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Greetings from Washington : Der Ablasshandel von JP Morgan

Das Kapitol in Washington Bild: AP/dpa

Zwei Zahlen spiegeln in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten die Verwerfungen der Finanzkrise: 11 Milliarden Dollar und 1 Milliarde Dollar.

          Die Aufarbeitung der Finanzkrise zeigt sich in zwei Zahlen: 11 Milliarden Dollar ist die mögliche Summe, die die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase in einem Ablasshandel mit dem Justizministerium und Aufsehern zahlen soll, um zivil- und strafrechtlichen Klagen im Zusammenhang mit der Krise endgültig ad acta zu legen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das berichtet die gewöhnlich gut informierte Zeitung „Wall Street Journal“. Justizminister Eric Holder soll einen Vergleich über 3 Milliarden Dollar abgelehnt haben. Die Zahl 11 Milliarden Dollar symbolisiert einen Bruchteil des gesellschaftlichen Schadens, den das politische Washington den Banken als Schuld für die Finanzkrise zuordnet.

          1 Milliarde Steuergeld verzockt

          Rund 1 Milliarde Dollar ist der Fehlbetrag, den das Finanzministerium in wenigen Tagen wahrscheinlich der staatlichen Hausagentur Federal Housing Administration (FHA) zuschießen muss, um erstmals in der 79 Jahre dauernden Geschichte der FHA Verluste zu decken. Die FHA, ein Kind des New Deal unter Franklin Delano Roosevelt, vergibt keine Hauskredite, aber versichert Kreditgeber gegen Verluste. Seit der Finanzkrise hat sie eine bedeutende Rolle am Hausmarkt gespielt, um den Kreditfluss einigermaßen aufrechtzuerhalten.

          Ohne Frage werden die 1 Milliarde Dollar als Schaden für den Steuerzahler präsentiert werden, die letztlich der Finanzkrise und den bösen Banken zu schulden sind. Eine andere Interpretation liegt näher: Niemand hat das politische Washington gezwungen, Steuergeld für hoffnungslose Kreditgarantien einzusetzen. Die FHA garantierte Kredite, bei denen teils nur 3,5 Prozent der Kreditsumme als Anzahlung geleistet wurden.

          Man kann auch sagen: Hier wurde mit dem Geld der Steuerzahler gezockt, um irrsinnige politische Vorgaben zu erfüllen. Die Zahl 1 Milliarde Dollar symbolisiert insoweit einen Teil des gesellschaftlichen Schadens, den Kongress und Regierung durch ihr Fehlverhalten hervorgerufen haben. Wie gut es sich fügt, dass man solche Summen bei den Banken wieder eintreiben kann.

          Die Kurse an den amerikanischen Aktienbörsen gaben am Mittwoch leicht nach. Der Dow-Jones-Index verlor 0,4 Prozent auf 15273 Punkte. Der S&P-500-Index gab 0,3 Prozent auf 1693 Punkte ab. Der Nasdaq-Index verlor 0,2 Prozent auf 3761 Punkte.

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