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Greetings aus Singapur : Suche nach dem Hoffnungsschimmer

Vogelflug in Singapur Bild: AP

Die Märkte in Asien bewegen sich in der Abhängigkeit der Daten aus Amerika und China. Jeder scheint auf einen Einbruch vorbereitet, niemand aber will als erster auf den Knopf drücken.

          Wenn Japan seiner Toten des Zweiten Weltkriegs gedenkt, dann besitzt das immer auch eine politische Dimension. Denn nach dem Elend, dass die Japaner im restlichen Asien anrichteten, beobachten insbesondere Chinesen und Südkoreaner genau, wer den japanischen Yasukuni-Schrein besucht. An diesem Donnerstag waren es bis zum Mittag zwei japanische Minister – nicht aber Ministerpräsident Shinzo Abe. Das ist, aus Sicht des übrigen Asiens, eine gute Nachricht. Denn die Japaner gießen damit nicht weiteres Öl in die Regionalkonflikte. Weil der Streit um Inseln, Fischgründe und Bodenschätze im Südchinesischen Meer wieder offen ausgebrochen ist, hat es seit mehr als einem Jahr keinen bilateralen Gipfel zwischen Chinesen und Japanern mehr gegeben.

          Wehrmutstropfen

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Es wäre ein besonders schlechter Augenblick gewesen, Konflikte anzuheizen. Denn Südostasien definiert seine Rolle im Tauziehen um das Meer der Asiaten neu. Neben China und Taiwan erheben Vietnam, die Philippinen, Malaysia und Brunei Ansprüche in dem Seegebiet, die sich teilweise überlappen. Die Außenminister von neun der zehn Mitgliedsländer des südostasiatischen Staatenbundes Asean haben sich nun auf eine gemeinsame Haltung geeinigt, mit der sie in die in Kürze geplanten Gespräche mit China gehen wollen. Allerdings gibt es zwei Wehrmutstropfen: china-Vasall Kambodscha hat nicht mit abgestimmt, und so gibt es weiterhin keine einheitliche Asean-Position. Und es wird bei den Gesprächen mit China nicht um Inhalte gehen, sondern nur um einen Verhaltenskodex – auf See und auf diplomatischem Parkett. Angesichts von Kriegsschiffen und Schüssen ist allerdings auch das schon ein Hoffnungsschimmer.

          Indien sucht weiter

          Nach einem solchen Schimmer sucht am Donnerstag Indien weiter. Die in Not geratene drittgrößte Volkswirtschaft Asiens stemmt sich fast schon verzweifelt gegen den Verfall der Rupie, der den Import verteuert und die ohnehin grassierende Inflation treibt. Bislang fiel der Regierung nicht viel ein: Der Finanzminister schrieb dem von ihm ernannten neuen Zentralbankchef, dem weltweit hochgeachteten Ökonom Raghuram G. Rajan, noch vor Dienstantritt ins Stammbuch, dieser sei nicht nur für die Bekämpfung der Inflation, sondern auch für die Stimulierung der Konjunktur verantwortlich. Klare Worte, die ein Wahlkämpfer nutzt, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Er selber erhöhte erst einmal die Einfuhrsteuer auf Gold und Silber um weitere 20 Prozent. Die Zöllner werden sich freuen: Denn Juweliere, Branchenverbände und Analysten sind sich einig, dass dies allenfalls den Schmuggel aus Singapur oder Dubai vorantreibt. Ein Leistungsbilanzdefizit wird so nicht gekürzt werden. Wohl aber das Wachstum belastet: Am späten Mittwoch kürzte Indiens Notenbank die Geldmenge, die sich indische Unternehmen im Ausland ohne Genehmigung leihen können von 400 Prozent des Eigenkapitals auf nur noch 100 Prozent. Daheim liegen die Zinssätze bei einem Vielfachen von Europa oder Amerika.

          Wer drückt als erstes

          So verbleiben Unsicherheiten. Die Märkte in Asien bewegen sich in der Abhängigkeit der Daten aus Amerika und China. Jeder scheint auf einen Einbruch vorbereitet, niemand aber will als erster auf den Knopf drücken. Deshalb bleibt Aktionären nichts anderes, als in diesen Tagen der Berichtssaison vor allem auf das Abschneiden von Einzelwerten zu schauen. Unter dem Strich gaben die Werte in Asien bis zum Mittag Boden ab, nachdem Anleger Gewinne der vergangenen Tage einstrichen. Erstmals nach sechs Tagen gab der MSCI Asia Pacific nach. Er verlor bis zum Mittag in Tokio 0,4 Prozent seines Wertes. Aufgrund des gestiegenen Außenwertes des Yen gab der Nikkei-Index in Tokio bis zur Handelsmitte 1,63 Prozent ab. Zuvor hatte Finanzminister Taro Aso erklärt, dank des Wirtschaftswachstums wolle er an der Erhöhung der Mehrwertsteuer festhalten. Als Hongkongs Börse sich nach dem Tag der Taifun-Unterbrechung zurückmeldete, gewann der Hang Seng bis zum Mittag 0,4 Prozent. Die Börsen in Indien und Südkorea blieben am Donnerstag wegen Feiertagen geschlossen.

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