten Investoren vorab von den Entscheidungen erfahren haben und durch vorzeitigen Handel Sondergewinne eingefahren haben. Darauf deutet eine gerade veröffentlichte Studie von drei Ökonomen aus Singapur hin. Sie berechnen grob, dass die Vorabinformationen Handelsgewinne von 14 Millionen bis 256 Millionen Dollar eingebracht haben  könnte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Gemäß der Studie zeigen Aufzeichnung zum Hochfrequenzhandel an vier Teilmärkten kurz vor den Veröffentlichungen der Fed-Entscheidungen Kauf- und Verkaufsorder, die statistisch signifikant sind und in die Richtung der folgenden geldpolitischen Überraschungen weisen. Das schreiben die Ökonomen Gennaro Bernile, Jianfeng Hu und Yuehua Tang von der Singapore Management University in der Studie.

          Die verdächtigen Handelsaktivitäten passierten während der Zeit, in der ausgewählte Journalisten die Fed-Entscheidungen vor Veröffentlichung schon einsehen konnten. Für europäische Journalisten, die etwa über die Europäische Zentralbank berichten, ist dieses Prozedere ungewohnt. Tatsächlich gibt die Fed einer kleinen Gruppe von Reportern vorwiegend von Nachrichtenagenturen unter Embargo die Entscheidung schon vorab bekannt, so dass pünktlich zum Veröffentlichungszeitpunkt die Information über den Ticker und die Internetseiten laufen kann. Für Händler, die auf die Finanznachrichtennetze von Reuters, Dow Jones oder Bloomberg zurückgreifen, zählt dabei jede Millisekunde.

          Anzeichen für informierten Handel

          Erst im Herbst hatte die Fed die Regeln, unter denen ausgewählte Journalisten die Entscheidung vorab einsehen können, verschärft. Bei der Zinsentscheidung im September war es zu Merkwürdigkeiten und möglichen Informationslecks gekommen. Seit Oktober dürfen ausgewählte Journalisten die Entscheidung 20 Minuten vorab in einem Raum in der Fed einsehen. Sie müssen ihre Handys abgeben und haben erst zum Veröffentlichungszeitpunkt Zugang zu elektronischen Leitungen. Zuvor hatte die Fed die Entscheidung 10 Minuten vorab im Presseraum des Finanzministeriums bekannt gegeben und sich auf die Zusage der Journalisten verlassen, das Embargo einzuhalten. Vor der Finanzkrise 2008 erhielten die Reporter die Fed-Veröffentlichung mit fünf Minuten Vorlauf.

          Die Autoren der Studie finden „robuste Anzeichen“, dass es während der sogenannten „Lockup-Perioden“ für Journalisten vor Fed-Entscheidungen an vier Märkten für Aktienindex-Futures oder Exchange Traded Funds (ETF) zu informiertem Handel gekommen sei. Das ist noch kein Beleg, dass Journalisten die Informationen vorab weitergaben oder in ihre Nachrichtennetze einspeisten. Aber der Verdacht liegt nahe. Über die Studie berichtete zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Auch statistische Ämter in den Vereinigten Staaten geben wichtige Wirtschaftsinformationen unter Embargo ausgewählten Journalisten schon kurz vor Veröffentlichung bekannt. Die Forscher finden keine Anzeichen für Informationslecks rund um die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex, der Arbeitsmarktdaten oder des Wirtschaftswachstums.

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