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Gegen weiße Dominanz : Google wirbt um Afro-Amerikaner

Absolventen der Howard University soll es künftig auch auf dem Google-Campus geben. Bild: AFP

Der Internetkonzern geht neue Wege, um mehr Vielfalt in seine Belegschaft zu bringen. Auf seinem Campus im Silicon Valley entsteht eine Zweigstelle einer der bekanntesten amerikanischen Universitäten für schwarze Studenten.

          Das Silicon Valley ist bekannt dafür, ein schwieriges Pflaster für Frauen zu sein. In Unternehmen wie Google oder Facebook sind kaum mehr als 30 Prozent der Belegschaft weiblich, der Fahrdienst Uber musste sich kürzlich von einer früheren Mitarbeiterin vorwerfen lassen, bei ihm herrsche ein sexistisches Arbeitsklima.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber der Mangel an Vielfalt im Silicon lässt sich nicht nur in der Verteilung nach Geschlecht ablesen. Auch die Zusammensetzung der Belegschaft nach ethnischen Gruppen ist eintönig. Die Technologieszene wird klar von Weißen dominiert, Asiaten bilden mit deutlichem Abstand eine weitere starke Gruppe. Aber es sind kaum Afro-Amerikaner und Latinos vertreten.

          Beispiel Google

          Aus dem jüngsten „Diversity“-Bericht des Internetkonzerns Google geht hervor, dass 59 Prozent seiner Mitarbeiter weiß sind und 32 Prozent einen asiatischen Hintergrund haben. Nur 3 Prozent sind Latinos und sogar nur 2 Prozent Afro-Amerikaner. Technische Positionen sind sogar nur zu einem Prozent mit Schwarzen besetzt.

          Dabei stehen Afro-Amerikaner für 13 Prozent der gesamten Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Und immerhin fast 5 Prozent aller Absolventen in Informatik und verwandten Studiengängen sind nach einer Studie des Branchenverbandes Computing Research Association Schwarze. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie der staatlichen amerikanischen Gleichstellungsbehörde EEOC kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil von Afro-Amerikanern in der Technologieindustrie weit unter dem Durchschnitt aller Branchen liegt.

          Stipendien und Spezialkurse

          Google geht jetzt neue Wege, um Schwarzen beim Vorankommen in der Technologiebranche zu helfen – und sie damit womöglich auch zu Kandidaten für Arbeitsplätze im Unternehmen zu machen. Der Konzern hat eine Partnerschaft mit der Howard University geschlossen, einer traditionell auf Afro-Amerikaner ausgerichteten Hochschule in Washington.

          Die Universität soll in diesem Sommer eine Zweigestelle namens „Howard West“ in der Google-Zentrale in Mountain View im Silicon Valley eröffnen. Hier sollen 25 bis 30 Howard-Studenten ein zwölfwöchiges Programm absolvieren, in dem leitende Softwareingenieure von Google zu den Dozenten gehören. Die Howard-Dependance soll ihre eigenen Räumlichkeiten auf dem Google-Campus bekommen.

          Nach Angaben der Universität sollen die für das Programm ausgewählten Studenten ein „großzügiges Stipendium“ für ihre Lebenshaltungskosten im teuren Silicon Valley erhalten. Zwischen Google und der Universität soll nach einem Bericht des „San Francisco Chronicle“ kein Geld fließen. Die Kosten von Google für das Programm beschränkten sich darauf, den Platz und Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

          Vielen Schwarzen fehlt die Zeit für die Praxis

          Bonita Stewart, selbst eine Howard-Absolventin, die nun bei Google für Allianzen zuständig ist, sagte bei der Vorstellung der Initiative, schwarze Studenten kämpften mit einer Reihe von Herausforderungen, die ihre Chancen auf eine Beschäftigung in der Technologiebranche reduzierten. Vielen fehlte die Zeit, Programmieren zu üben, weil sie zur Finanzierung ihres Studiums nebenher arbeiten müssten. Sie hätten auch nicht genug Mentoren und Vorbilder, was sich nun mit „Howard West“ ändern soll.

          Howard University ist eine der bekanntesten aus einer Gruppe sogenannter „Historically Black Colleges and Universities“, die einst mit dem Ziel ins Leben gerufen wurden, schwarze Amerikaner auszubilden. Diese Hochschulen lassen Angehörige aller ethnischen Gruppen zu, aber die Studenten sind meist mit großer Mehrheit Afro-Amerikaner.

          Ihr Anteil an der Howard University liegt bei mehr als 90 Prozent. Die Howard University wurde schon im Jahr 1867 gegründet. Zu ihren Absolventen gehören die Schriftstellerin Toni Morrison und Thurgood Marshall, der erste Afro-Amerikaner am Obersten Gerichtshof in Washington.

          Ein langer Weg

          „Howard West“ ist das jüngste von mehreren Projekten, mit denen Google die Nähe zu Afro-Amerikanern während ihrer Ausbildung sucht. Seit ein paar Jahren gibt es „Google in Residence“, ein Programm, bei dem das Unternehmen Mitarbeiter als Dozenten an Howard und andere Hochschulen für Schwarze entsendet. Vor einigen Monaten kündigte Google an, Tech-Labore für Schüler in der kalifornischen Stadt Oakland und im New Yorker Viertel Harlem einzurichten, wo es einen hohen Anteil von Afro-Amerikanern gibt.

          Manche Kritiker sagen, all die Initiativen und Beteuerungen, mehr Vielfalt in die Belegschaft zu bringen, mögen gut gemeint sein, änderten aber nichts an dem fundamentalen Problem, dass die Unternehmenskulturen im Silicon Valley üblicherweise weiße Männer begünstigten. Unternehmen wie Google und Facebook geben selbst zu, dass sie noch viel Arbeit vor sich haben, um bislang unterrepräsentierten Gruppen mehr Gewicht zu geben.

          Aber sie verweisen auf erste Erfolge. Google hat zum Beispiel in seinem aktuellsten Diversity-Bericht gesagt, im Jahr 2015 seien 4 Prozent aller neu eingestellten Mitarbeiter schwarz gewesen, also ein deutlich höherer Anteil als im gesamten Unternehmen.

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