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Finanzmarkt : Buffett kappt Draht zu Hochfrequenzhändlern

Business Wire, ein Informationsanbieter im Konglomerat von Warren Buffett, verkauft keine Informationen mehr an Hochfrequenzhändler. Bild: AFP

Das Leben für Hochfrequenzhändler wird schwieriger. Ein Informationsanbieter im Konglomerat vom Warren Buffett will keine Informationen mehr an sie verkaufen.

          Business Wire, ein Informationsdienst für Pressemitteilungen, wird nach eigenen Angaben diese Mitteilungen nicht mehr direkt an Hochfrequenzhändler verkaufen. Die Entscheidung fiel nach monatelangen Diskussionen mit der Staatsanwaltschaft des Staates New York, berichten amerikanische Medien. Man darf also davon ausgehen, dass sie nicht ganz freiwillig fiel. Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman kämpft schon seit langem dafür, dass Anlageprofis und allgemeine Investoren einen gleichen und fairen Zugang zu möglicherweise marktrelevanten Informationen haben. Schneiderman sprach von einem „gewaltigen Erfolg für unsere Bemühungen, vorzeitigen Handel aufgrund marktrelevanter Informationen zu eliminieren.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Nachricht hat ihren Charme, weil Business Wire zu Berkshire Hathaway gehört, dem Anlagekonglomerat des legendären Investors Warren Buffett gehört. Buffett selbst wurde in die Entscheidung über das Informationsverkaufsverbot an Hochfrequenzhändler eingeschaltet. Das zeigt, wie wichtig Business Wire die Entscheidung nahm. Buffett hatte erst im vergangenen Jahr Hochfrequenzhändler kritisiert, weil sie „nichts zum Kapitalismus beitrügen“.

          Business Wire vertreibt – wie einige wenige Konkurrenzunternehmen - hunderttausende Pressemitteilungen von Unternehmen im Jahr, auch an Nachrichtendienste wie Thomson Reuters, Bloomberg oder Dow Jones. Diese verbreiten die Pressemitteilungen dann über ihre eigenen Netze weiter. Anfang Februar hatte das Wall Street Journal, ein Schwesterunternehmen von Dow Jones, berichtet, dass Business Wire die Pressemitteilungen auch direkt an Hochfrequenzhändler verkaufte. Diese waren so nicht mehr auf die Nachrichtendienste als Zwischenhändler angewiesen und erhielten die Informationen einige Bruchteile von Sekunden früher. Das kann ausreichen, um durch rasant schnelle Käufe oder Käufe von Wertpapieren aus dem minimalen Informationsvorsprung Gewinn zu schlagen.

          Mehr Marktliquidität

          Das Unternehmen begründete den Verzicht auf den Informationsverkauf an Hochfrequenzhändler mit den möglichen Schäden für seinen guten Ruf. Business Wire besteht aber darauf, dass nichts daran falsch gewesen sei, die Informationen auch an die Händler zu verkaufen.

          Der nüchterne und etwas sperrige Vorgang wirft interessante Fragen über Markt und Moral auf, die sich verstärkt nach der Finanzkrise in der Marktwirtschaft stellen. Das eine ist die Frage, ob Hochfrequenzhändler tatsächlich nichts zum Kapitalismus beitragen, wie Buffett es vermutet. Hochfrequenzhandel und der durch Computer automatisierte Handel wird oft für größere Kursschwankungen und Risiken an den Finanzmärkten verantwortlich gemacht. Befürworter halten dem entgegen, dass Hochfrequenzhändler mehr Liquidität in die Märkte einspeisen. Das trägt eigentlich immer dazu bei, dass Märkte besser funktionieren.

          Gleiche Chancen für alle Anleger

          Das führt zur zweiten Frage, ob Schneidermans Kampf gerechtfertigt ist – oder ob sich da ein Generalstaatsanwalt zu wichtig nimmt und Verbote durchsetzt, die den Märkten und der Allgemeinheit schaden. Schneiderman will, dass Anlageprofis und „der Rest der investierenden Öffentlichkeit“ einen gleichen und fairen Zugang zu marktrelevanten Informationen haben. Niemand soll benachteiligt werden. Das hört sich moralisch überlegen an, als wichtiger Kampf für die Belange des kleinen Mannes.

          Doch hatte Business Wire mit dem Verkauf der Informationen niemanden benachteiligt. Jeder konnte den schnellen Zugang zu den Informationen kaufen. Dazu bedarf es naturgemäß etwas Kleingelds, weil die Informationen und der rasche Zugang wertvoll sind. Darüber zu klagen aber ist vergleichbar der Klage, das manche sich nur einen Mercedes und andere nur einen Kia leisten können. Darf man deshalb den Mercedesfahrern den Kauf des Luxusautos verbieten?

          Dienst an der Allgemeinheit

          In marktwirtschaftlicher Sicht ist es bei weitem nicht klar, ob Schneidermans Bemühungen um Fairness auch wirklich zu mehr Fairness beitragen. Der Informationsvorsprung der Hochfrequenzhändler wird als unfair empfunden, weil andere diese Gewinnchancen nicht haben. Tatsächlich aber tragen die Hochfrequenzhändler auf der Suche nach Gewinnmöglichkeiten dazu bei, dass Informationen schneller an die Märkte gelangen. Die Marktpreise spiegeln so schneller neue Informationen wider. Das ist für alle, auch für den „Rest der investierenden Öffentlichkeit“, hilfreich und wünschenswert, weil sie schneller vor Fehlinvestitionen bewahrt werden. Man kann die Gewinnchancen der Hochfrequenzhändler als Entgelt für diesen Dienst an der Allgemeinheit interpretieren.

          Fairness und Schnelligkeit im Handel sind in dieser Perspektive keine Gegensätze, sondern bedingen sich geradezu. Den „vorzeitigen Handel“ zu untersagen, wie es Schneiderman anstrebt, schadet in dieser Perspektive Otto Normalinvestor. Ist das fair?

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