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Finanzkrise : In China fallen die ersten Banken aus

Alibaba-Finance ist schon größer als fünf börsennotierte Banken

In der Frage geht es nicht um das Onlinebanking der regulären Geschäftsbanken, sondern um Finanzangebote von Internetunternehmen. Der erste und größte Akteur ist der Online-Händler Alibaba. Er hat einen hochrentierlichen Geldmarktfonds namens Yu’e Bao aufgelegt, der in nur acht Monaten auf 400 Milliarden Yuan (44 Milliarde  Euro) angeschwollen ist. Die Summe übersteigt die Gesamteinlagen der fünf kleinsten börsennotierten Banken in China.
Inzwischen sind auch Alibabas Konkurrenten in das Geschäft eingestiegen, darunter der Suchmaschinenanbieter Baidu und der Gigant für soziale Medien Tencent.

Die Auswirkungen auf die traditionellen Finanzgeschäfte sind enorm: Im Januar sind die Einlagen in den normalen Banken um eine Billion Yuan (119 Milliarden Euro) zurückgegangen. Nicht zuletzt wegen der neuen Konkurrenz im Netz. Für Anleger sind die Angebote von Alibaba und Co. interessant, weil sie sich nicht an die staatlich vorgegebene Höchstverzinsung halten müssen. Die beträgt nominal 3,3 Prozent für einjährige Sparguthaben. Nach Abzug der Inflation geht die Realverzinsung gegen null. Nun könnte man meinen, der Vorstoß des ehemaligen ICBC-Chefs diene nur dazu, die unliebsame Netzkonkurrenz zu schwächen. Aber diese sieht selbst die Notwendigkeit einer besseren Aufsicht, wie Robin Li kürzlich sagte, der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Baidu.

Die Unsicherheiten der Kooperativen und der Internetfinanzhäuser sind weitere Zeichen für die Fragilität des chinesischen Finanzsystems. In letzter Zeit gab es gleich mehrere Warnzeichen, dass das so genannte Schattenbankenwesen in Schieflage gerät. Vor wenigen Tagen ist die erste Unternehmensanleihe in Yuan ausgefallen, zuvor mussten verschiedene Treuhandfonds (Trusts) in letzter Minute gerettet werden. Auch die öffentliche Hand ist überschuldet:

Die Lokalverwaltungen haben außerhalb ihrer offiziellen Haushalte Schulden über 10 Billionen Yuan aufgehäuft (1,2 Billionen Euro), deren Rückzahlung zumindest in Teilen ungewiss erscheint.Gute Nachrichten kommen heute wenigstens von den Aktienmärkten in Asien. In Tokio steigen die Kurse um durchschnittlich ein Prozent, weil der Yen gegenüber dem Dollar so schwach notiert wie lange nicht in den vergangenen fünf Jahren. Das macht japanische Waren auf den Weltmärkten billiger und hilft daher der Exportnation. Auch die anderen Märkte profitieren. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific steigt im frühen Handel um 0,6 Prozent und könnte die Woche mit einem schönen Gewinn von 1,2 Prozent beenden. Nach oben getrieben werden die Kurse auch von den amerikanischen Arbeitsmarktdaten, die offenbar besser als erwartet ausgefallen sind. Chinesische Anleger, die heute Gewinne einstreichen, müssen jetzt nur noch wissen, was sie mit dem Geld anstellen wollen. In eine Agrargenossenschaft sollten sie es besser nicht tragen. Aber vielleicht ist eine Anlage übers Internet eine gute Alternative. Wie immer in China gilt aber auch hier: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – vor allem in dem Land, das das Porzellan erfunden hat.

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