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Bevorzugte Gläubiger : Griechenland begleicht Samurai-Anleihe

Griechenland weiß offenbar genau, mit welchen Gläubigern sich das Land es sich nicht verscherzen darf. Bild: dpa

Die Regierung in Athen weiß, welche Gläubiger sie gut behandeln muss und welche nicht. Am Dienstag beglich sie eine in Japan in Yen aufgenommene Samurai-Anleihe.

          Griechenland kann noch Schulden begleichen. Das Land hat eine am Dienstag fällig werdende Samurai-Anleihe zurückgezahlt, die es vor zwanzig Jahren aufgenommen hatte. Das bestätigte in Tokio die Mizuho Bank, die für in- und ausländische Investoren die in Yen denominierte Anleihe verwaltet. Fällig waren noch etwa 11,6 Milliarden Yen (rund 86 Millionen Euro). Ursprünglich hatte Griechenland vor zwanzig Jahren 20 Milliarden Yen aufgenommen. Als Ergebnis eines teilweisen Schuldenerlasses aber hatten die privaten Geldgeber schon fast auf die Hälfte verzichtet.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Begleichung der Schuld in Tokio steht im deutlichen Gegensatz zur Verweigerung einer weiteren Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds über 456 Millionen Euro am Montag, mit dem das Krisenland seinen Zahlungsrückstand beim IWF auf 2 Milliarden Euro ausweitete. Offenbar weiß die Regierung in Athen genau, mit welchen Gläubigern sie es sich verscherzen darf und mit welchen nicht. Trotz der vergleichsweise kleinen Summe hätte eine Nicht-Begleichung der Samurai-Anleihe Griechenland formal in den Default geführt, mit allen Rückwirkungen auf die Einstufung der Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen und auf andere ausstehende Schuldverträge. Beim IWF, einer Art Kreditgenossenschaft der Mitgliedsländer, kann Griechenland aber für längere Zeit „anschreiben“ lassen, bevor es ernsthaft sanktioniert wird.

          In Griechenlands weiterem Schuldenkalender stehen am 17. Juli die Rückzahlungen von 1 Milliarde Euro kurzfristiger Schuldpapiere und am 20. Juli von fast 3,5 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank und die Europäische Investitionsbank an.

          Japans Finanzminister warnt

          Die Euro-Staaten hatten Griechenland am Montag nach stundenlangen Verhandlungen einen Ausweg aus der Schuldenkrise und die Aussicht auf neue Kredite über 74 Milliarden Euro eröffnet, falls das Land bis Mittwoch weitreichende Wirtschaftsreformen auf den Weg bringt. Mit der Einigung waren die Euro-Regierungschefs in Brüssel nicht vor Öffnung der asiatischen Börsen und auch nicht vor Handelsschluss in Tokio fertig geworden. Doch schon die Aussicht auf eine Einigung hatte den Nikkei-Index am Montag 1,6 Prozent steigen lassen.

          Am Dienstag nun holten die Anleger in Tokio die Erleichterung über die Brüsseler Einigung nach, die vielleicht ein Verbleiben Griechenlands im Euro-Raum sichert. Der Nikkei-Index legte im frühen Handel mehr als 300 Punkte zu und lag am Ende der Morgensitzung 1,5 Prozent im Plus bei 20.392 Punkten.

          Mit der Zuversicht waren die Anleger an der Börse der Regierung voraus. Finanzminister Taro Aso erklärte vor Journalisten, er wolle mit einem Urteil über die Einigung bis Mittwoch abwarten um zu sehen, ob Griechenland die von den EU-Staaten gewünschten Reformen auch beschließe. Die Menschen im Euro-Raum sähen eine 50-50-Chance, dass Griechenland die Reformen nicht umsetzen werde, erklärte Aso.

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