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„Fifty Shades of Grey“ : Handschellen im Supermarkt

Frauen posieren vor einem Filmplakat in Los Angeles von „Fifty Shades of Grey“ Bild: AFP

Der Erotikfilm „Fifty Shades of Grey“ legt einen glänzenden Kinostart hin. Derweil läuft die Merchandising-Maschinerie in Amerika auf Hochtouren. Selbst bei Wal-Mart gibt es Handschellen.

          Um den Valentinstag herum lässt die Filmindustrie in Amerika gerne Liebeskomödien in den Kinos anlaufen. In diesem Jahr ging ein etwas anderer Liebesfilm ins Rennen, die Verfilmung des Erotik-Bestsellers „Fifty Shades of Grey“. Der oft als Hausfrauenporno verunglimpfte Sadomaso-Roman war eine Sensation in der Buchbranche. Er läutete eine Trilogie ein, von deren Titeln mehr als 100 Millionen Exemplare verkauft worden sind.

          Neuer Rekord

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun ist der Stoff auch in den Kinos ein gigantischer Erfolg. Am Startwochenende spielte der Film in Amerika 81,7 Millionen Dollar ein. Das ist ein klarer Rekord für das Wochenende um den Valentinstag. Der bisherige Spitzenreiter war eher klassisches Material für diesen Anlass, die Komödie „Valentine’s Day“, die es 2010 auf 56 Millionen Dollar brachte. Auch anderswo ist „Fifty Shades of Grey“ ein Kassenschlager. Außerhalb der Vereinigten Staaten brachte der Film 158 Millionen Dollar ein.

          Dass „Fifty Shades of Grey“ zu einem Publikumsmagneten werden würde, hatte sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet. Ticketdienste wie Fandango berichteten von glänzenden Vorverkäufen. Bemerkenswerterweise war dabei das Interesse in den als sehr konservativ geltenden südlichen Bundesstaaten wie Mississippi oder Alabama besonders groß.

          Das Geschäft mit „Fifty Shades of Grey“ geht weit über die Kinokassen hinaus. Denn zum Kinostart hin wurde eine Merchandising-Maschinerie angeworfen, wie man sie sonst eher aus Disney-Zeichentrickfilmen kennt. Nur stehen diesmal statt Prinzessinnenkleidern, wie sie zum Beispiel rund um den Disney-Film „Die Eiskönigin“ angeboten wurden, Sex-Spielzeuge in den Regalen. Das beschränkt sich nicht auf spezialisierte Erotikhändler wie „Babeland“, auf dessen Internetseite ein breites Sortiment von Produkten rund um den Film angeboten wird, von Peitschen bis hin zu Liebeskugeln.

          Handschellen bei Wal-Mart

          Auch die großen Massenhändler sind auf den Zug aufgesprungen. Der Discounter Target etwa verkauft die „Official Pleasure Collection“ zum Film. Für 13,49 Dollar gibt es zum Beispiel einen Penisring, der aber dezenterweise „Liebesring“ genannt wird. Der größte amerikanische Einzelhändler Wal-Mart hat auf seiner Internetseite ein Geschenkpaket, das „von Hand mit Seil umwickelt“ ist. Darin finden sich Schokolade und Kekse ebenso wie Handschellen und Augenbinden. Das Paket ist aber im Moment nicht mehr auf Lager. Heimwerkermärkte wiederum berichteten in den vergangenen Wochen von einem ungewöhnlich großen Andrang weiblicher Kunden, die Produkte mit Zweckentfremdungspotential wie Seile kaufen.

          Für die Filmindustrie setzt sich derweil mit „Fifty Shades of Grey“ ein guter Start in das Kinojahr fort. Bis einschließlich Sonntag liegen die Umsätze seit Jahresbeginn gegenüber 2014 um 11 Prozent im Plus. Das hat neben „Fifty Shades of Grey“ auch viel mit dem Überraschungserfolg des Kriegsfilms „American Sniper“ zu tun, der in den Vereinigten Staaten schon mehr als 300 Millionen Dollar eingespielt hat. Das ist eine willkommene Wendung für die Branche, die im vergangenen Jahr einen deutlichen Umsatzrückgang zu beklagen hatte.

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