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Ostasien : Frühlingsgefühle zwischen Xi und Park

Neue beste Freunde Bild: dpa

In Ostasien bahnt sich eine Verschiebung der Beziehungen an. Während Japan und Nordkorea sich schöne Augen machen, haben China und Südkorea begonnen, heftig miteinander zu flirten.

          3 Min.

          In Ostasien orientieren sich die politischen und wirtschaftlichen Gewichte in der Region um. In Seoul ging am Freitag der Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinpeng mit einem klaren Bekenntnis zu Ende, dass Südkorea und China ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit weiter ausbauen wollen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bis Ende des Jahres wollen die beiden Länder ein Freihandelsabkommen aushandeln, „das eine Wachstumsmaschine für die Region und für die Weltwirtschaft“ werden soll. Schon 2012 haben die Importe aus Südkorea nach China die des Rivalen Japan überrundet, und auch für Chinas Unternehmen wird das Nachbarland als Absatzmarkt immer wichtiger.

          Xi führte in Seoul die größte ausländische Wirtschaftsdelegation an, die je nach Südkorea gereist ist. Mehr als 250 Manager gehören zur Begleitung des Chinesen, zahlreiche Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit waren vorbereitet und sollten an den zwei Tagen unterschrieben werden, die Xi in Seoul mit Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye spricht.

          Won und Yuan direkt konvertibel

          China ist heute bereits der wichtigste Handelspartner Südkoreas. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern belief sich im vergangenen Jahr auf umgerechnet 229 Milliarden Dollar – es war damit größer als der südkoreanische Handels mit den Vereinigten Staaten und Japan zusammen. Südkoreas Großkonzerne wie Samsung, Hyundai und LG gehören mittlerweile zu den wichtigsten Investoren in der benachbarten Volksrepublik.

          Im Zentrum der wirtschaftspolitischen Gespräche zwischen Xi und Park stand auch eine Vereinbarung, im Handel zwischen beiden Ländern künftig direkt die beiden Landeswährungen Won und Yuan zu nutzen. Bislang werden nach Angaben der Bank von Korea mehr als 90 Prozent des Handels in amerikanischen Dollar abgewickelt. Park erhofft sich, Seoul mit diesem Schritt zu einem Markt zu machen, in dem Handel mit dem Yuan möglich ist und Seoul zu einem zentralen Handelsplatz mit China wird. Xi ist daran interessiert, die chinesische Währung gegenüber dem Dollar als weltweite Handelswährung zu etablieren. Für Koreas Wirtschaft, die derzeit unter der Aufwertung des Won gegenüber dem Dollar leidet, wäre eine Einigung attraktiv, weil das Land mittlerweile 20 Prozent seines Handels mit China abwickelt.

          Druck auf Abes Japan

          „Der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit China würde unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken und unsere strategische Kooperation stärken“, erklärte Park bereits zu Beginn des Besuchs ihres chinesischen Amtskollegen. Die politische und wirtschaftliche Annäherung der beiden Länder ist auch eine Folge der nationalistischen Rhetorik des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe – der damit in Südkorea und China Sorgen weckte. Mit Abe gewinnen in Japan Kräfte an Einfluss, die Verbrechen der japanischen Armee nach den Angriffskriegen gegen China und Korea leugnen.

          Xi nutzte seinen Besuch, um in einer Rede an der Universität von Seoul vor einem neuen japanischen Nationalismus zu warnen. Gleichzeitig schlug er Park vor, den 70. Jahrstag des Ende des Zweiten Weltkriegs und der japanischen Niederlage im kommenden Jahr gemeinsam zu feiern.

          Japan, dessen Beziehungen zu China und Südkorea seit dem Amtsantritt des Nationalisten Abe spürbar schlechter geworden sind, verliert im Handel mit China zunehmend Marktanteile an südkoreanische Unternehmen. So haben die südkoreanischen Automobilunternehmen Hyundai und Kia ihren Marktanteil in China in den vergangenen fünf Jahren von 3,9 auf 6,1 Prozent steigern können – bei einem wachsenden Markt. Nach dem deutschen Autobauer Volkswagen und dem amerikanischen General Motors nehmen sie damit in China Platz drei ein. Japans Automobilkonzerne Nissan und Toyota, die bis Anfang 2012 auf Platz zwei und drei lagen, haben dagegen verloren.

          Japan und Nordkorea gegen China

          Auch der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung baut seine Präsenz im Nachbarland aus. Schon 2012 erzielte das Unternehmen 20 Prozent seiner Umsatzerlöse in China. Seitdem investieren die Südkoreaner stark im Nachbarland – auch um der wachsenden chinesischen Konkurrenz im Geschäft mit Smartphones etwas entgegen zu setzen. Sorge bereitet den Südkoreaner der Import billiger Produkte aus China in der Textilindustrie. Auch deswegen drängt Südkoreas Wirtschaft auf den baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens. 20 bis 30 Prozent Zoll erhebt China derzeit auf Textilimporte. Würden die wegfallen, wären südkoreanische Unternehmen wieder konkurrenzfähiger.

          Japans Regierung verfolgt den politischen Frühling zwischen Seoul und Peking nicht ohne Sorge. Ministerpräsident Abe – der bislang weder mit Park noch mit Xi zu einem bilateralen Treffen zusammengekommen ist - nähert sich jetzt dem zweiten Verlierer des südkoreanisch-chinesischen Frühlings in Ostasien an: der kommunistischen Führung in Nordkorea. Am Freitag beschloss das Kabinett in Tokio, die Sanktionen gegen Nordkorea leicht zu lockern. Im Gegenzug sicherte Pjöngjang der japanischen Regierung zu, das Schicksal japanischer Bürger aufzuklären, die in den 70er und 80er Jahren nach Nordkorea verschleppt worden waren.

          Für Nordkorea ist es ein Affront, dass der Präsident der Schutzmacht China zuerst den Süden besucht und dann erst in den Norden weiterreist. Xi demonstriert so auch die Verärgerung Pekings über das die aggressive Atom- und Außenpolitik Pjöngjangs. Nordkorea bietet als Reaktion nun japanischen Unternehmen an, in dem kommunistischen Land zu investieren.

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