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Mit Chemiebaukasten : Goldene Apple Watch, selbstgemacht

Der Erfinder behauptet, das Ergebnis sei so echt, dass sogar Apple-Mitarbeiter auf das Imitat hereinfallen. Hier im Bild eine noch unvergoldete Uhr. Bild: Apple

Die Computeruhr kann ganz schön ins Geld gehen, wenn man die Luxusversion will. Ein New Yorker Chemiker hat daher einen Baukasten entwickelt, um die Edelstahlvariante zu vergolden.

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          Als Eric Knoll zum ersten Mal hörte, was der Elektronikkonzern Apple für seine Computeruhr verlangt, war er fassungslos – und wütend. Die Basisversion der Apple Watch mit Aluminiumgehäuse ist mit einem Startpreis von 349 Dollar (in Deutschland 399 Euro) zwar einigermaßen erschwinglich. Aber für die Edelvariante mit einem Gehäuse aus 18 Karat Gold sind zwischen 10.000 und 17.000 Dollar fällig, was den Rahmen all dessen sprengt, was andere Produkte von Apple kosten. „Der Preis ist einfach lächerlich,“ sagt Knoll, der für eine große New Yorker Bank Computeralgorithmen schreibt. Den Wert des Goldes in der Apple Watch schätzt er auf nur 650 Dollar, was hieße, dass das Unternehmen die Uhr mit einem üppigen Aufschlag verkauft. Knoll hält sich eigentlich für einen Apple-Fan, und es macht ihm nichts aus, für Produkte des Unternehmens etwas mehr zu zahlen. „Aber die goldene Uhr ist das erste Mal, dass ich mir ein Produkt von Apple nicht leisten kann oder es zumindest nicht will.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Knoll hat damit ein grundsätzliches Problem. Er meint, Apple schaffe hier eine Zweiklassengesellschaft. Die bisherigen Produkte des Unternehmens seien auch für jemanden aus einer mittleren Einkommensschicht noch erschwinglich gewesen. „Mein iPhone unterscheidet sich nicht von dem, das ein Hedgefonds-Milliardär oder ein russischer Oligarch hat.“ Mit der Apple Watch habe sich dies geändert. Denn von ihr verkaufe Apple nun eine Variante, die sich nur ein elitäres Publikum leisten könne. Der Rest müsse sich mit den Aluminium- oder Edelstahlmodellen begnügen.

          Aber schon kurz nach dem Preisschock kam Knoll eine Idee. Der 39 Jahre alte New Yorker befasst sich zwar heute beruflich mit Algorithmen, ist aber ursprünglich promovierter Chemiker. Und er dachte sich, dass es eigentlich nicht so schwer sein könne, einer Apple Watch aus Edelstahl eine Gold-Plattierung zu geben, die sie wie das Luxusmodell aussehen lässt. Und so hat Knoll den Bausatz „Midas Touch“ mit verschiedenen chemischen Lösungen entwickelt, mit dem Besitzer einer billigeren Apple Watch das Gerät selbst plattieren können. Das funktioniert bislang nur für die Apple Watch aus Edelstahl, die einen Startpreis für 549 Dollar hat, nicht für die billigere Aluminiumversion. Aber inklusive der Kosten für den Baukasten, den Knoll für 97 Dollar anbietet, kommt das noch immer viel billiger als der Kauf einer echten goldenen Apple Watch.

          Nicht ganz ungefährlich

          Knoll sagt, man müsse nicht viel Begabung mitbringen, um mit dem Bausatz zu arbeiten, und er versichert, dass die Uhr mit Plattierung äußerlich kaum von der echten Version zu unterscheiden sei. Er erzählt, wie er mit seiner verwandelten Apple Watch in einen Laden des Unternehmens ging und mehrere Mitarbeiter ihm abgenommen hätten, dass seine Uhr echt sei. Als Träger einer vermeintlichen goldenen Apple-Uhr sei er in dem Laden auch besonders zuvorkommend behandelt worden: „Ich musste mich nicht in eine Schlange stellen wie die anderen, und es haben sich gleich mehrere Mitarbeiter um mich gekümmert.“ Für Knoll drängte sich abermals der Eindruck auf, dass die Uhr eine Zweiklassengesellschaft unter den Apple-Kunden schafft. Aber er ging auch mit dem guten Gefühl aus dem Laden, dass sein Ansatz offenbar funktioniert.

          Knoll findet, wer eine mit seinem Baukasten plattierte Apple Watch trage, müsse sich nicht fühlen, als ob er eine gefälschte Rolex habe. Zumal die Hardware der bearbeiteten Uhr sich ansonsten nicht von derjenigen des echten Luxusmodells unterscheide. Knoll sagt, Mitarbeiter in Apple-Läden hätten ihm versichert, dass das Innenleben aller Modelle der Uhr identisch sei. Die einzige Schwierigkeit mit seinem Ansatz sieht er darin, dass die Nutzung des Baukastens nicht ganz ungefährlich ist, denn schließlich wird mit giftigen Chemikalien hantiert. Seine Empfehlung ist daher, während des Plattierens eine Schutzbrille und Gummihandschuhe zu tragen.

          „Midas Touch“ ist bislang noch kein Unternehmen, sondern ein Kickstarter-Projekt. Auf dieser sogenannten „Crowdfunding“ hofft Knoll, Geldgeber zu finden und auch, Aufmerksamkeit zu erregen. Er hat sich eine bescheidene Zielmarke von 1500 Dollar gesetzt, die er einsammeln will. Diese Hürde ist längst überwunden, derzeit steht er bei rund 20.000 Dollar. Im Juli oder im August will er anfangen, die Baukästen auszuliefern.

          Es gibt neben Knoll auch andere, die auf den Gedanken mit der Gold-Plattierung gekommen sind. Der Anbieter „Watchplate“ zum Beispiel übernimmt das Plattieren als Service für seine Kunden und verlangt dafür 399 Dollar. Die Kunden schicken Watchplate ihre Uhren zur Bearbeitung zu. Knoll sagt, diesen Dienst würde er Besitzern von Edelstahluhren ebenfalls anbieten und dafür 250 Dollar berechnen.

          Knoll zeigt sich überzeugt, dass die Gold-Plattierung auf einer Apple Watch lange halten kann, doch will er sich auf keinen genauen Zeitraum festlegen lassen. Aber sollte der Edelstahl irgendwann an einzelnen Stellen wieder zum Vorschein kommen, könne der Plattiervorgang einfach wiederholt werden. Und auch für solche Uhrenbesitzer, die sich irgendwann am Gold sattgesehen haben, hat er eine Lösung. Sie können das Gerät mit Hilfe einer abreibenden Substanz wieder in eine Edelstahluhr verwandeln. „Das können die Leute mit der 10.000-Dollar-Uhr nicht machen.“

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