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General Motors : Immer mehr Todesfälle in GM-Rückrufaffäre

Links das defekte Teil Bild: Reuters

Der Autokonzern General Motors sprach ursprünglich von 13 Unfalltoten, die mit einem Zündschlossdefekt in Verbindung stehen sollen. Aber mittlerweile wurden in 74 Fällen Ansprüche auf eine Entschädigung genehmigt. Und das juristische Nachspiel ist längst nicht erledigt.

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          Es ist fast genau ein Jahr her, dass Mary Barra zum ersten Mal vor dem amerikanischen Kongress aussagte. Die Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns General Motors (GM) wurde damals von den Politikern in Washington mit aggressiven Fragen im Zusammenhang mit einer sich ausweitenden Rückrufaffäre bombardiert. Die Abgeordneten wollten wissen, warum es Jahre gedauert hat, bis GM einen Zündschlossdefekt in einigen seiner Modelle publik machte und mehrere Millionen Autos zurückrief. Der Defekt wurde zum damaligen Zeitpunkt mit 13 Unfalltoten in Verbindung gebracht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diese Zahl hat sich stetig erhöht, seit GM den Anwalt Kenneth Feinberg mit der Aufsicht eines Fonds zur Entschädigung von Unfallopfern und deren Hinterbliebenen beauftragt hat. Zu Wochenbeginn korrigierte Feinberg die Zahl der Todesfälle, bei denen es einen Anspruch auf Entschädigung geben soll, auf mittlerweile 74 nach oben. Die Zahl könnte noch weiter steigen, denn von den insgesamt 475 Anträgen, in denen Ansprüche wegen eines Todesfalls geltend gemacht werden, sind noch 95 in Bearbeitung. Insgesamt sind bei Feinberg bis zum Ende einer Abgabefrist am 31. Januar mehr als 4300 Anträge auf Entschädigung wegen eines Todesfalls oder wegen Verletzungen eingegangen. Neben den 74 Todesfällen hat Feinberg bislang 126 Fälle von Verletzungen für anspruchsberechtigt erklärt.

          Rückstellungen könnten nicht reichen

          Bei einem Todesfall sollen die Hinterbliebenen aus dem Feinberg-Fonds mindestens eine Million Dollar bekommen, in der Regel dürfte es aber deutlich mehr sein. Die Summe hängt unter anderem davon ab, wie viel die verstorbene Person verdient hat und ob sie verheiratet war und Kinder hatte. Bei Unfallopfern mit schweren Verletzungen können die Entschädigungen ebenfalls weit über der Untergrenze für Todesfälle liegen. GM hat für die Entschädigung von Opfern bislang 400 Millionen Dollar zurückgestellt, aber darauf hingewiesen, dass die Summe am Ende auch höher ausfallen könnte. Wer Geld aus dem Fonds annimmt, muss im Gegenzug darauf verzichten, GM zu verklagen.

          Auch jenseits von Entschädigungen haben die Rückrufe GM schon mehrere Milliarden Dollar gekostet. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde hat dem Unternehmen wegen der Rückrufe eine Geldbuße von 35 Millionen Dollar aufgebrummt. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten ermittelt noch immer gegen GM. Obwohl das Unternehmen versucht, etwaigen juristischen Auseinandersetzungen mit dem Fonds aus dem Weg zu gehen, sieht es sich einer Reihe von Klagen gegenüber. In einer Sammelklage wurden kürzlich Termine für eidesstattliche Aussagen festgelegt, die im Vorfeld eines möglichen Prozesses stattfinden sollen. Mary Barra ist am 8. Oktober dran. Auch für die GM-Chefin ist die Angelegenheit also noch längst nicht aus der Welt geschafft.

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