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Greetings aus New York : George Clooney und die polternden Investoren

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Der Schauspieler lässt eine Schimpftirade auf Hedgefondsmanager Dan Loeb los. Er meint, Loeb „versteht nichts von unserem Geschäft“ und sei gefährlich für die Unterhaltungsindustrie.

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          Investoren wie Carl Icahn oder Dan Loeb beschreiben sich gerne als Anwälte der Kleinaktionäre oder „Aktivisten“. Sie sind für ihre aggressiven Methoden bekannt, mit denen sie Unternehmen unter Druck setzen und zu Veränderungen wie Führungswechseln oder einem Verkauf drängen. Nach ihrer Argumentation erweisen sie allen Aktionären einen Dienst, wenn sie unfähigen oder unwilligen Managern oder Verwaltungsräten Beine machen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hollywood-Superstar George Clooney hat für diese Methoden offenbar wenig übrig. Clooney ließ in einem Ende vergangener Woche veröffentlichten Interview mit der Branchenpublikation „Deadline.com“ eine wahre Schimpftirade auf Dan Loeb los. Hintergrund ist Loebs Engagement beim japanischen Sony-Konzern, den er zur Abspaltung seiner Unterhaltungssparte bewegen will, zu der auch Hollywood-Studios gehören. Clooney zog über Loeb her und nannte ihn einen „Hedgefonds-Kerl, der sich selbst als Aktivist beschreibt, aber nichts von unserem Geschäft versteht.“ Leute wie Loeb hätten „kein Gewissen“ und seien „gefährlich für die Industrie.“

          Kein neutraler Beobachter

          In Rage brachte Clooney vor allem die Kritik, die Loeb kürzlich an den Chefs der Sony-Studios geübt hatte. Loeb hatte Sony wegen der schwachen Einspielergebnisse zweier Filme attackiert. Clooney warf dem Hedgefondsmanager vor, damit völlig unterschlagen zu haben, dass Sony in jüngerer Zeit auch eine ganze Reihe von Kassenschlagern abgeliefert habe. „Jemand von einem Hedgefonds ist die am wenigsten qualifizierte Person, um solche Urteile zu fällen“, ereiferte sich Clooney. Der Schauspieler ist freilich kein ganz neutraler Beobachter, denn seine Produktionsfirma kooperiert gerade mit den Sony-Studios bei einem Filmprojekt.

          Derweil polterte am Freitag auch Carl Icahn munter weiter. Icahn liefert sich gerade einen Kampf mit Michael Dell, der den von ihm gegründeten Computerhersteller Dell zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake kaufen will. Icahn meint, der mit dem Gründer vereinbarte Kaufpreis sei zu niedrig und lasse die Aktionäre zu kurz kommen. Am Freitag gab das Unternehmen bekannt, dass Michael Dell sein Angebot etwas nachgebessert hat. Er ist jetzt zur Zahlung von 13,75 statt 13,65 Dollar bereit und stellt außerdem eine Sonderdividende von 13 Cent in Aussicht. Icahn zeigte sich wenig beeindruckt. Er nannte die neue Offerte „eine Beleidigung der Aktionäre“ und „einen weiteren Schlag ins Gesicht.“ Er hatte schon tags zuvor eine Klage gegen Dell eingereicht.

          Wall Street freundlich

          Die Finanzmärkte sind nun aber offenbar der Auffassung, dass sich die Chancen auf ein Zustandekommen des Verkaufs erhöht haben. Der Aktienkurs von Dell legte am Freitag um 6 Prozent auf 13,68 Dollar zu und bewegte sich damit zum ersten Mal seit ein paar Wochen wieder in die Nähe des Übernahmepreises.

          Die Wall Street ging am Freitag allgemein mit Kursgewinnen aus dem Handel und schloss damit eine gute Woche ab. Der Dow-Jones-Index legte am Freitag um 30 Punkte auf 15.658 Punkte zu und hat damit im Wochenvergleich 0,6 Prozent gewonnen. Der S&P 500 kletterte in der vergangenen Woche um 1,1 Prozent auf 1710 Punkte, der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 2,1 Prozent auf 3690 Punkte.

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