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Finanzkrise, die zweite : Neue Spekulationsblasen bei Unternehmenskrediten

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Die Politik des billigen Geldes lässt Unternehmenskredite steigen. Bild: dpa

In Amerika ist die Vergabe riskanter Unternehmenskredite sprunghaft angestiegen. Beobachter sehen Potential für eine neue Finanzkrise und hoffen auf eine restriktivere Geldpolitik.

          Das billige Geld und die niedrigen Zinsen begünstigen in den Vereinigten Staaten wieder riskante Formen der Unternehmensfinanzierung. Das berichtet die „Financial Times“ in ihrer Mittwochsausgabe.

          So ist das Ausmaß der Kreditfinanzierung von Unternehmensübernahmen seit 2009 vom 3,7-fachen des eingesetzten Eigenkapitals auf das 5,4-fache gestiegen. Kurz vor Beginn der Finanzkrise lag dieser Wert mit dem rund Sechsfachen nur wenig höher.

          Von Kreditnehmern wird zunehmend weniger verlangt

          Zudem werden immer häufiger altbekannte, riskante Finanzierungsformen eingesetzt. Das Volumen sogenannter „Cov-lite loans“überstieg im laufenden Jahr 200 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2007, dem letzten Jahr vor der Finanzkrise.

          „Cov-Lite loans“ sind, also von Krediten, die den Darlehensnehmer nur geringen Auflagen unterwerfen. Üblicherweise werden bei der Kreditvergabe kritische Kennziffern vereinbart. Sinkt etwa der Eigenkapitalanteil in der Bilanz unter einen bestimmten Wert oder überschreiten die Finanzschulden den Gewinn im Übermaß steht den Kreditgebern das recht zu, die Vereinbarung zu kündigen und die Rückzahlung des Darlehens zu fordern.

          Bei „Cov-lite loans“ verzichten die Geldgeber weitgehend auf diese Klauseln. Das gibt den Unternehmen vergleichsweise größeren Spielraum, sich  weiter zu verschulden, ohne fürchten zu müssen, dass die Kredite fällig gestellt werden. Dies begünstigt  riskante Strategien und Hazardeurtum.

          Zahle Zinsen mit Schulden

          Ebenfalls boomen sogenannte “PIK-Anleihen“. Hier können die Emittenten meist wahlweise die Zinsen auch durch Ausgabe neuer Anleihen begleichen. Das gibt ihnen die Möglichkeit auch die Kuponzahlungen bis zur Fälligkeit aufzuschieben, in der Hoffnung, die finanzielle Lage bis dahin verbessert zu haben. Im laufenden Jahr wurden fast 10 Milliarden Dollar an „PIK-Notes“ ausgegeben. Das ist allerdings nur halb so viel wie 2007 und immer noch deutlich weniger als 2008.

          Die Finanzkrise von 2008 war zwar nicht durch diese Konstruktionen ausgelöst worden. Nachdem sie aber ausgebrochen war, drosselten aber Banken und bankähnliche Institutionen wie Hedge-Fonds oder Finanzinvestoren die Kreditvergabe an Unternehmen drastisch. Dadurch kippten viele diese auf längere Frist pokernden Finanzierungskonzepte. Fast jedes dritte Unternehmen, das in den Jahren vor 2008 PIK-Anleihen begeben hatte, konnte diese seither nicht zurückzahlen, berichtet die Rating-Agentur Moody's. Allerdings seien die Emittenten heute in besserer Verfassung als seinerzeit.

          Kreditverbriefungen sind auch wieder in Mode

          Auch sogenannte „Collateralized Loan Obligations“ (CLO) sind auf dem Vormarsch. Mit diesen werden Unternehmenskredite aufgeteilt und neu zu gebündelt, um damit Anleihen zu besichern. Je nach Rang der Kredite gelten diese Anleihen als unterschiedlich stark risikobehaftet und sind entsprechend höher oder niedriger verzinst. Zins und Tilgung werden aber nur aus den Zins- und Tilgungszahlungen der Unternehmen bestritten. In der Variante von Hypothekenkrediten werden diese forderungsbesicherten Wertpapiere zu den Auslösern der Finanzkrise gerechnet.

          Das Krisenpotential, das sich in diesem Bereich aufbaut, könnte aber im Vergleich zu den Jahren vor 2008 aber gedämpft werden, wenn neue Regulierungsbestimmungen zügig verabschiedet werden. So sollen etwa die Emittenten von CLOs verpflichtet werden, einen Teil der Kredite selbst zu behalten.

          Noch stärker könnte ein rasches Ende der Nullzinspolitik der amerikanischen Notenbank wirken. Möglicherweise haben es die Banken deswegen eilig, Kredite an Investoren weiter zu verkaufen, vermuten Beobachter. Sollte die Notenbank aus makroökonomischen Gründen aber weiter an der Nullzinspolitik festhalten, könne sich das sich derzeit aufbauende Bedrohungspotential zur handfesten Blase ausweiten.

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