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Greetings aus New York : Mini-iPad, Maxi-Preis

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Apple frischt seine Produktpalette mit neuen Tabletcomputern auf. Apple-Aktionär Carl Icahn lässt derweil mit dem Verkauf seiner Netflix-Aktien aufhorchen – und dankt dem Schauspieler Kevin Spacey.

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          Als der Elektronikkonzern Apple vor einem Jahr eine Mini-Version seines Tabletcomputers iPad vorstellte, erwarteten viele Analysten, dass das Unternehmen sich damit preislich in die Nähe aggressiver Wettbewerber wie Amazon oder Google bewegen will, deren billigste Tablets weniger als 200 Euro kosteten. Stattdessen überraschte Apple mit einem recht üppigen Startpreis von 329 Euro für das iPad Mini.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt hat Apple sogar noch einmal einen draufgesetzt. Die am Dienstag vorgestellte zweite Generation des iPad Mini ist nicht unter 389 Euro zu haben. Für den Aufpreis bekommen die Käufer ein Gerät mit einem sogenannten Retina-Bildschirm mit hoher Auflösung, der in der ersten Generation fehlte. Als Apple im vergangenen Jahr diesen Retina-Bildschirm auf sein reguläres großes iPad brachte, änderte dies freilich nichts am Startpreis, der bei 479 Euro blieb. Immerhin: Apple senkt jetzt im Gegenzug für das teurere neue iPad Mini den Preis für das Vorgängermodell, das weiter verkauft wird und 289 Euro kostet.

          Darf’s ein bisschen teurer sein?

          Die Preisstrategie weckt Erinnerungen an die jüngsten Neuauflagen des iPhone. Apple hat sein Smartphone-Geschäft im September um eine zweite Modellreihe erweitert, und auch hier hatten Beobachter im Vorfeld erwartet, dass das Unternehmen ein deutlich billigeres Gerät anbieten wird. Stattdessen liegt das neue iPhone 5C mit Plastikgehäuse mit 599 Euro ohne Vertragsbindung preislich nicht allzu weit unter dem Flaggschiffmodell 5S, das 699 Euro kostet.

          Neben dem iPad Mini zeigte Apple auch die fünfte Generation seines regulären großen iPad, die sich optisch etwas vom derzeitigen Modell unterscheidet. Das Gerät heißt „iPad Air“, es ist deutlich dünner und leichter als der Vorgänger. Der Startpreis ist wie gehabt 479 Euro.

          Das neue iPad Mini ist nicht ganz so groß wie es hier scheint

          Der Aktienkurs von Apple hat sich während und nach der Veranstaltung am Dienstag kaum bewegt. Er schloss minimal im Minus bei knapp 520 Dollar. Die Apple-Aktie hatte zuvor neun Tage in Folge Kursgewinne verbucht. Die Kursbewegungen von Apple nach Produktpräsentationen sind allgemein nicht allzu aussagekräftig und oft nur kurzfristiger Natur. Nach der Vorstellung der neuen iPhones im September etwa erlitt die Aktie einen deutlichen Kursrückgang, seither hat sie die Verluste aber wettgemacht.

          Einer der bekanntesten Aktionäre von Apple, der kürzlich eingestiegene Investor Carl Icahn, sorgte am Dienstag mit einer anderen Beteiligung für Schlagzeilen. Er teilte mit, sich von knapp drei Millionen seiner Aktien am Online-Filmverleih Netflix getrennt zu haben. Sein Anteil am Unternehmen verringert sich damit von 9,4 auf 4,5 Prozent. Icahn hätte kaum ein besseres Timing mit seiner Netflix-Investition haben können. Er stieg 2012 zu einem Preis von 58 Dollar je Aktie ein. Nach einem steilen Kursanstieg in diesem Jahr kostet die Aktie derzeit mehr als 320 Dollar.

          Icahn hat mit den verkauften Aktien einen sagenhaften Gewinn von fast 800 Millionen Dollar gemacht, und die ihm verbleibenden Anteile sorgen dafür, dass sein Gewinn auf dem Papier noch viel höher ist. Der Investor sagte zu dem Aktienverkauf: „Als ein abgehärteter Veteran von sieben Bärenmärkten habe ich gelernt, dass wenn man glücklich und/oder klug genug ist, um innerhalb von nur 14 Monaten eine Gesamtrendite von 457 Prozent zu erzielen, es Zeit ist, einige Chips vom Tisch zu nehmen.“ Der sonst für Schimpftiraden auf nach seiner Meinung unfähige Manager bekannte Icahn dankte in einer Pressemitteilung dem Netflix-Vorstandsvorsitzenden Reed Hastings.

          Und er dankte Kevin Spacey. Der Schauspieler hat die Hauptrolle in „House of Cards“, einer Serie, die für die neue Strategie von Netflix steht, verstärkt auf exklusive und eigene Produktionen zu setzen. „House of Cards“ ist eine Hochglanzserie mit allen Eigenschaften einer großen Fernsehproduktion, sie ist aber nicht auf gewöhnlichen Fernsehsendern zu sehen, sondern nur online. Spacey spielt in der Serie einen skrupellosen Politiker. Die Serie bekam etliche Nominierungen bei den diesjährigen Emmy-Fernsehpreisen.

          Insgesamt gab es an der Wall Street am Dienstag Kursgewinne. Der Dow-Jones-Index legte um 75 Punkte auf 15468 Punkte zu. Der S&P 500 erhöhte sich um 10 Punkte auf 1755 Punkte, der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte ebenfalls um 10 Punkte auf 3930 Punkte. Nach enttäuschenden Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt meinen viele Beobachter, dass sich die Notenbank Fed mit der Straffung ihrer Geldpolitik Zeit lassen wird.

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