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Greetings aus Singapur : Giftnebel drückt die Stimmung

Vogelflug in Singapur Bild: AP

In einigen Provinzen Malaysias und Südthailands wurde der Notstand ausgerufen. Giftige Rauchnebel ziehen über die Region. 1998 kam nach den Rauchwolken die Finanzkrise. Wiederholt sich die Geschichte?

          1 Min.

          Der giftige Rauchnebel wabert weiter über Südostasien. Der Haze, der durch das Abbrennen der Torfmoore in Indonesiens Provinz Riau entsteht, um dort Monokulturen für Palmöl oder die Papierherstellung zu pflanzen, hat am Wochenende Malaysia und Südthailand erreicht. Dort ist in einigen Provinzen der Notstand ausgerufen. Dem Finanzplatz Singapur verschafft das eine – vielleicht nur kurze – Atempause, je nachdem wie der Wind dreht.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Ungewissheit überall. Das gilt insbesondere für die Börsen. Immer mehr Asiaten kommt die Erinnerung an 1998: Auch damals lagen die giftigen Rauchwolken monatelang über der Region. Und dann folgte der Fast-Zusammenbruch, die Asiatische Finanzkrise. Wiederholt sich die Geschichte nun? Das Gebräu aus Bernankes Äußerungen und der Kreditklemme in China, flankiert von Exportrückgängen in ganz Asien und schwindenden Wachstumshoffnungen mit Blick auf China und Indien, belastet die Region von Tag zu Tag mehr. „Better safe than sorry“, frei übersetzt „lieber sein Geld in Sicherheit bringen als hinterher zu jammern“, empfiehlt der Börsenexperte der staatlichen Singapurer Zeitung The Straits Times. Seitenlang berichtet sie auf den vorderen Seiten über die gefährlichen Folgen des Haze für die Gesundheit und die Wirtschaft des Standortes. So schließen sich Kreise.

          Zwar gab der Yen am Montagmorgen weiter nach und notierte bei 98,34 gegenüber dem Dollar. Auch schwächte sich die Sorge vor einem Kreditengpass in China ab. Die kurzfristigen Zinsen sanken am Montagmorgen weiter auf 7,47 Prozent für siebentägig laufende Ausleihungen – am Freitag hatte dieselbe Rate noch bei 9,25 Prozent gelegen. Die Zentralbank People’s Bank of China (PBOC) beruhigte die Märkte zugleich, indem sie am Montag verkündete, es sei ausreichend Liquidität vorhanden.

          Die Sorgen der Asiaten konnte das allerdings kaum lindern: Der Index MSCI Asia Pacific notierte am Mittag in Asien 0,4 Prozent unter seinem Schlusskurs von Freitag. Nach unten gezogen wurde er vor allem von den Börsen in China, Australien, Südkorea und Südostasien. Der Shanghai Composite Index büßte am Montag 3 Prozent seines Wertes ein, gerade die mittelgroßen Banken verloren 7 bis 8 Prozent ihrer Marktkapitalisierung. Der bisherige Lieblingsmarkt der Analysten, die Philippinen, verloren 2,1 Prozent bis zum Mittag, der Kospi in Südkorea notierte 1,5 Prozent leichter und in Australien gab der Leitindex 1,2 Prozent nach.

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