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Greetings aus New York : Eine offene Stelle für Bernanke

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Ende einer Ära bei der Fed: Mit den Anleihekäufen ist womöglich noch 2013 Schluss und Bernanke geht wohl auch. Zum Herrenausstatter Men’s Warehouse etwa? Das ist wohl mehr ein Spaß.

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          An einem Tag, an dem es um so ernste Dinge wie die amerikanische Geldpolitik und die Börsenkurse an der Wall Street ging, sorgte der Finanzblog „Dealbreaker“ für etwas Auflockerung. Die Macher der populären Internetpublikation zeigten einen distinguierten Notenbank-Vorsitzenden Ben Bernanke in dunklem Anzug und Krawatte und stellten in der dazu gehörenden Überschrift die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob Bernanke nicht vielleicht „Chairman des Men’s Wearhouse“ werden sollte.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dazu muss man wissen, dass George Zimmer, der Gründer und Verwaltungsratsvorsitzende (Chairman) des auf Anzüge spezialisierten Textileinzelhändlers ebenfalls ein distinguierter Typ mit graumeliertem Vollbart ist wie Bernanke. Die Stelle des Verwaltungsratsvorsitzenden bei Men’s Wearhouse ist zudem seit Mittwoch offen, weil Zimmer, der mit einprägsamen Werbespots zum Gesicht seines Unternehmens geworden war,  rüde und ohne Angaben von Gründen gefeuert wurde.

          Nichts Neues zur weiteren Karriere

          Bernankes Tage an der Spitze der Fed scheinen ebenfalls gezählt.  Präsident Obama hat noch vor seinem Deutschlandbesuch in einem Fernsehinterview Spekulationen angeheizt, dass er Bernanke nicht erneut nominieren werde. Bernanke, dessen reguläre Amtszeit im Januar zu Ende geht, sei schon „länger geblieben als er wollte oder sollte.“

          Auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch blockte Bernanke Fragen nach seiner weiteren Karriere ab. „Wir haben gerade zwei Tage an geldpolitischen Themen gearbeitet“, sagte Bernanke. „Ich habe nichts für Sie zu meinen persönlichen Plänen.“

          Doppelte Nervosität

          Aber auch abgesehen von diesen personellen Unwägbarkeiten sorgten Bernanke und die Fed für Nervosität an den Finanzmärkten. Die Fed änderte zwar nichts an ihrer aktuellen Geldpolitik, Bernanke sagte aber klipp und klar, dass die Notenbank noch in diesem Jahr damit beginnen könnte, ihre Anleihekäufe zu verringern. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Wirtschaft so positiv entwickeln wird, wie die Fed erwartet.

          Die Zentralbank erwirbt derzeit Staats- und Hypothekenanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar im Monat, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten und so für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Obwohl sich die Fed alle Optionen offenhält und eine anhaltende Konjunkturbelebung positiv für Aktien sein dürfte, stieg der Verkaufsdruck an der Wall Street.

          Marktteilnehmer scheinen zu unterstellen, dass die amerikanische Wirtschaft noch nicht robust genug ist, um ohne die Hilfe niedriger Zinsen aus eigener Kraft zu wachsen.  In einer Reflexreaktion fiel der Aktienindex Dow Jones um deutliche 1,4 Prozent auf  15.112 Punkte. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 gab ebenfalls um 1,4 Prozent auf 1629 Zähler nach. An den Anleihemärkten kam es ebenfalls zu Verkäufen. Die Rendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren, die sich gegensätzlich zu ihrem Preis entwickelt, kletterte um 0,17 Prozentpunkte auf 2,36 Prozent.

          Auch der Aktienkurs des Men’s Wearhouse schloss mit einem Minus von 1,1 Prozent, nachdem der Kurs im Handelsverlauf um bis zu 7 Prozent abgesackt war. Anleger rechnen natürlich nicht ernsthaft mit einem Wechsel Bernankes zu dem Unternehmen. Der Notenbankchef ist ohnehin dafür bekannt, Anzüge anderer Marken zu favorisieren.

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