https://www.faz.net/-gqe-7vbq1

Hausfinanzierer : Fannie Mae und Freddie Mac sind wieder im Spiel

Totgeglaubte leben länger: Die Hausfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac könnten wieder groß raus kommen. Bild: Reuters

Die Hausfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac standen im Mittelpunkt der Finanzkrise in Amerika und wurden mit 188 Milliarden Dollar herausgepaukt. Eigentlich sollten sie abgewickelt werden. Doch nun wird ihre Rolle noch gestärkt.

          2 Min.

          Fannie Mae und Freddie Mac, die staatlich kontrollierten Hausfinanzierer, standen im Mittelpunkt der Finanzkrise, die 2007 in den Vereinigten Staaten ihren Ausgang nahm. In enger Kollaboration mit der Politik und unter politischem Druck wirkten die beiden Hausfinanzgiganten darauf hin, dass immer mehr einkommensschwache Amerikaner ihr Eigenheim kreditfinanzieren konnten. Private Banken wurden in dieses Geschäft mit hineingezogen und ließen sich willig hineinziehen. Im Ergebnis sanken die Kreditstandards, der Markt für Subprime-Kredite schlechter Qualität wuchs drastisch und die Ansprüche etwa an Eigenkapital, um einen Teil des Hauspreises direkt zu zahlen, gingen teilweise gegen null.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das sozialpolitische Gebahren trug seinen Teil zum Anstieg der Hauspreise bei und ging so lange gut, wie die Hauspreise stiegen. Als diese 2006 zu bröckeln begannen und dann ins Rutschen kamen, war das Spiel schnell aus. Im Sommer 2008 mussten Fannie Mae und Freddie Mac, die zuvor im gesetzlichen Auftrag privat arbeiteten, unter die Obhut des Staates flüchten. Mit insgesamt fast 188 Milliarden Dollar paukte die Regierung die beiden Unternehmen aus dem Schlamassel heraus, wobei der Steuerzahler schon 219 Milliarden Dollar als Dividende erhalten hat. Für die bemitleidenswerten Amerikaner aber, die trotz schwacher Finanzlage in den Hausbesitz gedrängt wurden, endete die Finanzkrise oft mit der drastischen Überschuldung. „Under water“, unter Wasser steht man dann, wenn der gesunkene Hauspreis die Hypothek nicht mehr deckt.

          Fannie und Freddie sollen wieder mehr Hypotheken absichern

          Fannie Mae und Freddie Mac vergeben dabei selbst keine Hauskredite, sondern kaufen diese den Banken ab, verpacken sie zu Bündeln und verkaufen diese als hypothekenbesicherte Wertpapiere an Investoren. Gegen Gebühr sichern sie die Investoren auch gegen Verlustrisiken ab. Zusammen mit der Hausfinanzierungsagentur des Bundes besitzen oder garantieren Fannie und Freddie fast die Hälfte aller ausstehenden Hypotheken in den Vereinigten Staaten.

          Der Primärimpuls der Politik nach der Krise war, Fannie Mae und Freddie Mac mittelfristig zu schließen und durch eine andere Form der Eigenheimförderung zu ersetzen. Dieses Vorhaben kommt immer mehr ins Wanken, je länger die Krise zurückliegt. In diesem Jahr setzte die Regierung von Barack Obama einen Chef in die Hausfinanzierungsagentur, die Fannie und Freddie beaufsichtigt. Die neue Linie ist klar: Die beiden Hausfinanzierer sollen wieder verstärkt dafür Sorge tragen, dass Hauskredite fließen.

          Kreditstandards sollen gesenkt werden

          Beginnt damit das alte Spiel, das zur Finanzkrise führte, aufs Neue? An diesem Montag wird Watts in Las Vegas Änderungen vorschlagen, um die Kreditstandards abzusenken. Ganz offensichtlich sieht die Regierung Handlungsbedarf, den sich allmählich erholenden Hausmarkt weiter anzuschieben. Politisch wird argumentiert, dass es zum Beispiel für Ersteigentümer schwierig sei, einen Kredit zu erlangen. Hört sich ein wenig an wie vor der Krise, nicht wahr?

