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Fortschreitende Reformen in China : In Schanghai fallen die Kapitalkontrollen

Skyline des Finanzdistrikts von Shanghai Bild: AFP

Wer in Shanghai ein Freihandelskonto eröffnet, darf unbeschränkt Geld über die Grenze bringen. Kommunen ist es künftig erlaubt, eigene Anleihen zu vertreiben. Beide Neuerungen werden die Finanzmärkte beleben.

          Zwei wichtige Nachrichten von der Reformfront in China: In Schanghai sollen die Kapitalverkehrskontrollen fallen, und die Kommunen dürfen künftig eigene Anleihen begeben. Beide Neuerungen könnten das chinesische Finanzwesen, vor dessen Instabilität viele Fachleute warnen, erheblich kräftigen und stützen. Gleichzeitig eröffnen die Schritte Anlegern im In- und Ausland vielversprechende Möglichkeiten.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Dass die Volksrepublik ihre Grenzen für Kapitalflüsse öffnet, dass die Landeswährung Renminbi frei handelbar wird und dass die öffentliche Hand ihre Finanzen in Ordnung bringt, ist von globaler Bedeutung. Denn China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein führendes Ziel für ausländische Direktinvestitionen, der reichste Devisenbesitzer und Amerikas wichtigster Gläubiger.

          Seit Jahren trägt das Land ein Drittel zum weltweiten Wachstum bei, es ist der größte Industriestandort und die mächtigste Handelsnation. Kaum ein Land hat von der Globalisierung der Realwirtschaft stärker profitiert. Jedoch sind wegen der Kapitalverkehrskontrollen die Verflechtungen mit der internationalen Finanzindustrie unbedeutend.

          Im Normalfall können Chinesen im Ausland weder Geld anlegen noch aufnehmen. In der Gegenrichtung können fremde Geschäfts- oder Privatleute nur über Umwege in China Wertpapiere kaufen oder Kredite zeichnen. Individuen dürfen maximal 50.000 Dollar im Jahr über die Grenzen bringen, der Umtausch von Renminbi im Ausland ist schwierig.

          Wenn diese Restriktionen jetzt gelockert werden, wenn also, wie die Banker sagen, die volle Konvertibilität unter der Kapitalbilanz kommt, dann dürfte das erhebliche Wachstumskräfte und Profitmöglichkeiten freisetzen: Der Wettbewerb um Kredite und Anlageprodukte nimmt zu, die Kosten sinken, neue Produkte entstehen. Das wird Privatleuten und Unternehmen zugutekommen, in China ebenso wie im Ausland.

          Nicht ohne Hintertürchen

          Schon träumt Peking von der Internationalisierung des Renminbi (Yuan) als einer neuen Leitwährung neben Dollar und Euro. Dann könnten Unternehmen und Anleger aus und in aller Welt Geschäfte in Yuan abwickeln, Drittstaaten würden sie als (Devisen)-Reservewährung auf die hohe Kante legen.

          Noch ist es nicht soweit, aber die Anfänge sind gemacht. Dazu zählen die Freigabe der Sollzinsen im ganze Land sowie die Liberalisierungen in der neuen Freihandelszone in Schanghai. Dort ist man seit der Gründung im September zunächst kaum vorangekommen, jetzt aber geben die Behörden offenbar Gas. Nach den neuesten Angaben des Schanghaier Büros der Chinesischen Zentralbank PBOC können Besitzer so genannter Freihandelskonten künftig Geld von und nach China hin und her schicken, ohne sich um die Kapitalverkehrskontrollen zu scheren.

          Noch seien diese Kanäle nur für Yuan offen, sie würden aber auch für ausländische Währungen geöffnet, „sobald die Bedingungen dafür reif sind“. Der Horizont dafür ist ungewöhnlich konkret: Man teste das neue Modell zunächst sechs Monate lang, heißt es in der Ankündigung.

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