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Herzklopfen und „Blindheit“ : Was Verliebtsein anrichten kann

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Bild: dpa

Wer verliebt ist, hat Schmetterlinge im Bauch. Was hat es damit auf sich, und warum ist mancher schier blind vor Liebe? Wissenschaftler haben Antworten.

          2 Min.

          Bei Verliebten spielen Körper und Gedanken verrückt: Das Herz klopft wild, der Puls rast, die Hände sind feucht, und man hat kaum etwas anderes im Sinn als den Partner. Verliebtsein ist mehr als Romantik. Ein komplexes Phänomen wissenschaftlich betrachtet:

          Was passiert dabei in unserem Körper?

          Die Hormone spielen eine besondere Rolle. Peter Walschburger, emeritierter Professor für Biopsychologie an der Freien Universität Berlin, spricht von „hormonellen Sonderzuständen“. Dabei geht es nicht nur um Geschlechtshormone wie Östrogen oder Testosteron. Das verstärkt ausgeschüttete Stresshormon Adrenalin führt bei Verliebten zum typischen Herzrasen, wie der Kardiologe Dirk Sibbing vom Deutschen Herzzentrum in München erläutert. „Verliebtsein stellt biochemisch eine Stresssituation für den Körper dar“, erklärt Ulrike Bauer vom Kompetenznetz Angeborene Herzfehler in Berlin.

          Welche Botenstoffe spielen bei Verliebten noch eine Rolle?

          Hinzu kommen die als Glückshormone bekannten Botenstoffe Dopamin und Serotonin, die für Wohlbefinden sorgen. Verliebte haben einen verringerten Serotonin-Spiegel, was für ein emotionales Auf und Ab sorgt, wie Walschburger erläutert: „Wenn man den geliebten Schatz vor Augen hat, ist die Welt ein einziges Rosa. Und kaum ist er aus den Augen entschwunden, stürzt man in tiefe Depressionen.“ Gelangt das Paar nach den ersten Monaten stürmischer Liebe in ruhigere Gefilde, kommt das Bindungshormon Oxytocin zum Zuge, das die Treue fördert und die Liebe dauerhaft macht.

          Macht Liebe beziehungsweise Verliebtheit blind?

          Walschburger verweist darauf, dass Verliebte in der Regel auf die Frau oder den Mann ihres Herzens fixiert sind, diesen Menschen oft auch unrealistisch überhöhen und ihm ihre gesamte Aufmerksamkeit schenken. Das könne dazu führen, dass andere Menschen oder Dinge vernachlässigt werden.

          Erinnert das nicht an eine Sucht?

          Wissenschaftler weisen darauf hin, dass im Körper und im Gehirn von Verliebten ähnliche Prozesse wie bei Süchtigen ablaufen. „Wir sind sowohl in der Sucht als auch in der Verliebtheit in einem ähnlichen Zustand“, erläutert Walschburger. „Wir werden extrem abhängig von einem bestimmten glücksbringenden Objekt.“

          Wer verliebt ist, küsst sich. Was passiert bei einem Kuss?

          Das Küssen ist Wissenschaftlern zufolge wie eine „Energiespritze“, die das Immunsystem stärkt und Stress abbaut. Der Kreislauf und der Stoffwechsel kommen in Schwung. Weil viele Gesichtsmuskeln beim Küssen aktiv sind, sollen eifrige Küsser beim Thema Falten einen Vorteil haben. Beim intensiven Küssen würden gar ein paar zusätzliche Kalorien verbrannt, heißt es.

          Und was passiert, wenn die Liebe zerbricht?

          Auch eine Trennung kann jede Menge Stress auslösen, Mediziner sprechen vom „broken heart syndrom“ (Gebrochenes-Herz-Syndrom). Es handelt sich um eine Funktionsstörung des Herzmuskels, eine Folge großer emotionaler Belastung, wie der Berliner Kardiologe Adrian C. Borges erklärt. Und wieder steckt ein biochemischer Prozess dahinter: die übermäßige Freisetzung des Stresshormons Adrenalin.

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