          Tatsächlich haben die Banken die Bedingungen für Hauskredite seit der Krise heftig verschärft. Das liegt unter anderem daran, dass Fannie und Freddie die Banken in Regress nahmen für Hypotheken, die sie erworben hatten und die faul wurden. Davor wollen die Banken sich nun mit einer gewissenhafteren Prüfung und strengeren Kreditvergabe schützen. Solch ein Verhalten hätte man sich auch früher gewünscht.

          Der Regierung aber missfällt, dass so eben weniger Kredite fließen. Fannie und Freddie sollen deshalb die Mindestbedingungen herabsetzen und für manche Kredite nur noch eine Anzahlung von 3 anstatt zuletzt 5 Prozent verlangen. Banken verlangen oft noch viel mehr. Auch will die Hausfinanzierungsagentur sich offenbar mit Banken auf klare Regeln einigen, wann Fannie und Freddie künftig Regress fordern können. Das soll den Willen zur Kreditvergabe stärken.

          Widerstand der Republikaner gegen das Vorhaben ist zu erwarten. Doch scheint es so, als ob zumindest von demokratischer Seite Fannie Mae und Freddie Mac wieder im Spiel sind.

          Weitere Themen

          Bundesregierung senkt Wachstumsprognose für 2021 Video-Seite öffnen

          Einbruch der Wirtschaft : Bundesregierung senkt Wachstumsprognose für 2021

          Nach dem Einbruch der deutschen Wirtschaft im Corona-Jahr 2020 rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr wieder mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,0 Prozent. Damit senkte die Regierung ihre Wachstumsprognose - in ihrer Herbstprojektion war sie noch von einem Plus von 4,4 Prozent ausgegangen.

          Topmeldungen

          Corona-Teststation auf der Insel Ibiza

          Neues Corona-Medikament : Die Herbstzeitlose gibt Hoffnung

          In einer großen Covid-19-Studie soll der Pflanzenwirkstoff Colchicin überzeugt haben. Mit ihm wäre ein leicht verfügbares und preiswertes Mittel im Kampf gegen die schweren Krankheitsverläufe gefunden.
          Apple-Chef Tim Cook (links) und Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Die beiden Konzerne liefern sich zurzeit einen Streit über die mögliche Nachverfolgung von Nutzern (Tracking).

          Gewinner der Corona-Krise : Starkes Wachstum bei Apple und Facebook

          Apple übertrifft dank neuer iPhones alle Erwartungen, am stärksten legte allerdings ein anderes Produkt zu. Auch Facebook beschleunigt sein Wachstum, spricht jedoch von „erheblicher Unsicherheit“. Und Mark Zuckerberg leistet sich Seitenhiebe auf Apple.
          Flüchtlinge aus dem Aufnahmelager Lipa bei Bihac gehen durch den Schnee: Nachdem das Lager vor Weihnachten geschlossen wurde, standen 1300 Asylsuchende mitten im Winter auf der Straße.

          Illegale Praktiken : UNHCR sieht Asylrecht in Europa „in Gefahr“

          Die UNO kritisiert Europas Umgang mit Flüchtlingen und sieht besorgt auf die wachsende Zahl direkter Abschiebungen an den EU-Grenzen: Diese seien „einfach illegal“. Auch mehren sich Berichte über Gewalt und Misshandlung durch Behördenmitarbeiter.
          Tesla-Chef Elon Musk

          Bilanz der Tech-Konzerne : Gemischtes Bild bei Tesla

          Zwar weist Tesla erstmals in seiner Geschichte einen Jahresgewinn aus, dennoch bleibt der Elektroautohersteller – anders als Apple und Facebook – hinter den Erwartungen zurück. Für das kommende Jahr hat der Konzern große Pläne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.