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Greetings aus Singapur : Jagd auf Hunde, Banker und Chefs

Vogelflug in Singapur Bild: AP

Die Behörden in Peking machen Jagd auf Hunde. Denn alle, die höher als 35 Zentimeter gewachsen sind, sind in der Innenstadt verboten. Vielleicht könnte es für die Chinesen lohnender sein, genauso konsequent die Schattenbanken verfolgen.

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          Natürlich machen wir uns morgens, wenn die fade Sonne über den Tropenbäumen aufzieht, Gedanken darüber, wie wir Sie sechs Stunden später über Kaffee und Marmeladenbrötchen zum Lesen animieren können. Kinder, Omas und Tiere, so lernt jeder Journalistenschüler, ziehen den Leser in den Text. Alte und Kinder haben wir gerade nicht zu bieten. Wohl aber Hunde.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Sind diese nämlich groß, ergeht es ihnen schlecht in Peking. Die Behörden der chinesischen Hauptstadt durchkämmen Wohnviertel auf der Suche nach des Chinesen bestem Freund. „Die Menschen sind in völliger Panik“, sagt eine Tierärztin. Die Hunde wohl auch. Denn alle, die höher als 35 Zentimeter gewachsen sind, sind in der Innenstadt verboten, werden gefangen und interniert? Getötet? Gegessen gar? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass Hundehalter in Peking, die es sich leisten können, ihre Vierbeine nun in Pensionen vor den Stadtgrenzen bringen.

          Dort sitzen sie dann fest. So wie Chip Starnes. Der Amerikaner ist Chef von Specialty Medical Supplies in Pekings Vorstadt. Das Unternehmen stellt Alkoholtupfer her. Starnes will einen Teil der Produktion nach Indien verlegen. Seine Arbeiter halten ihn seit Freitag in einem Raum seiner Fabrik gefangen. Denn sie fürchten um ihre Jobs und verlangen eine Abfindung. Starnes sagt, er wollte die Firma gar nicht schließen, deshalb auch keine Kündigungen aussprechen und keine Abfindungen zahlen. Bislang hat ihm das nicht geholfen.

          Die Zuversicht großer Männer

          Wir wollen die Chinesen nicht schelten. Aber wir meinen doch, in Zeiten, in denen Arbeiter ihre Chefs gefangen nehmen und Behörden Jagd auf große Tiere machen, könnten andere Ziele lohnender sein. Was ist mit jenen, die Schattenbanken leiten? Das sind die Institute, vor denen die Welt gerade zu zittern beginnt. Sie besorgen sich Gelder bei Staatsbanken oder auf dem Graumarkt von wohlhabenden Mitbürgern, bündeln Risiken und bieten sie dann Investoren an. Das Ganze funktioniert besonders gut zu Zeiten, in denen traditionelle Banken Zurückhaltung üben. Die Analysten von J.P. Morgan Chase & Co schätzen, dass die Schattenbanken Chinas ihr ausstehendes Kreditvolumen zwischen 2010 und 2012 auf sagenhafte 36 Billionen Yuan (4,4 Billionen Euro) oder 69 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung verdoppelt haben.

          Natürlich wissen wir noch nicht, wo Wang Jing sein Geld aufnehmen wird. Der chinesische Milliardär will für rund 40 Milliarden Dollar einen Kanal durch Nicaragua graben lassen. Die Idee dazu gibt es, ähnlich wie diejenige für den Kra Kanal durch den Süden Thailands, schon seit mehr als 150 Jahren. Wang aber will sie nun umsetzen und damit dem Panama-Kanal Konkurrenz machen. Schlechte Zeiten scheinen gute Zeiten für Mega-Projekte zu sein: So hält auch der australische Milliardär Clive Palmer an seinem Plan fest, auf einer chinesischen Werft eine Titanic original nachbauen zu lassen. Wenn er nicht gerade mit seinem Schiff beschäftigt ist, will er dann auch noch bei der Wahl im September australischer Ministerpräsident werden.

          Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass Beamte, die mit Vierbeinern in Peking fertig werden, auch Schattenbanker wenn schon nicht schlachten, so doch einfangen könnten. Vielleicht ist es auch nur die Zuversicht großer Männer, die auch schlechte Zeiten nicht am Umsetzen ihrer Träume hindern können. Die Märkte jedenfalls beruhigten sich zur Wochenmitte in Asien. Der MSCI Asia Pacific legte am Morgen in Tokio 0,8 Prozent zu, später schrumpfte der Zuwachs auf 0,3 Prozent. Getrieben wurde er von Kursgewinnen der Verlierer der vergangenen Tage: Südkorea legte am Morgen ein Prozent zu, der Markt in Sydney gewann sogar 1,3 Prozent. Nur in China weiß niemand, wo die Reise hingeht: Der Index in Hongkong lag am Mittag 1,7 Prozent im Plus, derjenige in Schanghai 1,3 Prozent im Minus.

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