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Greetings aus Singapur : Chinese will „New York Times“ kaufen

Chen Guangbiao stemmt schon mal Fahrräder - nun soll es der Kauf der New York Times sein Bild: AFP

Chen Guangbiao ist ein Exzentriker. Aber: Auch wenn ein Kauf der „New York Times“ möglich wäre, bleiben Investitionen auf fremdem Terrain schwierig. Rupert Murdoch scheiterte schon einmal in Fernost.

          Die Medienwelt liebt schräge Gestalten. Der chinesische Geschäftsmann Chen Guangbiao ist einer dieser Typen, die die Aufmerksamkeitsökonomie mit egozentrischen Auftritten und einem unterhaltsamen Hang zum Größenwahn bedienen. Er verteilt gern Geldgeschenke, posiert hinter Wänden aus Banknoten und kauft ganzseitige Anzeigen in der „New York Times“, um die chinesischen Hoheitsrechte über eine Inselgruppe einzufordern, auf die auch Japan Ansprüche erhebt. Mit der amerikanischen Traditionszeitung hat auch sein neuester Coup zu tun. Der Exzentriker, der einen großen Teil seines Reichtums mit Recycling gemacht hat, kündigte an, der „New York Times“ diese Woche ein Kaufangebot unterbreiten zu wollen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Nachricht wurde begierig aufgenommen, nicht nur wegen der Persönlichkeit Chen Guangbiaos. Die Übernahme des amerikanischen Zeitungsflaggschiffs durch chinesische Investoren wäre schließlich ein besonders schönes Sinnbild für den Aufstieg Chinas und den vermeintlichen Niedergang Amerikas. Das ein solcher Kauf überhaupt möglich ist, ist allerdings mehr als fraglich. Der Verleger hatte schon im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass die Zeitung nicht zum Verkauf steht. Aus New York hieß es zudem, man habe keine Kenntnis von einem geplanten Treffen mit dem Chinesen. Zudem hat die Zeitung ihren guten Ruf zu verlieren. Denn Chen macht keinen Hehl daraus, dass er am liebsten Einfluss auf die Berichterstattung der Zeitung nehmen möchte.

          Unliebsame Berichterstattung

          So schrieb der Unternehmer am Sonntag in der chinesischen „Global Times“: „Die Tradition und der Stil der New York Times erschweren eine objektive Berichterstattung über China. Wenn wir sie kaufen könnte, würde sich der Ton vielleicht ändern.“ In diesen Äußerungen spiegelt sich auch wieder, wie die chinesische Regierung über die „New York Times“ denkt. Ihre Websites sind für Internetnutzer in China nicht mehr frei zugänglich. Die Blockade war die offenkundige Reaktion auf die Enthüllungen der „Times“ über den versteckten Reichtum der Familie des früheren Regierungschefs Wen Jiabao. Offenbar als Disziplinarmaßnahme hatten die Behörden zum Ende des Jahres außerdem die Korrespondenten der Zeitung in China bei der Verlängerung ihrer Visa zappeln lassen.

          Murdoch verkauft Anteile an chinesischem Fernsehsender

          Dass hochfliegende Pläne für Investitionen auf fremdem Terrain auch sonst schwierig sind, zeigt der Fall eines anderen Exzentrikers: Australiens Medienmogul Rupert Murdoch verkauft jetzt seinen Anteil von 47 Prozent an dem chinesischen Sender Star China TV. Murdochs großes China-Abenteuer hatte von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Einschränkungen für ausländische Investitionen und Zensur machten den Weg steinig. In einigen Presseberichten wurde die Entscheidung allerdings mit der Trennung Murdochs von seiner chinesischen Ehefrau Wendi Deng begründet. Murdoch hatte sie im Jahr 1999 bei dem chinesischen Sender kennengelernt.

          In Japan brechen nach dem Rekordjahr am  ersten Handelstag die Kurse ein

          Auf den asiatischen Märkten lauern nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. Die Aktienmärkte des Kontinents zeigen sich am Montag in schlechter Form. Nach einer längeren Feiertagspause rutscht der japanische Nikkei erst einmal um 2,3 Prozent ab. Grund ist laut der Nachrichtenagentur Bloomberg der höhere Kurs des Yen gegenüber dem Dollar. Der Kursrutsch am Aktienmarkt folgt indes auf das beste Börsenjahr in Japan seit mehr als vier Jahrzehnten. Auch der Shanghai Composite Index der chinesischen Börse verliert 1,3 Prozent, der Hang Seng Index in Hongkong 0,8 Prozent, der australische S&P ASX 200 Index 0,3 Prozent. Der Straits Times Index in Singapur legte dagegen leicht um 01, Prozent zu.

          Der chinesische Unternehmer Chen Guangbiao gab in seinem Beitrag auch zu, dass er nicht über das nötige Kleingeld verfügt, um den Kaufpreis für die „New York Times“ aus eigener Tasche zu bezahlen. Er habe aber einen Investor aus Hongkong dafür gewinnen können. Zudem gab sich der Chinese kämpferisch. Wenn es mit der New Yorker Zeitung nicht klappe, werden er sich eben nach einem anderen einflussreichen amerikanischen Medium umsehen. Er sei vielleicht ein Querdenker, aber sein Plan, die „New York Times“ zu kaufen, sei kein Witz.

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