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„Fantasy Sports“ : Freizeitspaß oder illegales Glücksspiel?

Bei Spielen wie Draft King geht es inzwischen um Millionen Dollar, jede Woche. Bild: AP

Immer mehr Amerikaner begeistern sich für „Fantasy Sports“ und spielen um Geld. Auch der Internetkonzern Yahoo mischt mit. Doch jetzt melden Politiker Zweifel am Geschäftsmodell an.

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          Fernsehzuschauer kennen das Gefühl, von den immer gleichen Werbespots bombardiert zu werden. In guter Erinnerung sind die Zeiten, in denen man Werbung für Handy-Klingeltöne kaum entgehen konnte. Amerikaner haben in den vergangenen Tagen eine ähnliche Erfahrung gemacht, wenn sie sich Spiele der gerade begonnenen Football-Saison angesehen haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In den Pausen ging es Schlag auf Schlag mit Werbung für „Fantasy Sports“. Das ist in den Vereinigten Staaten eine immer beliebtere Beschäftigung, die Ähnlichkeiten mit Sportwetten hat. Es gibt hoch bewertete Start-Up-Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, und auch der Internetkonzern Yahoo hat kürzlich eine große Offensive auf dem Gebiet gestartet.

          Das Problem: Es gibt Kritiker, die meinen, hier handle es sich im Prinzip um nichts anderes als illegales Glückspiel. Ein Politiker hat in dieser Woche sogar eine Anhörung vor dem amerikanischen Kongress beantragt, die sich mit Fantasy Sports auseinandersetzen soll.

          Fantasy Sports sind, wie der Name nahelegt, eine imaginäre Angelegenheit, die aber ihre Basis in den realen Sportligen hat. Teilnehmer stellen sich virtuell Teams mit echten Spielern aus Sportarten wie Football oder Baseball zusammen. Sie sammeln Punkte, die nach der Leistung der Spieler in den echten Spielen vergeben werden, also zum Beispiel für einen Touchdown oder einen erfolgreichen Pass im Football. Spieler zahlen üblicherweise eine Art Startgeld und können dann Preisgeld gewinnen, je nachdem wie viele Punkte sie erzielen.

          75 Millionen Dollar pro Woche

          Nach Angaben des Branchenverbandes Fantasy Sports Trade Assocation gibt es derzeit in Amerika fast 57 Millionen Spieler, die im Schnitt 465 Dollar im Jahr ausgeben. Die Fantasy-Plattformen locken mit hohen Ausschüttungen. Fan Duel zum Beispiel zahlt nach eigener Aussage jede Woche 75 Millionen Dollar an Spieler aus, der Rivale Draft Kings verspricht für dieses Jahr insgesamt eine Milliarde Dollar.

          Fantasy Sports sind im Gegensatz zu Glücksspielen wie Online-Poker in den Vereinigten Staaten weitgehend legal. In einem Gesetz aus dem Jahr 2006 wurden Fantasy Sports ausdrücklich von einem Verbot für andere Online-Glücksspiele ausgenommen. Die Begründung dafür war, dass Fantasy Sports kein reines Glücksspiel seien, sondern von seinen Spielern „Fertigkeiten“ erforderten. Der Branchenverband sagt, Teilnehmer müssten „eine Vielzahl von Statistiken, Fakten und Spieltheorie“ berücksichtigen, um erfolgreich zu sein. Es gibt nur fünf amerikanische Bundesstaaten, in denen Fantasy Sports illegal sind.

          Verdeckte Sportwetten?

          Nun scheint es aber auf politischer Ebene immer mehr Zweifel am rechtlichen Status zu geben. Der Kongressabgeordnete Frank Pallone warf in dieser Woche die Frage auf, ob Fantasy Sports nicht das gleiche seien wie Sportwetten und andere Formen des Glücksspiels. Maura Healy, die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, sagte, sie wolle überprüfen, ob der in ihrem Bundesstaat ansässige Anbieter Draft Kings ein legales Geschäft betreibt.

          Die Ligen und Sportvereine lassen sich von etwaigen Zweifeln an diesen Geschäftsmodellen nicht erschüttern. Viele Teams haben Sponsorenverträge mit Fan Duel und Draft Kings abgeschlossen. Und diese Plattformen setzen ihr Bombardement mit Werbespots munter fort.

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