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Indonesien : Ein Möbelhändler auf dem Weg in den Präsidentenpalast

Joko Widodo Bild: REUTERS

Joko Widodo dürfte heute zum Sieger der Präsidentenwahl in Indonesien erklärt werden. Die Richtungsentscheidung 16 Jahre nach dem Ende der Diktatur ist auch gut für die Wirtschaft.

          Der populäre Gouverneur von Indonesiens Hauptstadtregion Jakarta wird höchstwahrscheinlich neuer Präsident Indonesiens. Die Wahlkommission wird das offizielle Ergebnis der Wahl vom 9. Juli am Dienstag veröffentlichen. Private Gruppen, die den Zählvorgang verfolgt haben, sahen nach 80 Prozent der gezählten Stimmen den früheren Möbelhändler klar vorne. Auch die überwiegende Zahl der sogenannten Schnellzählung in einzelnen Wahllokalen hatte den 53 Jahre alten Hoffnungsträger als Sieger ausgemacht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es wird allerdings damit gerechnet, dass der einzige Gegenkandidat, der einstige Schwiegersohn des Diktators Suharto, Prabowo Subianto, das Ergebnis vor dem Verfassungsgericht anfechten wird. Der frühere General hat Vorwürfe des Wahlbetrugs erhoben. Sicherheitskräfte sollten am Dienstag dafür sorgen, dass es nicht zu Zusammenstößen zwischen den Anhängern der beiden Rivalen kommt. Der amtierende Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, dessen Partei im Wahlkampf Prabowo Subianto unterstützte, hatte ihn indirekt dazu aufgerufen, die Wahlniederlage zu akzeptieren.

          Angesichts des Hickhacks um das Wahlergebnis könnte nun leicht vergessen werden, dass die Entscheidung für den einstigen politischen Nobody Joko Widodo in Indonesien fast einer Revolution gleichkommt. Zum ersten Mal wird das Land von einer Person regiert werden, die nicht aus der alten Elite der Suharto-Diktatur stammt, von einem, der nicht einer der politischen Dynastien angehört, der nicht mit Korruption in Verbindung gebracht wird und der mit Pragmatismus dem Schlendrian in der Verwaltung ein Ende setzen will. „Mit ihm beginnt die Post-Suharto-Ära erst richtig“, sagte ein Beobachter.

          Sofern das Verfassungsgericht nicht noch gegen ihn entscheidet, wird Joko Widodo, der Mann des Volkes, dem vor allem das Schicksal der Armen am Herzen liegt, das Amt im Herbst übernehmen. Für die mit 250 Millionen Einwohnern drittgrößte Demokratie der Welt ist das eine gute Nachricht.

          Die vielen Probleme des Landes wird aber auch er nicht auf einen Schlag lösen können. Indonesiens Wirtschaft wächst derzeit langsamer als in den Boomzeiten. Es wird Jahre dauern, die völlig unzulängliche Infrastruktur auf einen wettbewerbsfähigen Standard zu bringen. Die Korruption hat nach Ansicht eines Beobachters „makroökonomische Ausmaße“. Auch steht Joko Widodo zwar für mehr religiöse Toleranz. Aber auch er wird den gewachsenen Druck militanter islamistischer Gruppen in dem überwiegend muslimischen Land zu spüren bekommen.

          Mehr Nationalismus

          Besondere Schwierigkeiten könnte Widodo die gegenwärtige Zusammenstellung des Parlaments bereiten. Da das Parteibündnis von Prabowo Subiano derzeit fast die Zweidrittelmehrheit im Parlament besitzt, könnte es wichtige Gesetzesvorhaben Widodos blockieren. Allerdings zeichnet sich auch jetzt schon ab, dass einige Parteien das Lager wechseln werden, darunter höchstwahrscheinlich die frühere Suharto-Partei Golkar. Ein kompletter Neuanfang ist also auch die Wahl Joko Widodos nicht. Seine Partei PDI-P gehört schließlich ebenfalls zu den ältesten des Landes. Sie wird von der Tochter des Staatsgründers Sukarno angeführt. Die frühere Präsidentin Megawati Sukarnoputri will sicherlich gern ein Wörtchen mitreden. Jusuf Kalla, Widodos Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, hatte es auch schon einmal vor fünf Jahren inne.

          Nach der zweifachen Amtszeit Susilo Bambang Yudhoyonos, der vor allem nach außen hin ein offenes und kooperatives Indonesien repräsentiert hatte, könnte Indonesien unter Joko Widodo einen moderat nationalistischeren Kurs einschlagen. Dieser wird aber viel weniger ausgeprägt sein als es von einem Präsidenten Prabowo Subianto zu erwarten gewesen wäre, der im Wahlkampf gegen den angeblichen Einfluss aus dem Ausland gewettert hatte. Auch für die Wirtschaft und das Investitionsklima in Indonesien ist der Sieg Widodos deshalb zunächst einmal positiv. Das sehen offensichtlich auch die Börsen so. Am Montag hatten die Kurse den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr erreicht. Auch die indonesische Währung Rupiah zeigte sich vor der Verkündung des Ergebnisses stark.

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