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Premiere : Frau Cool Biz regiert Tokio

Bild: dpa

Japans Metropole Tokio wird künftig erstmals von einer Frau regiert. Die Wahl von Yuriko Koike könnte Rückenwind für die Abenomics bedeuten.

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          Mit Yuriko Koike wird Japans Hauptstadt künftig erstmals von einer Frau regiert. Mit großem Abstand setzte die Politikerin der Liberaldemokraten, die als Unabhängige antrat, sich in der Wahl am Sonntag durch. Koike erhielt 2,9 Millionen der 6,6 Millionen abgegebenen Stimmen. Das entspricht etwa 44 Prozent. Mit der Wahl Koikes verbinden sich all die Hoffnungen und Erwartungen, die mit Frauen an der politischen Spitze generell verbunden sind. Und die Kandidatin hat mit diesem Pfund im Wahlkampf gewuchert. Spitz verwies sie auf die Sonntagsreden von Ministerpräsident Shinzo Abe, der eine Gesellschaft verspricht, in der Frauen „glänzen“ können.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Wichtiger aber ist für Tokio und für Japan wahrscheinlich, dass mit Koike unabhängig vom Geschlecht ein reformorientierter Politiker gewonnen hat. Sie trat gegen das Establishment der Japan regierenden Liberaldemokraten an, die gegen Koike einen soliden Parteisoldaten und ehemaligen Gouverneur einer ländlichen Präfektur aufstellten. Dennoch gewann Koike nicht nur eine Mehrheit der LDP, sondern wilderte auch kräftig im Lager der Opposition. Ihre Unterstützer finden sich bei Männern und Frauen und in allen Altersgruppen. Das stützt die Bedeutung ihres Wahlsiegs.

          Die Wahl Koikes könnte so der Wirtschaftspolitik der Abenomics Rückenwind verschaffen, vermuten Ökonomen wie Robert Feldman von Morgan Stanley MUFG. Die 64 Jahre alte Politikerin versprach im Wahlkampf, Tokio als internationales Finanzzentrum zu stärken. Das Problem der fehlenden Kindertagesplätze in der Metropole mit etwa 13,5 Millionen Einwohnern will sie dadurch angehen, dass die behördlichen Standards für Krippen und Tagesstätten gelockert werden, so dass ein größeres Angebot an Plätzen entstehen kann. Koike will auch mehr Transparenz im Haushalt der Metropole Tokio, vor allem mit Blick auf Kosten der Olympischen Spiele 2020. Ihre Amtszeit wird am Vorabend der Spiele enden.

          Alle diese Pläne passen zu dem dritten Pfeil der Abenomics, den Reformen für mehr Wachstum, die auf nationaler Ebene bislang eher spärlich vorankamen. Abe weiß um den Wert solcher Unterstützung. Er ging im Wahlkampf nicht für den offiziellen LDP-Kandidaten auf Stimmenfang, was eine gewisse Zustimmung zur Kandidatur Koikes signalisierte.

          Die neue Gouverneurin selbst hat eine Vergangenheit als reformwillige Politikerin, die Ideen und Politik über Parteien stellt. 2005 gehörte sie zu den Kandidaten, die unter der Fahne des Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi für die Postprivatisierung in die Unterhauswahl zogen und die traditionelle LDP durcheinanderwirbelte. Unter Koizumi war Koike Umweltministerin, in der ersten Regierung Abes 2007 kurzzeitig Verteidigungsministerin.

          Noch freilich sind Koikes Verheißungen nur Worte, die sie in den kommenden vier Jahren erst erfüllen muss. Gelingt das nicht, bleibt Koikes Vermächtnis das der „Frau Cool Biz“. Als Umweltministerin führte sie 2005 die Kampagne Cool Biz ein. Seither kühlen in den schwülen Sommermonaten in der Verwaltung und in vielen Unternehmen die Klimaanlagen die Räume auf nur noch 28 Grad. Im Gegenzug dürfen die Angestellten ohne Krawatte, ohne Jackett und in kurzärmeligen Hemden zur Arbeit kommen.

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