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„Hurun“-Reichtumsbericht : In China gibt es nun mehr Milliardäre als in Amerika

Reichster Chinese: Wang Jianlin Bild: AFP

In der offiziell kommunistischen Volksrepublik steigt die Zahl der Dollar-Milliardäre innerhalb eines Jahres um sagenhafte 70 Prozent. Der reichste Chinese verdient sein Geld unter anderem mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

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          Vergangenen Samstag fand an der elitären Peking Universität im Nordwesten der chinesischen Hauptstadt der erste „Weltkongress des Marxismus“ statt. 400 Wissenschaftler aus allen Winkeln der Erde waren eingeladen, der offiziellen Staatsideologie der Volksrepublik China eine neue Legitimationsgrundlage zu verschaffen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Und während drinnen im Saal der deutsche Vordenker der Partei „Die Linke“, Philosoph Michael Brie von der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Lehre von der klassenlosen Gesellschaft eine „dritte Hochphase“ vorhersagte, rollte draußen auf den Straßen der kapitalistische Hauptwiderspruch vorbei: eine nicht enden wollende Karawane giftgrün und grellorange lackierter Lamborghini, die der Bräutigam einer in Universitätsnähe stattfindenden Hochzeit zum Zweck des Transports der Gäste zum Fest organisiert hatte.  

          Mehr Milliardäre als in Amerika

          Das Bild maßlosen Reichtums ist keine Seltenheit in China. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Dollar-Milliardäre wie hier, stellt der an diesem Donnerstag veröffentlichte neue „Hurun“-Reichtumsbericht fest, der seit über 15 Jahren den schnell wachsenden Wohlstand der mittlerweile zweitgrößten Wirtschaft der Erde misst und deren reichsten Einwohner benennt. 596 Festlandschinesen mit einem Vermögen von mindestens 1 Milliarde Dollar hat der Erfinder der Reichenliste, der Brite Rupert Hoogewerf, in diesem Jahr gezählt. Im vergangenen Jahr waren es noch 242 Chinesen weniger – das ergibt eine Steigerungsrate von sagenhaften 70 Prozent.

          Damit lebten in China auch erstmals mehr Milliardäre als in Amerika, deren Zahl der Report mit „nur“ 537 Menschen anführt. Zählt man die Dollar-Milliardäre aus Hongkong, der Spielerstadt Macao und der demokratischen Republik Taiwan mit hinzu, steigt die Zahl der chinesischen Milliardäre gar auf 715.

          Jack Ma ist zurückgefallen

          Auf Platz eins der Liste steht nicht mehr der Internetunternehmer Jack Ma, dessen an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform Alibaba seit dem Börsengang im vergangenen Jahr heftige Einbrüche im Aktienwert verzeichnet hat. Reichster Chinese ist ein Mann namens Wang Jianlin, der Gründer des Mischkonzerns Wanda.

          Der aus der Provinz Sichuan stammende Unternehmer hat einst 16 Jahre in der Volksbefreiungsarmee gedient, schaffte es dabei vom einfachen Grenzsoldaten bis zum Regimentskommandeur und in der Zeit nach der Truppe bis zum Vorstandschef des Dalian Wanda-Konzerns, den er bis heute führt. Tausende Kinoleinwände rund um den Erdball betreibt Wang Jianlin ebenso wie Dutzende Einkaufzentren, Luxus-Hotels und Karaoke-Bars.

          Wanda ist der größte Immobilienentwickler Chinas. Und besitzt ein Fünftel am spanischen Fußballklub Athletico Madrid ebenso wie die Mehrheit am Schweizer Rechtevermarkter Infront, der für den deutschen Fußball-Verband DFB die Länderspiele der Nationalmannschaft verkauft.

          Geld machen im Internet

          Knapp 1900 Menschen zählt die chinesische Reichen-Liste, und definiert „Reichtum“ dabei über ein Mindestvermögen von 2 Milliarden Yuan (310 Millionen Dollar oder 280 Millionen Euro). Die Steigerungsrate der Anzahl der Mitglieder dieser größer gefassten Gruppe ebenfalls stark aus: im vergangenen Jahr umfasste sie noch 600 Menschen weniger.

          Am schnellsten steigerten diese chinesischen Aufsteiger ihr Vermögen dabei mit Produkten aus der Welt des Internets wie etwa der 32 Jahre alte Cheng Wei mit der Taxiruf-App des Uber-Konkurrenten Didi Kuaidi. Dass der chinesische Aktienmarkt bis zum vergangenen Juni durch die Decke gegangen ist und die Kurse innerhalb eines Jahres um 150 Prozent stiegen, hat natürlich dem Anstieg des Reichtums sehr geholfen.

          Zum Zeitpunkt, an dem die Reichenliste erstellt wurde, waren die Kurse nach dem Crash an den Schanghaier und Shenzener Börsen bereits um 30 Prozent wieder hinabgerauscht, was in der Vermögenserrechnung berücksichtigst ist. Allerdings sind seitdem die Kurse an den Börsen noch um weitere 15 Prozent gefallen, was das aktuelle Vermögen vieler Mitglieder der Reichenliste niedriger ausfallen lassen dürfte als dort angegeben.

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