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Greetings aus Singapur : Innovative Spritzen in Singapur

Vogelflug in Singapur Bild: AP

Singapur ist nur noch der achtinnovativste Staat der Welt. Außer bei Arztrechnungen. Da ist es einsame Sp(r)itze.

          Wenn wir etwas gar nicht ertragen, dann ist das Ungerechtigkeit. Deswegen sind wir heute auf unserer Tropeninsel schlechter Laune. Denn Singapur, der fast perfekte Stadtstaat, ist zurückgestuft worden. Auf der Liste der innovativsten Länder sackte die Äquatorinsel von Platz drei (hinter der Schweiz – Erfinder der Schokolade? und Schweden – Volvo??) auf Platz acht.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Acht. Für Singapur. Vor unserer Insel liegen nun Länder wie Holland (Gouda?), Amerika (Burger?) und – das schmerzt den Singapurer besonders, Hongkong. Dabei erfindet sich unser Eiland mit der höchsten Millionärsdichte der Welt doch täglich neu. Das steht auch in der staatlichen Zeitung. Fair kann diese Plazierung also nicht sein.

          Das finden Sie nicht? Wir brauchen nicht zu streiten am frühen Morgen. Wir haben Beweise.

          Innovativ, und zwar im Weltmaßstab, ist beispielsweise die stadtbekannte Singapurer Ärztin Susan Lim. Sie soll eine gute Heilerin sein. Das mussten wir glücklicherweise noch nicht ausprobieren. Aber wir wissen mit Sicherheit, dass sie innovativ ist. Zumindest, wenn es um die Abrechnung geht. So schrieb sie einem Mitglied der königlichen Familie von Brunei-Darussalam eine Rechnung über 24 Millionen Singapur Dollar (14,5 Millionen Euro).

          Für sechs Monate Behandlung. Da fielen dann schon mal Tagesrechnungen um die 100.000 Singapur Dollar an – ohne jegliche Operation. Einmal setzte sie ein Medikament unter die Haut. Die Krebsklinik in Singapur berechnet dafür 50 Singapur Dollar, ein privater Arzt nähme 200 Singapur Dollar. Doc Lim war da etwas forscher: Sie stellte eine Rechnung über 16.800 Singapur Dollar.

          Rechnungsstellung 2.0

          Nachdem ihre Patientin Pengiran Anak Hajah Damit, immerhin die Mutter des herrschenden Sultans von Brunei, das Zeitliche gesegnet hatte, schrieb das Gesundheitsministerium des Sultanats an dasjenige Singapurs und bat höflichst um Erklärung. Die aber gab es nicht. Dafür ein Gerichtsverfahren gegen Frau Doktor Lim und ihren innovativen Weg der Rechnungsstellung. Nach Jahren der Verhandlung hat die 58jährige nun vor dem höchsten Gericht verloren. Denn die Richter betrachten eine überzogene Forderung als Missbrauch des Vertrauens von Patienten.

          Jetzt dämmert uns: Könnte es sein, dass verbohrte Juristen innovative Kleinunternehmer in Singapur deckeln? Fehlt es hier an Freiheit im rigiden Stadtstaat? Vielleicht ist dies gar der Grund, warum Singapur auf dem Global Innovation Index abgestürzt ist? Das schreit nach einer Korrektur von ganz oben.

          Börsen-Spritzen können wirksamer sein

          Frau Lim dürfte nun die Lust verloren haben, richtig Geld als Unternehmerin, ähem, Ärztin, zu verdienen. Vielleicht sollte sie das, was sie hat – wenig kann es nicht sein, denn schon bei einer früheren Behandlung von Pengiran Anak Hajah Damit stellte sie 670.000 Singapur Dollar in Rechnung – lieber an die Börse tragen.

          Die nämlich erholt sich zusehends. „Asian Stocks Rally“ heißt die Schlagzeile beim Finanzdienst Bloomberg am frühen Dienstagmorgen. Wer braucht da noch Innovationen, es geht nur um Kapital. Das hätte sich heute Morgen in Tokio um 0,9 Prozent vermehrt, in Shanghai waren es noch 0,8 Prozent, in Singapur plus 0,7. In Sydney zog der S&P ASX 200 gar um 1,9 Prozent an.

          Obwohl es noch früher Morgen ist, juckt es uns da in den Fingern. Wir greifen zum Taschenrechner, statt zur Kaffeetasse. Hätte Frau Doktor Lim ihre 24 Millionen Singapur Dollar noch am Montag in den Index in Sydney investiert, hätte sie heute Morgen schon  456.000 Singapur Dollar mehr gehabt. Das hätte locker für die Strafe gereicht. Und wäre wirklich innovativ gewesen.

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