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Folgen der Ein-Kind-Politik : In China gibt es 34 Millionen Männer zu viel

Glücklicher Bräutigam: Hochzeitspaar in Hong Kong. Bild: Reuters

Die Folgen der chinesischen Ein-Kind-Politik bringen Chinas Heiratsmarkt bald noch sehr viel stärker aus dem Gleichgewicht: weil sie im eigenen Land einfach keine Frau finden, suchen männliche Chinesen im Ausland nach Ersatz.

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          Im Schanghaier „Volkspark“ ist an jedem Wochenende Heiratsmarkt. Kilometerlang stehen und sitzen meist ältere Damen und Herren stundenlang am immergleichen Fleck mit selbstgemalten Schildern in der Hand, die sich lesen wie die Angebote auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Leistung, Baujahr, Sonderausstattung. Nur, dass es sich bei den Offerten nicht um Autos handelt, sondern um Menschen. Meist geht es um Männer.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Es sind die Enkel, die in Schanghai genauso wie in den vielen anderen chinesischen Millionenmetropolen allsonntäglich von ihren Großeltern angepriesen werden: Alter, Herkunft, aktueller Beruf, Jahreseinkommen, Besitz eines eigenen Autos und einer eigenen Wohnung, genauere Angaben zu Auto und Wohnung, Familienhintergrund und selbstredend ein Foto – im Wettbewerb um chinesische Frauen zählt jedes Detail. Gibt es im Land doch einen eklatanten Männerüberschuss, da viele Chinesen vor zwanzig bis dreißig Jahren abgetrieben haben, war der Fötus weiblich. Weil die kommunistischen Herrscher nur ein Kind erlaubten, sollte dieses nach herrschender Ansicht – vor allem in ländlichen Gebieten – lieber ein Junge werden, der die Eltern in deren Lebensabend später einmal besser versorgen könnte, so die Vorstellung.

          Wählerisch sein wie der 26 Jahre alte Herr Wu, der im Schanghaier „Volkspark“ sich auf seinem Schild selbst anpreist – Absolvent einer Top-Universität, hervorragende Stelle in der Computerindustrie, Besitzer zweier Apartments in bester Schanghaier Innenstadtlage – kann deshalb längst nicht jeder Chinese sein: zwischen „166 und 168 Zentimeter“ soll die Körperlänge der künftigen Ehefrau betragen, geboren darf sie sein zwischen dem „1. Januar 1992 und dem 31. Dezember 1993“.

          Gerade hat Chinas Nationales Statistikamt eine neue Schätzung zur Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht, die von anhaltend harten Zeiten auf dem Heiratsmarkt kündet – zumindest für männliche Chinesen: da der Höhepunkt des Geburtenungleichgewichts überraschenderweise erst im Jahr 2004 seinen Höhepunkt erreicht hat, wird im Jahr 2020 die Zahl chinesischer Männer die der Frauen um nicht weniger als 34 Millionen übertreffen. Nach anderen Statistiken ist dieses Verhältnis sogar bereits heute schon gegeben. Wie aus dem „Blue Book of Cities“ der Statistiker hervorgeht, kamen im Jahr 2004 auf 100 weibliche Babys 121 männliche. Bevor Chinas Regierung Ende der siebziger Jahre das Mehr-Kinder-Verbot verhängt hatte, kamen zwischen 103 und 107 männliche Geburten auf 100 weibliche.

          Chinas Regierung hat inzwischen die Ein-Kind-Politik gelockert. In Städten wie Schanghai darf so gut wie jedes Ehepaar, das in der Stadt offiziell registriert ist, ein zweites Kind bekommen. Doch die meisten Berechtigten wollen gar keines, hat die jahrzehntelange staatliche Propaganda, ein zweites Kind sei zu teuer und asozial, doch ihre Spuren hinterlassen.

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          Eine Frau zu finden, ist teuer geworden in China. Wie die Seite „China Business News“ berichtet, müssen in ländlichen Gebieten Männer im Durchschnitt der Familie ihrer Zukünftigen eine Art Mitgift in Höhe von 150.000 Yuan zahlen (21.000 Euro), was oftmals sämtlichen Ersparnissen der Familie des Bräutigams entspricht. Kann diese die Summe nicht aufbringen, enden die Söhne in den berüchtigten „Junggesellendörfern“ in Chinas Hinterland.

          Wer besser gestellt ist, geht im Ausland auf die Suche. Auf Indonesiens Ferieninsel Lombok etwa – gelegen neben der berühmteren Schwester Bali – halten die Einheimischen mit ihrer Meinung über chinesische Touristen nicht hinterm Berg. Die Männer aus Chinas Provinz seien auf permanenter Frauenjagd.

          Wer es sich finanziell in China nicht erlauben kann, im Ausland auf Brautschau zu gehen, „kauft“ nicht selten beim örtlichen Menschenhändler ein. 30.000 verschleppte junge Frauen hat Chinas Polizei im Jahr 2014 nach eigenen Angaben bei Razzien aus der Gefangenschaft befreit. Sie kommen aus ganz Asien. Selbst aus Nordkorea bieten die Händler Frauen an. Schätzungsweise werden jährlich ein Viertelmillion Frauen nach China entführt – oder auch innerhalb des Landes.

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