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Kirche, Suppe, Dauerwelle : Immer mehr Vesperkirchen in Bayern

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Immer mehr Vesperkirchen gibt es in Bayern. Bild: dpa

Klöße, Rotkohl und Braten am gedeckten Tisch bei Kerzenschein mitten in einer Kirche. In Bayern werden mehrere Kirchen im Winter zu Vesperkirchen und laden Bedürftige und Besserverdienende zu Essen und Gesprächen vorm Altar ein.

          Gemeinsames Mittagessen mitten in der Kirche: Was in Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten Alltag ist, nimmt in Bayern langsam Fahrt auf. Im Freistaat werden immer mehr Vesperkirchen eröffnet. Die evangelischen Kirchen bieten dabei vor allem bedürftigen Menschen über einen längeren Zeitraum in der kalten Jahreszeit täglich ein warmes Mittagessen.

          Doch eigentlich geht es um mehr als einen vollen Magen für wenig Geld. Denn das ökumenische Angebot richtet sich explizit an Menschen aller Schichten. Den Kirchgemeinden geht es darum, gemeinsam zu essen - unabhängig von Stand, Einkommen und Alter. So sollen Gespräche auf Augenhöhe möglich sein.

          Den offiziellen Anfang in Bayern hatte 2015 eine Kirche in Schweinfurt gemacht. Die Schweinfurter Vesperkirche war ein Pionierprojekt des Diakonischen Werks Bayern und der Evangelischen Landeskirche. Schon ein Jahr später folgte ein weiteres Angebot aus Nürnberg. Heuer werden der Diakonie Bayern zufolge bereits vier Kirchen ihre Pforten öffnen und zu Essen, Gebet und Gespräch einladen. Ergänzt werden die gemeinsamen Mahlzeiten am schön gedeckten Tisch durch Hilfsangebote für bedürftige Menschen. So können sie sich beispielsweise kostenlos die Haare schneiden lassen, Fußpflege in Anspruch nehmen, sich wegen ihrer Rente beraten lassen oder Tageszeitung lesen.

          „Es ist deutlich mehr als nur günstiges Essen. Es ist schon ein ausgefeiltes Konzept, das der Vereinsamung, der sozialen Kälte einen Gegenpunkt setzen will - und das auch tut“, sagt Pfarrer Carsten Fürstenberg. Er ist beim Diakonischen Werk Bayern Referent für Diakonie im sozialen Nahraum.

          „Kirche, Suppe, Dauerwelle“, „Stricken, Andacht, Bratensoße“ oder „Pflaster, Kanzel, Gugelhupf“ wirbt die Vesperkirche in Nürnberg denn auch für ihr Angebot. Die Nürnberger hmachten am Sonntag als erste bayerische Kirche in diesem Jahr den Anfang der Vesperkirchen im Freistaat. St. Johannis in Schweinfurt lädt vom 21. Januar an ein, „MahlZeit“ heißt es vom 4. Februar an auch in der Nürnberger Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und die neu dazu gekommene Thomaskirche in Würzburg wird am 4. März zur Vesperkirche.

          Finanziert werden die Vesperkirchen vor allem durch Spenden. Die oft üppigen Essen kosten für die Bedürftigen meist nur einen oder zwei Euro. Besserverdienende dürfen gern mehr dafür zahlen - und tun das Diakonie-Referent Fürstenberg zufolge auch oft. Dennoch: „Es ist nichts, womit man Gewinn macht“. Die Landeskirche denke aber derzeit darüber nach, die Vesperkirchen künftig stärker zu unterstützen. Ende 2017 ist die Schweinfurter Vesperkirche für ihr soziales Engagement mit dem Sozialpreis der Bayerischen Landesstiftung auszeichnet worden.

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