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Greetings aus Singapur : Zocken, bis der Gerichtsvollzieher kommt

Vogelflug in Singapur Bild: AP

Beamten aus Singapur sollen nicht mehr ungehemmt in den Casinos der Stadt zocken können. Vielleicht ziehen sie lieber um, auf die Philippinen. Denn auch dort ist der Casino-Boom Asiens angekommen und führt zu heftiger Bautätigkeit in Manila.

          Ausgespielt. Nach einer Serie hochrangiger Korruptionsfälle der eher unappetitlichen Art ausgerechnet im Sauberstaat Singapur, soll es Beamten des Stadtstaates nun erschwert werden, in einem der beiden Casinos der Insel zu zocken. Wir erinnern uns: Die Regierung selber drückte deren Bau durch, um Steuern einzunehmen und gut betuchte Ausländer in die Finanzmetropole zu locken. Weite Teile der Bevölkerung wehrten sich damals dagegen. Nun zeigt sich der Stellvertretende Ministerpräsident vor dem Parlament „betroffen“ über die Korruptionsfälle in der Beamtenschaft. Ausgerechnet der Chef der Antikorruptionsbehörde musste gerade ausgetauscht werden, nachdem einer seiner Manager wegen Fehlverhaltens verklagt worden war. Der Chef der Zivilverteidigung musste sechs Monate ins Gefängnis, nachdem er Aufträge gegen Oralsex vergab. Nun sollen all jene Beamte, die einen Jahrespass für eines der Casinos beantragen, sich erklären.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vielleicht ziehen sie lieber um, auf die Philippinen. Denn auch dort ist der Casino-Boom Asiens angekommen und führt zu heftiger Bautätigkeit in Manila. Die zusätzlichen Einnahmen wird die Regierung brauchen. Denn der Export der als neuer Star Asiens gefeierten Insel beginnt zu stagnieren. Zwar lag die Ausfuhr im Juni gut 4 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Allerdings ist dies ein Rückgang um mehr als 8 Prozent gegenüber dem Mai-Wert. Auch die Investitionen stagnieren. In den ersten fünf Monaten dieses Jahre betrugen sie 1,5 Milliarden Dollar – fast 9 Prozent weniger, als im selben Zeitraum 2012.

          Die Casinos in Singapur waren eng verbunden mit dem Ausrichten des ersten Nachrennens der Formel-1. Die Stadt wollte die Schönen und Reichen dieser Erde anziehen. Natürlich nicht, um Schwarzgeld zu waschen, sondern um ganz legal Immobilien zu kaufen, die Krankenhäuser zu nutzen und die Kinder in Singapur auf internationale Schulen zu schicken. Irgend so etwas muss auch durch die Köpfe der Inder gegeistert sein, als sie daraufhin ebenfalls ein Formel-1-Rennen vor den Toren Delhis zugesprochen bekamen. Angeblich steht die eher bescheidene Veranstaltung vor dem Ende. Jedenfalls beginnt der Besitzer des Rennkurses und der darum herum gebauten Satellitenstadt samt Autobahn, sein Tafelsilber zu verscherbeln. Die mit angeblich 10 Milliarden Dollar Schulden belastete Jaypee-Gruppe, Indiens größter Zementhersteller, will Fabriken im Süden und Westen des Landes verkaufen, um so ein Viertel ihrer Schulden zu decken. Innerhalb von fünf Jahren hatte Jaypee die Verschuldung verfünffacht. Allein rund eine Milliarde Dollar werde sie brauchen, um die Schulden bis Ende dieses Fiskaljahres (31. März) zu bedienen, berechnen Analysten. Da bleibt nur der Flug nach Singapur, um im dortigen Casino den Cash-flow aufzubessern.

          Aktionäre haben das am heutigen Dienstag nicht nötig. Der MSCI Asia Pacific gewinnt bis Mittag ein halbes Prozent an Wert. Getrieben wurde er von Nachrichten aus Japan, die Regierung plane eine Verringerung der Unternehmenssteuern. Prompt legte der dortige Topix 1,4 Prozent zu. Hilfreich war auch, dass der Yen 0,5 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verlor. Der Wertverlust des Yen half den japanischen Maschinenbauern, die im Juni fast 5 Prozent mehr verkauften als im Jahr zuvor. So stieg auch der Nikkei um 1,7 Prozent. Auch Südkoreas Kospi machte ein Prozent gut. Der bodenschatzgetriebene australische S&P/ASX 200 gewann weitere 0,3 Prozent, Hongkongs Hang Seng markierte ein Plus von 0,7 Prozent.

          Wir könnten an dieser Stelle auch über den Singapurer STI berichten. Doch öffnet das Casino seine Pforten. Wir sind nicht verbeamtet. Und wen interessiert überhaupt, dass der STI bis Mittag nur um 0,3 Prozent zulegte.

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