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Greetings aus Singapur : Vorwärts, China!

Vogelflug in Singapur Bild: AP

China meldet sich mit mehr Wachstum als erwartet zurück. Doch anders als früher fußt dies mehr auf dem blasenverdächtigen Immobilienmarkt als auf Exporterfolgen.

          Zum Wochenausklang dringen hoffnungsvolle Töne aus China: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde wuchs im dritten Quartal um 7,8 Prozent. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im Jahresvergleich noch 7,5 Prozent betragen. Nach den Angaben des Nationalen Statistikbüros in Peking vom Freitagmorgen lag damit das Wirtschaftswachstum Chinas zwischen Januar und Ende September bei 7,7 Prozent.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Sollte die Daten verlässlich sein, erscheint das Handeln  der Kommunistischen Partei einmal mehr magisch – denn angestrebt hatte sie eine Wachstumsrate von 7,5 Prozent, und Analysten erwarten, dass das dritte Quartal das stärkste in diesem Jahr gewesen sein dürfte.

          China meldet sich zurück

          Die Anlageinvestitionen sind seit Januar um 20,2 Prozent gestiegen. Zwar war der Export im September mit einem Minus von 0,3 Prozent leicht gefallen und strafte die Erwartungen der Analysten von einem Zuwachs von 6 Prozent Lügen. Doch legten, wie die heute veröffentlichten Werte zeigen, die Verkäufe im Einzelhandel im September im Jahresvergleich um 13,3 Prozent zu.

          Der Ausstoß der Industrie in China wuchs um 10,2 Prozent. „Chinas Volkswirtschaft meldet sich zurück. Wenn wir die Werte betrachten, sei es die Stahlproduktion, Elektrizität, Fracht, Kreditwachstum, sie alle deuten auf eine positive Entwicklung“, sagte Stephen Green, China-Ökonom bei der Bank Standard Chartered in Hongkong.

          Immobilien statt Exporte

          Die neue Staats- und Regierungsführung geht damit gestärkt in die Sitzung der Kommunistischen Partei im November. Es wird die dritte Zusammenkunft des neuen Zentralkomitees. Chinakenner legen auf den symbolischen Charakter des dritten Treffens Wert: Denn auf dem dritten Plenum der Partei 1978 enthüllte Deng Xiaoping seine Reformpläne zur Öffnung des Landes. Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang arbeiten daran, das Wachstum Chinas auf hohem Niveau zu stabilisieren, aber zugleich nachhaltiger zu machen – etwa mit Blick auf Umweltbelastungen, Korruption oder Schattenbanken.

          Nüchtern betrachtet stehen hinter den positiven Meldungen aus Peking aber noch viele Fragezeichen. Zum einen wurde der Aufschwung zu großen Teilen von der Entwicklung des Häusermarktes getrieben. Die Investitionen in Immobilien stiegen in den ersten neun Monaten um fast 20 Prozent. Zum anderen wird die Importschwäche gerade Südostasiens in den nächsten Wochen und Monaten auch auf die Fabrik der Welt durchschlagen. Der angestrebte Wachstumswert von 7,5 Prozent in diesem Jahr geht zwar aus einer immer stärkeren Basis hervor – dennoch aber wäre er der geringste in 23 Jahren für China.

          Die Börsen in Asien reagierten bis Mittag natürlich positiv auf die Entwicklung in China, blieben nach dem Aufschwung im Zuge der Einigung über den amerikanischen Haushalt aber insgesamt zurückhaltend. Die Werte aus Peking bestätigten die Erwartungen. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific gewann 0,2 Prozent in Tokio. Die Märkte in Hongkong und Sydney machten jeweils 0,7 Prozent gut. Sydney notiert weiter auf dem höchsten Stand seit gut fünf Jahren. In Südostasien legten die Börsen leicht zu, der Straits Times Index am Finanzplatz Singapur gewann 0,2 Prozent.

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