https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/agenda/greetings-aus-singapur-chinas-umarmung-12620372.html

Greetings aus Singapur : Chinas Umarmung

Vogelflug in Singapur Bild: AP

China verteilt großzügig Geschenke in Südostasien. Die Beschenkten nehmen gerne, auch wenn sie wissen, dass die Rechnung kommen wird.

          2 Min.

          Chinas Charmeoffensive, nächste Runde. Pekings Spitzenpolitiker nutzen inzwischen eine PR-Maschine, die derjenigen der Amerikaner in nichts nachsteht. Auf ihren Reisen durch Südostasien verstehen sie es blendend, gute Laune zu verbreiten.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bei seinem Besuch im nicht immer den Chinesen wohlgesonnenen Vietnam kaufte Ministerpräsident Li Keqiang in einem Tante-Emma-Laden in Hanoi ein Paket vietnamesischen Tees. Natürlich so, dass die Fotografen die besten Bilder schießen konnten, Tonbänder und Fernsehkameras festhielten, wie er sagte: „Ich will keinen Nachlass. Wir betreiben hier fairen Handel miteinander.“ Genau dieser faire Handel ist es, den die Vietnamesen normalerweise im Umgang mit China vermissen.

          Händchenhalten in Malaysia

          Ein paar tausend Kilometer weiter, ein paar Tage zuvor: Bei der Konferenz der Pazifikländer auf Bali setzte der chinesische Präsident Xi Jinping seine schöne Frau Peng Lijuan ins rechte Licht. Madam Peng schlenderte Hand in Hand mit Rosmah Mansor, Ehefrau des malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak, durch einen Park. Die Fotografen drückten auf den Auslöser, das Bild wurde in allen asiatischen Gazetten gedruckt.

          Die Nähe der beiden Gattinnen der Spitzenpolitiker geriet zum Symbol für die Annäherung Chinas an Malaysia. Beide brauchen einander – China braucht Malaysias Rohstoffe und politisches Gewicht, Malaysia braucht Chinas Investitionen.

          Pandabärchen in Thailand

          Natürlich verschenken die chinesischen Gäste auch Pandabären. Der Panda-Politik folgt dann die Dollar-Diplomatie: Thailand sitzt auf einem Berg von übersubventioniertem Reis – während seines Besuches versprach Li, ihnen zumindest eine Million Tonnen jährlich abzukaufen. Auch Gummi wollen die Chinesen den Thais abnehmen, und beim Bau eines Schnellbahnnetzes helfen.

          Allen Länder der Region bieten die Chinesen die Gründung einer Infrastrukturbank an, die die Finanzierung von Straßen, Häfen, Eisenbahnen und Kraftwerken ohne die manchmal harten Auflagen und Bedingungen von Weltbank, Asiatischer Entwicklungsbank oder Internationalem Währungsfonds garantierte. Südostasien lernt in diesen Tagen schnell, die Hand aufzuhalten. Meist finden sich dann darin Yuan, große Geldscheine aus Peking.

          Nimm jetzt, zahle später

          Allerdings überdeckt die Freigiebigkeit die wahren Herausforderungen. Am Donnerstag warnte das chinesische Handelsministerium, der Warenverkehr werde in den nächsten Monaten von Schwächen in den Schwellenländern belastet. Im September war das Handelsvolumen ja schon um 0,3 Prozent unter den Vorjahreswert gesunken.

          Der Warnruf aus Peking dürfte auf weitere Rückgänge vorbereiten. Zugleich haben die Südostasiaten Sorge davor, von China überrannt zu werden. Beim Regionalkonflikt im Südchinesischen Meer wissen sie genau, dass Peking nicht leicht von seinen Ansprüchen abrücken wird. So herrscht die Mentalität vor, gerne zu nehmen, was zu bekommen ist. Zumal Amerika sich als unsicherer Kantonist erweist. Der Preis, der für die chinesische Umarmung zu entrichten ist, soll dann später verhandelt werden.

          Gute Laune herrscht natürlich heute auch an den Börsen in Asien. Die Märkte reagieren erwartet stark auf den Aufschub der Finanzkatastrophe in Washington. So legte der Regionalindex MSCI Asia Pacific 0,7 Prozent auf den höchsten Stand seit gut fünf Monaten zu. Tokios Nikkei notierte am Morgen 1,2 Prozent stärker. Australiens S&P/ASX 200 machte 0,4 Prozent gut, getrieben auch von hoffnungsvollen Aussagen des Erzkonzerns Fortescue. In Singapur gewann der Straits Times Index 0,7 Prozent, der Kospi in Seoul legte 0,1 Prozent zu.

          Weitere Themen

          Renaissance der Kohleöfen in Berlin Video-Seite öffnen

          Gasknappheit : Renaissance der Kohleöfen in Berlin

          Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die Sorge vor einem Gasmangel im kommenden Winter haben in Berlin zu einer Wiederkehr fester Brennstoffe gesorgt. Vielerorts sind Holz und Kohle schon ausverkauft. Bei der Berliner Traditionsfirma Hans Engelke herrscht Hochbetrieb.

          Topmeldungen

          Home of the Bonuszahlungen: der Sitz des RBB an der Berliner Masurenallee.

          Nur nicht für Schlesinger : RBB legt Bonuszahlungen offen

          Der RBB veröffentlicht die Bonuszahlungen für sein Spitzenpersonal. Bis dato wurde bestritten, dass es sie gibt beziehungsweise: Sie waren geheim. Die Zusatzverdienste sind beträchtlich. Und ein Name fehlt in der Gehaltsliste.
          Darauf ein Eis am Stiel: Warren Buffett und Berkshire Hathaway haben kräftig investiert.

          Aktienmarkt : Zwischen Optimismus und Besorgnis

          Die Stimmung der Aktienprofis wird besser. Einige Großinvestoren wie Warren Buffett haben sich ohnedies nicht schrecken lassen. Viele Analysten bleiben aber skeptisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.