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Greetings aus New York : Marissa Mayer als „Miss Tagesschau“

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Die Yahoo-Chefin präsentiert die Quartalsergebnisse per Videoübertragung. Es erinnert an eine Nachrichtensendung, aber Mayer schlägt sich gut. Dumm nur, dass die Zahlen alles andere als berauschend sind.

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          Die Telefonkonferenzen amerikanischer Unternehmen haben etwas Anachronistisches an sich. Das vierteljährliche Ritual ist die Chance für die Spitzenmanager, die Geschäftsergebnisse in ein positives Licht zu rücken, aber aufwendige Inszenierungen gibt es dabei in der Regel nicht.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vielmehr muss man manchmal froh sein, wenn man überhaupt alles versteht. Oft hören sich die Teilnehmer in den „Conference Calls“ blechern oder verzerrt an, und manchmal könnte man auf die Idee kommen, sie werden von einem anderen Planeten zugeschaltet. Selbst die High-Tech-Industrie aus dem Silicon Valley setzte bislang unbeirrt auf dieses schlichte Format.

          Sprung ins 21. Jahrhundert

          Der Internetkonzern Yahoo versuchte es am Dienstag mit einem neuen Ansatz: Das Unternehmen produzierte einen Video-Webcast mit der Vorstandsvorsitzenden Marissa Mayer und Finanzvorstand Ken Goldman und übertrug ihn live online auf seinem Finanzdienst „Yahoo Finance“.

          Der Livestream kam aus einem Studio am Yahoo-Stammsitz in Sunnyvale. Es wirkte ein bisschen wie eine Nachrichtensendung: Mayer und Goldman saßen an einem großen Schreibtisch, vor ihnen Blocks und Zettel, hinter ihnen ein großer Bildschirm mit dem Yahoo-Logo.

          Mayer und Goldman lasen zuerst die vorformulierten Präsentationen vom Teleprompter ab und kamen dabei beide reichlich steif herüber. Viel lockerer wurde das ganze bei der Frage- und Antwort-Runde mit den Analysten. Vor allem Mayer schien jetzt richtig in ihrem Element und parierte die Fragen der Analysten souverän.

          Umsatz zurück ins 20. Jahrhundert

          Es war auf jeden Fall ein willkommenes und insgesamt gelungenes Experiment, und vielleicht wird es ja ein Trend. Der Online-Videodienst Netflix hat angekündigt, dass er bei der Vorlage seiner Zahlen in der kommenden Woche ebenfalls ein neues Format ausprobieren will. Es soll eine Live-Videodiskussion mit dem Vorstandschef und dem Finanzvorstand werden, die von einer Reporterin des Wirtschaftskanals CNBC und einem Analysten moderiert werden soll. Fragen sollen per Email oder Twitter gestellt werden.

          Die Innovationsfreude von Yahoo beim Conference Call konnte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahlen des Unternehmens auch ein Jahr nach dem Antritt von Mayer als Vorstandschefin wenig Anlass zu Begeisterung liefern. Yahoo musste einen abermaligen deutlichen Umsatzrückgang von 7 Prozent hinnehmen und korrigierte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr leicht nach unten.

          „Wir blicken mit viel Zuversicht auf unser Geschäft, aber das muss sich noch in Umsatzwachstum niederschlagen“, hieß die nicht gerade ermutigende Einschätzung von Finanzvorstand Goldman im Webcast. Der Aktienkurs von Yahoo notierte im nachbörslichen Handel dennoch kaum verändert.

          An der Wall Street ging am Dienstag die jüngste Serie von Kursgewinnen zu Ende. Der S&P 500 war zuvor acht Tage in Folge nach oben geklettert, die längste Serie von Zuwächsen seit Januar. Am Dienstag rutschte der Index aber um 6 Punkte oder 0,4 Prozent auf 1676 Punkte. Der Dow-Jones-Index fiel um 32 Punkte auf 15.452 Punkte, der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 9 Punkte auf 3599 Punkte.

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