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Fallende Aktien- und Wechselkurse : Anleger haben Angst um Asien

Indonesien ist zwar teilweise industrialisiert, leidet aber am mangelnden Reformwilloen der Regierung Bild: REUTERS

Das Anlageobjekt Schwellenland hat Beulen und Kratzer bekommen. Vor allem in Südostasien, wo die Unsicherheit wächst und Aktien- und Wechselkurse zunehmend verfallen.

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          Singapur ist eine Ausnahme. Dort investiert der Ölriese Exxon Mobil weitere fünf Milliarden Dollar. Der weltgrößte Ölkonzern baut eine zweite petrochemische Anlage auf der Singapur vorgelagerten Insel Jurong. Weitere Produktionsstätten sollen folgen – auch etwa eine Herstellung von Butyl Kautschuk für moderne Reifen, das auch schon der deutsche Chemiekonzern Lanxess in Singapur mit hohem Aufwand herstellt. „Wir erwarten, dass die weltweite Nachfrage nach Chemie in Asien schneller zulegt als das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Zwei Drittel des Wachstums der Chemie-Nachfrage wird in Asien stattfinden. Deshalb ist die Singapurer Fabrik einzigartig geeignet, diese Wachstumsmärkte – von China bis Indien und darüber hinaus – zu versorgen“, sagte Rex Tillerson, der Vorstandsvorsitzende von Exxon Mobil in Singapur.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Stadtstaat zieht solche Großinvestitionen an, weil er mehr als Geld, Land und Steuernachlässe zu bieten hat: Qualifizierte Arbeiter, politische Berechenbarkeit, Sicherheit, Schutz des geistigen Eigentums und eine hohe Lebensqualität. Genau das hebt ihn von seinen Nachbarländern ab. Denn sie bleiben unberechenbar – und bleiben damit trotz wachsender Konsumentenzahlen ein schweres Feld für Manager, die Investitionsentscheidungen für Jahrzehnte treffen müssen. 

          Singapur: Südostasiens Hort der Stabilität

          In Thailand droht gut 300 Abgeordneten die Überprüfung durch die Korruptionsbehörde. Die für Anfang Februar angekündigten Wahlen mit den zu erwartenden Unruhen schrecken Investoren ab. Kambodscha und Bangladesch werden von den Auseinandersetzungen in der Textilindustrie erschüttert. Indonesien spürt den Vorwahlkampf. Indien betreibt weiter Nabelschau und hofft auf neue Impulse frühestens nach der Wahl im Mai. Chinas Umstrukturierung birgt enorme Unsicherheiten. Asien bietet derzeit „eine alles in allem enttäuschende Entwicklungsgeschwindigkeit für Investoren und Geschäftsleute, die lange an mehr gewöhnt waren“, kritisiert Frederic Neumann von der Bank HSBC.

          Die Folgen der Unsicherheit lassen sich auf allen Ebenen ablesen. Die meisten Aktienmärkte der Region haben seit Jahresbeginn an Wert verloren. Am augenfälligsten aber wurden die Probleme beim Verkauf der lang laufenden Anleihen Indonesiens in dieser Woche: Die Regierung musste schon einen spürbaren Aufschlag gewähren, um ein nochmaliges Desaster wie beim gescheiterten Versuch eines Bond-Verkaufs im November zu vermeiden. Die indonesische Rupiah verliert scheinbar unaufhaltsam an Wert: Im vergangenen Jahr notierte sie 21 Prozent leichter gegenüber dem Dollar und pendelt nun um den niedrigsten Stand seit 2008. Die Zinserhöhungen der Zentralbank hielten den Wertverfall der Währung nicht auf.

          Auch der philippinische Peso und der thailändische Baht schmelzen. In den ersten Tagen nach dem Jahreswechsel verlor der Thai-Baht weitere 1,3 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar, der philippinische Peso verlor gut 1 Prozent seines Wertes. „Die Kapitalmärkte in Südostasien sind sehr dünn. Deshalb ist jeder Abzug von Geld für die Länder bedeutend. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten ein oder zwei Jahren weitere Abflüsse erleben werden“, legt sich Jan de Bruijn von Lion Global Investors am Finanzplatz Singapur fest.

          Der Index der Philippinen indes ist nach seinem Hoch zur Mitte des vergangenen Jahres mit einem Plus von 20 Prozent wieder auf den Stand von Jahresbeginn 2013 zurückgefallen. In Indonesien verlor der Index im Jahresverlauf gut tausend Punkte auf 4175 Punkte. In Thailand büßte der SET rund 400 auf 1262 Punkte ein. Trotz dieser Verluste werden die Aktien in Südostasien im Vergleich weiter als teuer betrachtet – eine Kaufgelegenheit böten diese Kurse noch nicht, heißt es überwiegend. Jonathan Garner, Asienchef von Morgan Stanley sprach am Donnerstag von einem „extrem negativen Gefühl gegenüber Schwellenmärkten“.

          Zeitgleich gaben die Indizes der Region weiter nach. Auslöser war der anhaltende Fall der Herstellerpreise in China, im Dezember um 1,4 Prozent im Jahresvergleich, der auf schwächeres Wachstum deutet. Die Risikoprämien für regionale Anleihen legten weiter zu. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific verlor bis zum Mittag in Tokio 0,5 Prozent seines Wertes. Der japanische  Nikkei 225 gab 1,25Prozent nach. Die Börsen in Singapur, Malaysia und Indonesien zeigten sich nach den Verlusten der vergangenen Tage unentschlossen.

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