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Auf dem Weg zur Schlüsselstadt : Finanzplatz Singapur will sich neu erfinden

Singapur: Das Frankfurt Asiens. Oder umgekehrt? Bild: picture alliance/dpa/Robertharding

Singapurs Notenbank legt einen Fahrplan für die Zukunft vor. Sie rechnet mit einem starken Wachstum des Stadtstaates.

          Singapur, schon jetzt eines der großen Zentren für die Vermögensverwaltung will rasch weiter wachsen und sich modernisieren: Die Notenbank des Stadtstaates hat einen Fahrplan vorgelegt, um aus Singapur ein „Globales Finanzzentrum in Asien“ zu machen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der „Transformationsplan für die Industrie“ geht von einem Wertzuwachs im Finanzsektor der Tropeninsel von 4,3 Prozent jährlich aus und sieht eine Steigerung der Produktivität von jährlich 2,4 Prozent im Durchschnitt voraus. Dies wäre deutlich mehr, als die Gesamtwirtschaft Singapurs erzielt.

          Der starke Ausbau der Finanzbranche soll zu durchschnittlich 3000 neuen Stellen jährlich bei Banken, im Fondsmanagement, dem Versicherungswesen und an den Schnittstellen des Finanzmarktes führen. Weitere tausend Stellen werde der relative neue Fintech-Sektor beisteuern, die Verknüpfung des Finanzsektors mit Technologie.

          Schwarzgeld ist weniger gefragt

          Singapur solle ein „führendes internationales Zentrum für das Vermögensmanagement“ werden, gibt die Notenbank den Kurs vor. Dabei geht es ihr auch um Technologie für das Management von Wohlstand und um Innovationen. Der Stadtstaat plant, seinen Talentpool zu verstärken, um hochqualitative Anlagelösungen zu bieten. Zugleich werde die Stadt zu einem „asiatischen Hub für Fondsmanagement“ heranwachsen.

          Die Vorgaben der Notenbank sind in vielerlei Hinsicht sogar noch vorsichtig formuliert – denn etwa beim Vermögensmanagement hat Singapur schon einen Spitzenplatz eingenommen. Die Anleger lieben die niedrigen Steuersätze, die gute Infrastruktur und die politische Verlässlichkeit der Tropeninsel. Deshalb strömt hier nicht nur europäisches Geld hin, sondern auch Geld aus Festlandchina und Indien.

          Allerdings hat Singapur in den vergangenen Jahren die Kontrolle der Herkunft der Vermögen verschärft, weil die Stadt lange Jahre Anlageort für Schwarzgelder aus den Nachbarländern und Europa war, was den internationalen Vereinbarungen der führenden Industrieländer entgegensteht.

          Infrastruktur, Anleihen, Blockchain

          Die Zentralbank des Stadtstaates aber blickt nun weit über das Anlagemanagement hinaus und will andere Bereiche ausbauen. So soll Singapur ihrem Fahrplan nach „Asien-Zentrum für die Aufnahme von Kapital und die Unternehmensfinanzierung“ werden. Dies bezieht sich weniger auf die relativ schwache Börse des Stadtstaates, sondern auf die private Finanzierung von Unternehmensneugründungen, sogenannten Start-ups.

          Auch will Singapur von dem von China und Japan getriebenen Ausbau der Infrastruktur in Asien profitieren: Dabei sieht sich die Stadt vor allem in der Rolle des Mittlers als Standort der multilateralen Banken, der Konferenzen, der Firmenhauptquartiere. Der Ausbau des Anleihe-Marktes, den Asien dringend braucht, soll in Singapur bedient werden. Und schließlich sieht die Notenbank noch Nachholbedarf im Versicherungsgeschäft, das durch die neue Blockchain-Technologie gestärkt werden soll.

          In dem Papier heißt es: „Die Aussichten für den Finanzsektor sind gut. Asien wird weiter stark wachsen, getrieben von einer zunehmenden Mittelschicht, einer schnellen Verstädterung und dem Wachstum der Firmen, was zur Nachfrage nach Finanzierungen und Risikomanagement führt. Trotzdem verändert sich der Sektor. Technologie verändert die Art, wie Finanzdienstleistungen hergestellt, geliefert und verbraucht werden. Singapurs Finanzsektor muss sich ebenfalls verändern, um relevant und wettbewerbsfähig zu bleiben.”

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