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Indien : Tauziehen um Luxus-Herbergen

Der indische Milliardär Subrata Roy Bild: REUTERS

Ein indischer Milliardär versucht, aus dem Gefängnis heraus Milliarden umzusetzen. Als der Sultan von Brunei Interesse zeigt, bricht ein Sturm los.

          Um einem Häftling den Verkauf von drei Luxushotels zu ermöglichen, wurde im Tihar Gefängnis in Delhi ein Konferenzraum mit Klimaanlage, Internet-Anschluss und Toilette eingerichtet. Es geht um sehr viel Geld. Denn rund zwei Milliarden Dollar sollte schon haben, wer New Yorks Plaza, das Dream Downtown Hotel und das Grosvenor in London übernehmen will. Dafür aber bekommt er einige der führenden Häuser der Welt. Vielleicht gibt es auch noch Nachlass: Denn der Verkäufer sitzt in der Klemme. Er sitzt ein. Und das noch lange, wenn er seine Hotels nicht los schlägt. 

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Fast schon verzweifelt versucht der indischen Milliardär Subrata Roy die drei Spitzenherbergen zu verkaufen. Er braucht das Geld, und das möglichst heute und in bar: Denn Roy sitzt in Haft und muss 1,6 Milliarden Dollar Kaution vorlegen. Der Gründer des Sahara Konglomerates sitzt seit mehr als fünf Monaten hinter schwedischen Gardinen. Zuvor hatte er einen Gerichtstermin nach dem anderen verfallen lassen. Die Richter wollten seine Version hören in einem langen Streit um ein Anlageschema von Sahara, bei dem das Unternehmen seinen Geldgebern Milliarden von Dollar schuldet. Als den Richtern die Hutschnur platzte, ließen sie Roy einsperren.

          Sahara hatte das Grosvenor in der Nähe des Buckingham Palastes 2010 für umgerechnet 790 Millionen Dollar gekauft. 2012 folgte das Plaza für rund 570 Millionen Dollar. Das 107 Jahre alte Haus ist vielleicht das Bekannteste Amerikas, eine Suite kostet hier mehr tausend Dollar – die Nacht. Ein Jahr später folgte das Dream Downtown in Manhattan für 200 Millionen Dollar. Macht zusammen knapp 1,6 Milliarden Dollar, so dass Roy bei einem Verkaufserlös  in der Höhe der dringend benötigte Kaution keinerlei Gewinn erzielte – trotz Immobilienbooms.

          Dabei sah er schon Licht am Ende des Tunnels. Denn das Wall Street Journal hatte berichtet, der Sultan von Brunei biete 2 Milliarden Dollar für die Übernahme der drei Preziosen. Geld genug hat Hassanal Bolkiah. Sein Land aber besitzt neuerdings einen Makel: Denn Brunei-Darussalam  führt als erstes ostasiatisches Land die Scharia für seine Bürger ein. Damit könnte es auch zu angeordneten Verstümmelungen für Diebstahl oder Steinigungen kommen. Das aber erzeugt in Amerika heftigen Widerstand. So wird von Schauspielern und auch Politikern seit Wochen zum Boykott der Bel-Air und Beverly Hills Hotels in Los Angeles aufgerufen: Sie gehören zur Gruppe Dorchester Collection, die wiederum von der 40 Milliarden Dollar schweren Brunei Investment Agency gehalten wird. „Wir fordern alle New Yorker dazu auf, dem Sultan eine einzige, klare Botschaft zu senden: Mach Deine Geschäfte woanders“, giften die Menschenrechtsorganisationen, die sich gegen den Verkauf der Roy-Hotels an Hassanal Bolkiah wenden.

          Dies mag der Grund dafür sein, dass der Sultan die vermuteten Kaufabsichten nun rundweg dementieren ließ: „Weder seine Majestät, noch die Brunei Investment Agency oder die Regierung von Brunei sind in irgendeiner Weise befasst mit dem Kauf von Grosvenor House in London oder dem Plaza oder dem Dream Downtown in New York“, richtete ein Sprecher aus. Allerdings sollen auch Staatsfonds aus dem Mittleren Osten mit Roy über den Kauf verhandeln.

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