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Hausgemachte Schwäche : Ökonomen sorgen sich um Indiens Wachstumsrate

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi Bild: BAID/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Zwei Reformen lasten auf dem Land: Die eine ging in die falsche Richtung, die andere wurde schwach umgesetzt. Die Regierung bleibt weit hinter ihren selbstgesteckten Zielen zurück.

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          Nun kommt die Rechnung. Nach einer verfehlten Reform und einer, die schwach umgesetzt wurde, stufen die multilateralen Banken Indiens Wachstumsaussichten empfindlich herab. Der Internationale Währungsfonds (IWF) nimmt seine Prognose um einen halben Prozentpunkt auf 6,7 Prozent in diesem Jahr zurück.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nach acht Quartalen in Folge als die Region Asiens, die am schnellsten wuchs, ist Indien nun auf Platz drei zurückgefallen, hinter das China-bestimmte Ostasien und die Pazifikregion. Die Weltbank berechnete, das Indien derzeit so langsam wächst, wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Das ist für die Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi bitter. Denn angetreten war sie vor drei Jahren mit großen Versprechen, die sich besonders positiv in der Wachstumsrate niederschlagen sollten. Doch mit einer offiziellen Rate von derzeit nur noch 5,7 Prozent legte Indien im vergangenen Quartal nicht nur deutlich langsamer zu als der selbst ausgemachte Rivale China. Sondern auch so gering, wie zuletzt im Frühjahr 2013.

          Nicht nur aus Sicht der Ökonomen von Weltbank und IWF ist die Schwäche hausgemacht. Der eine Grund liegt im Entzug fast allen Bargeldes im Herbst vergangenen Jahres, der gerade dem für Indien entscheidenden informellen Sektor seine Handlungsfreiheit entzog, ohne der Gesamtwirtschaft erkennbare Vorteile zu bringen. Der andere liegt in der schwachen Umsetzung der dringend erwarteten Einführung der Mehrwertsteuer im Sommer. Weitere Großreformen, wie die überfällige Öffnung des Arbeitsmarktes und eine für Investoren entscheidende Reform des Rechts für Landbesitz bleiben aus.

          Da die Effekte die Konjunktur jeweils wie ein Schlag trafen, besteht aber Hoffnung auf Besserung. Der IWF verringerte seine Erwartung für das nächste Jahr von 7,7 auf 7,4 Prozent - was ein enormes Tempo wäre, aber dennoch unter den Möglichkeiten von Asiens drittgrößter Volkswirtschaft bliebe. Die Weltbanker haben ihre Erwartung für dieses Fiskaljahr (30. März) für Indien von 7,2 auf 7 Prozent gekürzt.

          Um diesen Wert allerdings noch zu erreichen, müsste Indien entweder von nun an sprunghaft wachsen, oder aber den bislang ausgewiesenen Wert deutlich nach oben korrigieren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist vorsichtiger. Sie geht nur noch von einer Rate von 6,7 Prozent für dieses Jahr aus. Auch die Volkswirte der Weltbank sehen allerdings mit Sorge, dass die Wachstumsgeschwindigkeit Indiens nun seit fünf Quartalen abnimmt. „In dieser Zeit hat die Einfuhr stark zugelegt, während die privaten Investitionen abnahmen. Hinter diesen Trends liegt eine Kombination aus hohen Ausleihungen der öffentlichen Hand, insbesondere auf Ebene der Bundesstaaten, relativ gleichbleibendem Leitzins trotz abnehmender Teuerungsrate und einem Finanzsektor, der immer mehr unter Druck gerät.“  

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