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Greetings aus Singapur : Zahn-Gold

Vogelflug in Singapur Bild: AP

Goldene Zeiten. So zumindest fühlen sich die Tage in Asien für diejenigen an, die Geld haben. Die Krise an den Börsen, die uns in den vergangenen Wochen beschäftigte, scheint seit Donnerstag wie weggeblasen.

          2 Min.

          Vor den Geschäften von Apple in Asien bildeten sich spätestens in der Nacht zum Freitag lange Schlangen, weil die Amerikaner ihre Iphones 5 und 5c ab heute verkaufen. In Singapur treffen sich die Reichen und Schönen, weil die Formel-1 am Sonntag in der Millionärshauptstadt ihr Nachrennen ausfährt. Und ein Zahnarzt am Ort betritt Neuland, weil er zur Abendveranstaltung einlädt: Bei Champagner informiert er in seiner Praxis über ästhetische Gebisspflege, danach darf ein Vermögensberater der ANZ Bank unter dem schönen Titel „Health and Wealth“ (Gesundheit und Vermögen) 30 Minuten um wohlbetuchte Kunden werben. Ob er Prozenten auf sein goldenes Inlay bekommt?

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Wir wissen nicht, was der freundliche Herr von der ANZ mit seinem strahlenden Gebiss empfiehlt. Aber wir gehen davon aus, dass der geschäftstüchtige Zahnklempner und der Banker auf Kunden mit derselben Sehnsucht treffen: Die Asiaten wollen Gold sehen. Auch auf ihrem I-phone. Die Goldversion, erstmals neben schwarz und silber im Angebot, ist in China, Hongkong und Singapur schon ausverkauft, nachdem Bestellungen via Internet schon seit Dienstag möglich sind. Gleichwohl bildeten sich in Singapur schon am Donnerstagmorgen, 24 Stunden vor Verkaufsstart, wachsende Schlagen vor den Apple-Läden.

          Wer kein goldenes Telefon mehr abbekommt, sich kein Loch in den Zahn bohren lassen will, um es dann mit Gold füllen zu lassen, der trug sein Geld am Freitagmorgen an die Börsen. Die mahnenden Rufe, Asien habe nur Zeit gewonnen durch die Entscheidung der amerikanischen Notenbank am Mittwochabend, verhallten ungehört. Es galt, schnell Geld zu verdienen. So stieg der MSCI Asia Pacific Index bis zum Mittag um weitere 0,2 Prozent. In der gesamten Woche hat er nun 3,2 Prozent gutgemacht. Der Markt in Tokio lag weitere 0,3 Prozent im Plus. Sydney pendelte mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent um den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Preise für Rohstoffe und die asiatischen Währungen gaben nach ihrem sprunghaften Anstieg am Donnerstag leicht nach. Die Märkte in China, Hongkong und Taiwan blieben auch am Freitag geschlossen, weil die Menschen dort zum Herbstfest lieber den – golden – schimmernden Vollmond feiern.

          Nur für einen beginnt der Tag bedeckt: Die Lufthansa, deren Chef sehr zügig weiter fliegt. Auf seiner Karrierezwischenlandung in Frankfurt sorgte er unter anderem für einige Verwerfungen in Asien. Die Strecke nach Jakarta wurde gestrichen, dabei ist die Route die zweitmeistgeflogene der Welt, und internationale Airlines schlagen sich fast um Landegenehmigungen in der Hauptstadt der größten Volkswirtschaft Südostasiens. In Indien ist es Christoph Franz nicht gelungen, Lufthansa nach dem Scherbenhaufen um den abgelehnten Beitritt von Air India zur Star Alliance auf diplomatischem Wege wieder ins Spiel zu bringen. Bislang beklagte sie sich lediglich lautstark über die wachende Machtstellung der konkurrierenden Staatsairline Emirates. Künftig bläst ihr der Wind stärker ins Gesicht:

          Denn ausgerechnet Star-Alliance-Partner Singapore Airlines, übrigens auch eine staatliche Fluggesellschaft, gründet im schwierigen Wachstumsmarkt eine eigene neue Fluglinie. Und das mit dem starken Partner Tata Sons an ihrer Seite. Da dürften die Landerechte auf den engen indischen Flughäfen mindestens so begehrt werden, wie diejenigen in Jakarta. Und Franz? Hat beim Kostenkillen in den vergangenen Monaten auch den einen oder anderen Indienflug streichen lassen.

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